
Umbau in eine militarisierte Gesellschaft – Totalitarismus und Gehorsam für Kapitalinteressen

Von Felicitas Rabe
Am letzten Märzwochenende fand in Berlin der Jahreskongress 2026 der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP) zum Thema "Rasende Zerstörung – Ursachen und Folgen der Kriegsvorbereitung" statt. Am Samstag sprach Felicitas Rabe für RT DE mit dem Professor für Psychologie Klaus-Jürgen Bruder über das Thema der Konferenz. Im Interview wollte Rabe wissen, was Herr Bruder sich unter der "Rasenden Zerstörung bei der Kriegsvorbereitung" vorstelle. Sie wollte von ihm erfahren, wie die deutsche Gesellschaft dazu gebracht werden konnte, eine Militarisierung zu akzeptieren, und welche Folgen dies für die Gesellschaft und den einzelnen Menschen mit sich bringt.
Niedergang der Wirtschaft
Der ökonomische Niedergang in Deutschland habe schon lange vor Beginn des Krieges gegen Russland mit der Abkoppelung von der russischen Wirtschaft eingesetzt. Außerdem sei seit Jahren die deutsche Industrie abgebaut worden. Damit habe die Zerstörung der wirtschaftlichen Grundlagen der Gesellschaft angefangen, erklärte Bruder.

Gegenüber der Bevölkerung habe man die Ablehnung russischer Energielieferungen mittels ideologischer Indoktrinierung gerechtfertigt: Russland ist der Feind! Mit der Behauptung, dass Russland ein Feind sei, werde nicht nur die wirtschaftliche und kulturelle Beziehung zu Russland zerstört. Damit einhergehend würden auch das bürgerliche Leben im Inneren und die Freiheit zerstört, das eigene Leben nach den eigenen Vorstellungen und Möglichkeiten zu gestalten. Die mit der Feinderklärung Russlands begründete Militarisierung führe zugleich auch zu einer Deformation des Bewusstseins.
Die antiautoritären Befreiungsbewegungen der Sechzigerjahre
Wie konnte es nach den gesellschaftlichen Emanzipationsbewegungen der 68er-Jahre dazu kommen, dass die Menschen in Deutschland heutzutage wieder autoritätshörig den Ideologien der Herrschenden gehorchen?
Der 68er-Bewegung sei es um Selbstbefreiung aus dem adenauerschen Muff und der Gehorsamshaltung gegenüber Obrigkeiten gegangen. Die herrschende Klasse sei vollkommen unvorbereitet von der rebellierenden studentischen Jugend und den sympathisierenden Teilen der Bevölkerung überrascht worden. Selbstbewusst hätten sie ihre Diskurse in die Universitäten getragen und die Seminare "umfunktioniert."
Infolgedessen habe man sich an den Hochschulen über die Hintergründe des Vietnamkriegs, über die antikolonialen Befreiungsbewegungen, und über die Notwendigkeit und Möglichkeit, das gesellschaftliche Zusammenleben grundlegend zu ändern, auseinandergesetzt. Insbesondere wurde über Möglichkeiten diskutiert, Herrschaft und Ausbeutung abzuschaffen. Zu der Zeit seien sogenannte Gegenuniversitäten eingerichtet und neue Zeitungen gegründet worden. Studenten hätten durchgesetzt, dass sie an der Berufung und Einstellung von Professoren beteiligt wurden. Vor allem habe man die Aufarbeitung des Faschismus erzwungen.
Warum konnte wieder ein repressiver autoritärer Staat entstehen?
Der damalige Prozess der kulturellen Selbstbefreiung werde inzwischen wieder gründlich zerstört, erklärte Bruder. Schon relativ bald hätten die Herrschenden wieder Fuß gefasst und erste Pflöcke einer Konterbewegung zur Restaurierung ihrer Macht eingeschlagen. Mithilfe der Medien hätten sie begonnen, Kritiker des autoritären Staats als linksradikal und terroristisch zu diffamieren, Berufsverbote für kritische Lehrer und andere Berufe wurden eingeführt.
Unter dem sozialdemokratischen Bundeskanzler Willy Brandt seien sogenannte Gesinnungsprüfungen für Beamtenanwärter eingeführt worden. Damit habe man den aufmüpfigen Willen von zum Beispiel angehenden Lehrern gebrochen. Gleichzeitig habe die Sozialdemokratie ein paar emanzipatorische Forderungen politisch umgesetzt. Mit Zuckerbrot, seien die Peitschenhiebe flankiert worden, um die, die sich nicht einschüchtern ließen, zu beeindrucken. Aktivisten der Bewegung seien dabei auch mit dem Versprechen der Teilhabe an der Macht geködert worden. So habe man Loyalität zu Regierung und Staat auch in regierungskritischen Milieus wieder aufbauen können.
Wie man am folgsamen Verhalten der außerparlamentarischen Linken in der Coronazeit erkennen könne, sei die Strategie der Herrschenden auch langfristig aufgegangen. Beispielsweise habe der damalige Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, nur zu fordern brauchen "Nicht nachdenken, sondern machen!", und schon sei der überwiegende Teil mit kritischem, ja selbst antiautoritär linkem Selbstbewusstsein bedenkenlos dem Corona-Regime gefolgt.
Die Corona-Inszenierung als Test für eine Militarisierung der Gesellschaft
Für Bruder habe die Corona-Inszenierung, wie er sie bezeichnet, insbesondere die Funktion gehabt, seitens der herrschenden Klasse zu prüfen, wie weit man eine Gesellschaft dirigieren und autoritären Maßnahmen unterwerfen könne. Diese Prüfung wiederum sei Teil einer umfassenden Strategie der Militarisierung der Gesellschaft. Zur Militarisierung gehöre schlussendlich die Einführung und Durchsetzung von kriegsvorbereitenden Maßnahmen, die die Gesellschaft befolgen müsse.
Um die verschiedenen Aspekte einer Militarisierung und Kriegsvorbereitung gehe es beim diesjährigen Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie. Die rasende Zerstörung habe nicht nur die gesellschaftliche Infrastruktur, Industrie und Wohlstand erfasst, es gehe auch um die Zerstörung des Bewusstseins der Menschen. Der Psychologieprofessor mahnte:
"Diese Zerstörung des individuellen wie des kollektiven Bewusstseins ist dramatisch. Die Bürgerechte werden im großen Stil abgeschafft. Dazu gehören nicht nur das politische Recht auf Teilhabe am demokratischen Geschehen und der Zugang zu der dazu nötigen Information. Dazu gehört alles, was das bürgerliche Leben im weitesten Sinn ausmacht: die Selbstbestimmung über die Wohnung, über die Berufstätigkeit und über die Art und Weise des individuellen Lebens.
Die Militarisierung verlangt von jedem Einzelnen totale Unterordnung, seine Individualität der Staatsräson zu opfern – für den Staat, seine Imperative und Vorgaben gibt sich der Einzelne als soziales, politisches, ja menschliches Wesen auf und wird nichts weiter als 'variables Kapital'. Das politische Feld gehört nicht mehr dem frei über sich selbst bestimmenden Menschen, das heißt, das politische Feld ist abgeschafft. Das Ziel, die Perspektive dieser 'Entpolitisierung' ist der Faschismus."
Klaus-Jürgen Bruder ist Psychoanalytiker und Professor für Psychologie an der Freien Universität Berlin. Zusammen mit Almuth Bruder-Bezzel veröffentlichte er 2021 im Westend-Verlag das Buch "Macht – Wie die Meinung der Herrschenden zur herrschenden Meinung wird". Im Jahr 2025 erschienen im Hintergrund Verlag sein Buch "Macht und Herrschaft – Wie mit politischer Psychologie und Propaganda unser Verhalten manipuliert wird", und im Promedia-Verlag zusammen mit Almuth Bruder-Bezzel, Benjamin Lemke und Conny Stahmer-Weinandy das Buch "Von der Glückssüchtigkeit zur Kriegsbereitschaft".
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