Deutschland

Deutsche Arbeitswelt: Dienst nach Vorschrift und Suche nach einem neuen Job

Jedes Jahr erkundet das Meinungsforschungsinstitut Gallup die Zufriedenheit der deutschen Beschäftigten. Und die Ergebnisse sind, nüchtern gesagt, nicht schön. Die Wenigsten sehen sich in drei Jahren noch im selben Job. Optimismus sieht anders aus.
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Die Luft ist raus aus der deutschen Wirtschaft, nicht nur wegen der Energiekosten. Das ist der Eindruck, den die aktuelle Ausgabe der seit einem Vierteljahrhundert erscheinenden Gallup-Umfrage "Engagement Index Deutschland" erweckt. Die Folge ist unter anderem ein niedriges Engagement der Mitarbeiter und die Tatsache, dass rund ein Drittel in unterschiedlicher Intensität nach einer Möglichkeit zum Absprung sucht.

Für diese Umfrage wurden zwischen dem 17. November und dem 20. Dezember 2025 1.700 zufällig ausgewählte Beschäftigte befragt.

Es ist der langfristige Vergleich, der die Veränderung sichtbar macht: Nur noch zehn Prozent der Beschäftigten haben eine hohe emotionale Bindung an das Unternehmen, in dem sie arbeiten. Bei 77 Prozent ist die Bindung schwach, bei 13 Prozent gar nicht vorhanden.

Das ist der zweitniedrigste Wert bei der "starken Bindung" seit Beginn der Umfragereihe. Nur 2024 lag er mit 9 Prozent noch niedriger. Allerdings bewegte er sich zwischen 2011 und 2021 um die 15 Prozent. Immerhin ist der Anteil derjenigen, die gar keine Bindung haben, also im Grunde morgen kündigen würden, wenn sie könnten, mit 13 Prozent ebenfalls auf einem absoluten Tiefstwert. Die vorherrschende Haltung ist eine Art freundlicher Gleichgültigkeit.

Diese Frage der Bindung hat durchaus auch Folgen für die Beschäftigten selbst. Dass die Zahl der Krankheitstage unmittelbar mit der Qualität dieser Bindung verknüpft ist, der Unterschied zwischen den Beschäftigten mit hoher Bindung und jenen ohne Bindung ganze vier Krankheitstage im Jahr beträgt (5,7 zu 9,7), kann man noch als Ergebnis vor allem im Interesse des Unternehmens verbuchen, ebenso wie die um 14 Prozent höhere Produktivität in der Produktion und um 18 Prozent höhere im Vertrieb; selbst die Verringerung der Qualitätsmängel um 32 Prozent.

 Allerdings fühlen sich diejenigen, die sich weniger oder gar nicht mit der Firma identifizieren, bei der Arbeit auch deutlich stärker gestresst. "Immer oder häufig" antworteten nur 9 Prozent der stark gebundenen, 17 Prozent der schwach gebundenen, aber 41 Prozent der gar nicht gebundenen – das betrifft bereits das Wohlbefinden der Beschäftigten selbst. Und die Sicherheit der Beschäftigten erhöht sich auch – die Zahl der Arbeitsunfälle ist bei jenen mit einer hohen Bindung um ganze 63 Prozent niedriger.

Auf lange Frist an ihrer aktuellen Arbeitsstelle bleiben wollen nur die hoch gebundenen Mitarbeiter mehrheitlich, also ganze zehn Prozent der Beschäftigten. 57 Prozent von ihnen wollen auch noch in drei Jahren bei ihrem aktuellen Arbeitgeber sein. Bei der überwiegenden Mehrheit, den schwach gebundenen 77 Prozent, sind das nur noch 41 Prozent. Bei den 13 Prozent, die gar keine Bindung haben, wollen das nur 17 Prozent. Das bedeutet in Summe: Über 60 Prozent aller Beschäftigten sehen sich in drei Jahren nicht mehr dort, wo sie heute arbeiten.

Insgesamt bekundeten 12 Prozent, aktiv auf der Suche zu sein, und 25 Prozent, sich umzuschauen, aber noch nicht aktiv zu suchen. Das sind etwas weniger als in den Vorjahren. Jedoch ist der Anteil derjenigen, die gute Chancen sehen, eine neue Arbeit zu finden, deutlich gestiegen: 39 Prozent halten ihre Chancen für sehr gut, 35 Prozent für gut, nur 19 Prozent für weniger gut und 8 Prozent für schlecht.

Angesichts dessen, dass 63 Prozent bestenfalls eingeschränkt Vertrauen in die finanzielle Zukunft ihrer Firma haben und nur 23 Prozent davon ausgehen, dass die Geschäftsführung zukünftige Herausforderungen erfolgreich meistern wird, dürften sich diese Werte nicht nur in Wechselbereitschaft, sondern in viele reale Kündigungen umsetzen; zumindest, solange die ökonomische Krise nicht weiter eskaliert. Die inneren Kündigungen jedenfalls dürften nicht innerlich bleiben.

Fragen nach der Entlohnung bzw. nach der Zufriedenheit mit dieser wurden in dieser Umfrage nicht gestellt.

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