Deutschland

Deutsche Goldreserven in New York nicht mehr sicher?

Vielleicht hat die Auseinandersetzung um Grönland bei einigen doch tiefere Verunsicherung ausgelöst. Es ist auf jeden Fall erstaunlich, dass plötzlich die deutschen Goldreserven in New York wieder zum Thema werden. Zuletzt waren sie das nach der Finanzkrise 2008.

Ausgerechnet Marie-Agnes Strack-Zimmermann meldete sich jetzt zu Wort und fordert lautstark den Transport der in New York gelagerten deutschen Goldreserven nach Deutschland. Sie erklärte:

"In einer Zeit wachsender globaler Unsicherheiten und unter der unberechenbaren US-Politik von Präsident Trump ist es nicht länger vertretbar, dass rund 37 Prozent der deutschen Goldreserven, mehr als 1230 Tonnen, in Tresoren der Federal Reserve in New York lagern."

Die Bundesregierung solle schnellstmöglich einen Zeitplan dafür erstellen. "Der Bundestag muss in einer Sondersitzung über die Zukunft unserer Reserven und die Sicherstellung unserer wirtschaftlichen Unabhängigkeit beraten."

Auch seitens der Grünen wurde eine solche Forderung unterstützt. Deren finanzpolitische Sprecherin, Katharina Beck, erklärte, die Goldreserven seien "ein wichtiger Stabilitäts- und Vertrauensanker. Sie dürfen auf keinen Fall zum Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen werden."

Begründet werden derartige Forderungen unter anderem damit, dass diese Goldreserven US-Präsident Donald Trump zur Erpressung dienen könnten. Das ist mit Formulierungen wie "Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen" gemeint.

Noch immer sind die deutschen Goldreserven, nach den Daten des Internationalen Währungsfonds, mit insgesamt 3.350 Tonnen, die zweitgrößten der Welt; einzig die Vereinigten Staaten haben mit 8.133,5 Tonnen mehr. 1.236 Tonnen davon lagern bei der Fed in New York. Weitere 405 Tonnen lagern bei der Bank von England in London, 1.700 Tonnen bei der Bundesbank in Frankfurt (Main).

Dass in den USA so viel deutsches Gold lagert, ist ein Relikt aus Zeiten, in denen Währungen noch goldgedeckt waren und der Zahlungsausgleich zwischen Ländern vielfach so funktionierte, dass ein Stapel Goldbarren vom einen Kellerabteil ins andere gefahren wurde. Es sind überwiegend die Handelsüberschüsse aus den 1950ern, die noch immer dort liegen. Die Goldbindung des US-Dollars wurde unter Richard Nixon 1971 aufgehoben.

Bereits im Nachklang der Finanzkrise 2008 gab es Bestrebungen, die Goldreserven nach Deutschland zu holen. Die Vereinigten Staaten weigerten sich damals, diese Reserven herauszugeben; tatsächlich nach Deutschland verbracht wurde ein Teil des in London gelagerten Goldes.

Der Hintergrund für die harte Haltung der Vereinigten Staaten war damals, dass mit der Kombination aus deutscher Wirtschaftskraft und den hohen Goldreserven die Möglichkeit bestanden hätte, aus dem Euro wieder auszusteigen und mit einer goldgedeckten Mark den US-Dollar direkt anzugreifen. Tatsächlich war das damals der Punkt, an dem sich die Gründer der AfD von der CDU abspalteten, weil sich diese Strategie nicht durchsetzen konnte. Die Mehrheit der Partei folgte lieber der Linie, mit über den Euro künstlich abgewerteten Preisen die deutsche Exportwirtschaft auszuweiten.

Allerdings gibt es ebenfalls seit damals auch Sorgen, ob die Goldreserven in New York noch bestehen oder ob es sich dabei noch um Gold handelt. Mit ausgelöst werden derartige Bedenken unter anderem durch die Tatsache, dass die USA bereits mehrfach bei Gelegenheit politischer Umstürze die Goldreserven ganzer Länder mitnahmen, wie in Libyen nach dem Sturz Ghaddafis und nach dem Putsch vor einigen Jahren in Bolivien.

US-Präsident Donald Trump hatte übrigens im Wahlkampf noch versprochen, er werde die Goldreserven der Vereinigten Staaten selbst überprüfen lassen, was seit Jahrzehnten nicht mehr geschah. Auch ein Teil dieser Reserven lagert bei der Fed in New York, der Großteil aber in Fort Knox. Bisher kam es jedoch nicht zu dieser Überprüfung.

Angesichts der heutigen wirtschaftlichen Lage Deutschlands wäre es sogar denkbar, dass die USA einer Forderung nach einem Abtransport weniger Widerstand entgegensetzen, als das vor über zehn Jahren der Fall war. Außer natürlich, diese Reserven wären mittlerweile so fiktiv, wie das viele fürchten. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel erklärte jedenfalls erst im Oktober letzten Jahres, die Bundesbank inspiziere regelmäßig und nehme Stichproben. "Es ist vorhanden, es ist echt und es ist in vollständiger Übereinstimmung mit dem, was wir in unseren Büchern haben."

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