Deutschland

Bahn-Tochter vor dem Aus? DB Cargo streicht rund die Hälfte aller Stellen

Die Deutsche Bahn kommt nicht aus den Schlagzeilen – diesmal macht die Güterverkehrssparte von sich reden. Fast die Hälfte aller Stellen soll wegfallen, um die Konzerntochter DB Cargo zu "sanieren". Sinkende Nachfrage und Vorgaben aus Brüssel machen der Güterbahn zu schaffen.
Bahn-Tochter vor dem Aus? DB Cargo streicht rund die Hälfte aller Stellen© Urheberrechtlich geschützt

DB Cargo, die Logistik-Tochter der Deutschen Bahn, beschäftigt derzeit noch rund 14.000 Mitarbeiter und ist chronisch defizitär. EU-Vorgaben verlangen nun, dass die Güterverkehrssparte der Bahn bis Ende 2026 wieder schwarze Zahlen schreibt. Doch die schwache Konjunktur erschwert der Bahn, dieses Ziel zu erreichen. Die Nachfrage nach Transportleistungen auf der Schiene ist nach wie vor rückläufig. Hinzu kommt, dass die Güter-Bahn Dienstleistungen in der Fläche anbietet, die kein anderes Unternehmen in der Form wie die Bahn leisten kann.

Vor diesem Hintergrund hat der neue Chef von DB Cargo, Bernhard Osburg, verkündet, fast die Hälfte aller Stellen seines Unternehmens streichen zu wollen. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur kündigte der Bahn-Manager an, dass 6.200 Arbeitsplätze wegfallen sollen, was annähernd die Hälfte aller Stellen der DB-Gütersparte in Deutschland ist. Wie die Deutschen Wirtschaftsnachrichten (DWN) schreiben, seien fast alle Bereiche des Unternehmen von den geplanten Kürzungen betroffen – Disposition, Planung, Fahrbetrieb sowie Verwaltung, Vertrieb und IT-Abteilung.

Radikaler Befreiungsschlag?

Die Güter-Tochter der Bahn sieht sich gezwungen, einen grundlegenden Umbau ihrer Strukturen vorzunehmen. Ein Sanierungsplan von Osburgs Vorgängerin, Sigrid Nikutta, wurde von einem externen Gutachten abgelehnt, und Nikutta musste ihren Posten räumen.

Der neue Mann an der Spitze von DB Cargo unterstreicht, er habe eine mittelfristig ausgerichtetes Konzept bis zum Jahr 2030 entwickelt. Noch bis Ende des laufenden Monats wird ein neues Gutachten erwartet, das die neue Strategie bestätigen soll. In der laufenden Woche hat die Unternehmensleitung die Beschäftigten und den Aufsichtsrat von DB Cargo über die atkuelle Lage informiert.

Derzeit belaufe sich das operative Minus auf einen "mittleren zweistelligen Millionenbetrag", berichtet die Welt. Bislang durfte der Mutterkonzern diese Verluste ausgleichen; doch damit ist Ende 2026 Schluss. Die Auflagen der EU-Kommission gehen auf eine Klage eines privaten belgischen Schienen-Logistikunternehmens zurück, das sich gegen die indirekten staatlichen Subventionen für DB Cargo gewandt hatte. Teil des Brüsseler Kompromisses ist immerhin das Zugeständnis, dass die über Jahre vom Mutterkonzern geleisteten Unterstützungen nicht zurückgezahlt werden müssen.

Umbau soll auf vier "Säulen" ruhen

Osburg, früher Chef der Stahlsparte von Thyssenkrupp, will auf vier Feldern – "Säulen" – die Profitabilität von DB Cargo erreichen. Weil die bisherigen Hauptkunden der Bahn – Autoindustrie, Chemie- und Stahlindustrie – immer weniger Transportleistungen von DB Cargo benötigen, plant Osburg eine Verlagerung der Unternehmensaktivitäten auf das europäische Ausland. Dazu erklärte der Bahn-Manager:

"Wir richten Vertrieb, Planung, Disposition und Produktion deutlich stärker europäisch aus und bauen DB Cargo zum führenden europäischen Schienenlogistiker mit klaren, grenzüberschreitenden Systemlösungen aus."

Der zweite Bereich betrifft Einsparungen in Höhe von rund einer Milliarde Euro bis zum Jahr 2030. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen unter anderem 4.000 Arbeitsplätze gestrichen, die Verwaltung verschlankt und "Produktivitätssteigerungen" beim Fuhrpark erzielt werden.

Weitere erhebliche Einsparungen erhofft sich Osburg im sogenannten Einzelwagenverkehr, der rund 40 Prozent Transportleistung von DB Cargo ausmacht. Hier sollen ebenfalls Arbeitsplätze in vierstelliger Größenordnung entfallen – die Rede ist von 2.000 Stellen. Diese dritte Säule des Sanierungskonzepts betrifft Dienstleistungen von DB Cargo für Industriekunden mit Gleisanschluss, bei denen die Bahn einzelne Wagen abholt und dann in Rangierbahnhöfen zu den eigentlichen Güterzügen zusammenstellt.

Am Zielort werden die Züge dann wieder auseinandergenommen und die Einzelwagen zu den Kunden gebracht. Wo kein Gleisanschluss vorhanden ist, holt DB Cargo die Güter auch per Lastkraftwagen ab oder verteilt sie in der Zielregion. Weil der Einzelwagenverkehr aufwändig ist, soll er neu organisiert werden. Allerdings betont Osburg, dass der Einzelwagenverkehr nach der Neuorganisation defizitär bleiben werde. Die Bahn sei deshalb auch künftig auf eine finanzielle Unterstützung des Bundes angewiesen.

Aber nicht nur bei den Einzelwagen will Osburg ansetzen, sondern bei dem gesamten System der sogenannten Zugbildung. Diese soll in Zukunft zentralisiert erfolgen. An vier Standorten – Köln-Gremberg, Seelze, Mannheim und Nürnberg –, keiner davon in einem der östlichen Bundesländer, sollen die Züge zusammengestellt werden. Nachgelagert sollen fünf Rangieranlagen mit einer, wie es heißt, "flexibleren Auslastung" betrieben werden. Außerdem soll es weitere Veränderungen auf dem Gebiet der DB-Cargo-Infrastruktur geben. Von den gegenwärtig noch 27 Instandhaltungswerkstätten will Osburg zwölf schließen oder verkaufen.

Schließlich erhofft sich der oberste Güterverkehrsmanager der Bahn Veränderungen auf Ebene der "Unternehmenskultur". Osburg mahnt zu mehr "Verantwortungsbewusstsein" bei den Entscheidern "in der Fläche", wie berichtet wird. Zudem soll es verbindliche Fahrpläne geben, mit denen das neue Konzept umgesetzt werden soll.

Enger Zeitplan

Bis zum Sommer dieses Jahres sollen weitere Einzelheiten abgestimmt und die Sanierung schrittweise eingeleitet werden. Bereits im kommenden Jahr soll die neue Struktur für den Einzelwagenverkehr vollständig umgesetzt sein.

Wie das Handelsblatt schreibt, sieht sich die DB Cargo einer starken Konkurrenz gegenüber: In Deutschland würden inzwischen rund 54 Prozent der Schienengüter von "privaten, aber teilweise auch staatseigenen Konkurrenten der DB" transportiert.

Osburg kann vorerst wenigstens auf gewerkschaftliche Unterstützung zählen. Wie die Welt berichtet, befürwortet die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die neuen Sanierungspläne, insbesondere die Ausrichtung auf den europäischen Markt. Mit Osburgs Vorgängerin Nikutta habe sich die EVG dagegen "bittere Kämpfe" geliefert. Und so habe Cosima Ingenschay, Vizechefin der EVG, bereits erklärt:

"Wir sind uns mit Cargo-Chef Osburg einig: Cargo muss effizienter werden und Cargo kann wachsen."

Allerdings sei man sich über den Weg zu Effizienzsteigerung und Wachstum mit dem Management von DB Cargo noch nicht einig. Daher forderte die EVG-Gewerkschafterin:

"Bevor ein großer Arbeitsplatzabbau startet, erwarten wir, dass jeder Stein umgedreht und jede Maßnahme zur Steigerung der Effizienz geprüft wird."

Damit habe die Gewerkschaft vermittelt, sie werde um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Sollten die Sanierungspläne keinen Erfolg haben und die DB Cargo weiterhin rote Zahlen schreiben, drohe, wie es heißt, dem Unternehmen das "Aus".

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