
Queere Bücherkisten in Hannovers Kitas verteilt

Von Astrid Sigena
Vergangenen Freitag fand in den 41 städtischen Kitas der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover eine Art verspätete Weihnachtsbescherung statt. Die Stadtverwaltung stattete ihre Kinderbetreuungsstätten mit "queeren Bücherkisten" aus. Die Kisten enthalten jeweils vierzehn Bücher. Kosten der Aktion pro Kiste: 270 Euro. Insgesamt also rund 11.000 Euro. Sie stammen aus Restmitteln des Haushalts der von dem Bündnisgrünen Belit Onay regierten Großstadt. Dazu kommen bereits seit 2020 Schulungen für die Kita-Teams im pädagogischen Umgang mit geschlechtlicher und sexueller Vielfalt.
Zeitgleich hat die Stadt Hannover eine Empfehlungsliste mit 66 Kinderbüchern zum Thema "Vielfalt" herausgegeben. Nach Angaben des von Mitarbeitern von Stadt und Region betriebenen Familienblogs Hannover "befasste sich der queere Mitarbeiterstammtisch der Landeshauptstadt Hannover" bereits seit 2022 "intensiv mit Vielfalt in Kinderbüchern". Maßgeblich beteiligt war bei der Bücherauswahl für die Kindertagesstätten Juliane Steeger, die Beauftragte für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in der Stadt Hannover und zugleich Vorsitzende des europaweiten Rainbow Cities Netzwerks, das sich die Förderung der Belange von LGBTI-Bürgern zur Aufgabe macht.

Man wolle damit den Kindern Bücher zur Verfügung stellen, die die Realität abbilden. Sie spiegelten "die Vielfalt unserer Lebenswirklichkeit wider". Auch Familie wäre heutzutage in vielen Formen erlebbar. Das würden die Kleinen auch in ihrem Alltag merken. Neben Regenbogenfamilien und geschlechtlicher Diversität solle es in den Büchern auch um Menschen mit Behinderungen und anderen Hautfarben gehen: "Menschen unterscheiden sich in Körperformen und Hautfarben, leben mit oder ohne Behinderung, haben unterschiedliche Geschlechter und bringen ihr Geschlecht auf vielfältige Weise zum Ausdruck." Durch die Beschäftigung mit den neuen Kinderbüchern würden die jungen Leser Unterschiede spielerisch verstehen lernen und die Botschaft verinnerlichen: "Wir sind nicht alle gleich, aber alle gleich wertvoll."
Dass ihre Kinder mit Büchern konfrontiert werden sollen, die – laut der Regionalzeitung HAZ - "verschiedene Familienkonstellationen thematisieren und Geschlechterrollen aufbrechen wollen", findet nicht überall Zustimmung. In den sozialen Medien wird das Thema in lokalen Gruppen kontrovers diskutiert. Es komme durchaus vor, dass Eltern sich beschweren, dass diese Themen bereits im Kindergartenalter thematisiert werden, muss auch Angela Munke, Leiterin der Fachberatung für städtische Kitas, zugeben. Entsprechenden Vorwürfen entgegnet sie jedoch, dass die Bücher ein Beitrag zur Inklusion seien und keine Frühsexualisierung darstellten, sondern eine altersgerechte Darstellung der Wirklichkeit.
Vanessa Behrendt, die kinder- und jugendpolitische Sprecherin der AfD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, kritisierte das Projekt in einer Pressemitteilung scharf. Ihr Fazit: "Kein Kind im Vorschulalter braucht so etwas!" Es habe seine Berechtigung, ältere Kinder und Jugendliche über verschiedene Lebensentwürfe aufzuklären, und es sei "völlig in Ordnung, wenn sich Männer zu Männern hingezogen fühlen, oder Frauen zu Frauen". Vorschulkinder würden diese Inhalte jedoch überfordern und verunsichern.
Bei der Bücherkistenaktion in Hannover sei über die Köpfe der Eltern hinweg entschieden worden. Aufklärung über queere Themen läge in der Verantwortung der Eltern. Das Projekt der städtischen Mitarbeiter prangerte Behrendt als "woke Agenda" und Übergriffigkeit an. Die Landtagsabgeordnete kündigte an, die AfD werde "jeden der empfohlenen Titel einer ausführlichen Prüfung unterziehen" und von der niedersächsischen Landesregierung eine Stellungnahme verlangen.
Auch von der sich als wertkonservativ verstehenden unabhängigen Wählergemeinschaft "Die Hannoveraner" kam Kritik. Sie stellte den Antrag, dass die Bücher in den Kitas nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Eltern ausgepackt und den Kindern gezeigt werden sollten. Auch in den Kitas in kirchlicher oder freier Trägerschaft sollten solche Umfragen unter der Elternschaft stattfinden. Eine Konfrontation der Kinder mit queeren Kinderbüchern dürfe nach Meinung der "Hannoveraner" nicht einfach "von oben beschlossen werden".
Neben dem offensichtlichen Indoktrinationsversuch bei Vorschulkindern mag so manchem auch die Prioritätensetzung der Stadt Hannover sauer aufgestoßen sein: Denn neben vielen anderen Problemen leiden die Kindertagesstätten in einigen Stadtteilen der niedersächsischen Landeshauptstadt unter einem gravierenden Personalmangel. 2024 mussten an einigen Kita-Standorten die Betreuungszeiten reduziert werden; die städtische Kita im Paracelsus-Weg wurde gleich ganz geschlossen. Und das Problem bleibt weiterhin aktuell, auch wenn zum Beispiel die Region Hannover dem Personalmangel mit der Ausbildung spanischer Erzieherinnen abzuhelfen versucht: Erst kürzlich wurde bekannt, dass die kirchliche Kita in Hannover-Vahrenwald mangels Personals schließen muss.
Eine Frühsexualisierung von Kindergartenkindern wie im Jahr 2023 – als das Landesjugendamt gegen eine von der AWO betriebene Kita in Hannover wegen Kindeswohlgefährdung vorging (geplant waren Medienberichten zufolge ein "Körpererkundungsraum" zum Ausleben frühkindlicher Sexualität) – ist bei der aktuellen Verteilaktion wohl eher nicht zu befürchten. Zumindest lassen die elf bekannt gewordenen Titel der insgesamt jeweils vierzehn verteilten Bücher nicht darauf schließen:
In "Onkel Bobbys Hochzeit: Keine Angst vor Veränderungen!" geht es um die Hochzeit des homosexuellen Lieblingsonkels, "Julian feiert die Liebe" ist das lesbische Gegenstück dazu. Auch Daniel Haacks "Prinz & Ritter" endet in einer gleichgeschlechtlichen Hochzeit. "Ein Tag im Leben von Marlon Bundo" thematisiert ebenfalls die gleichgeschlechtliche Ehe. Dagegen pfeift "Prinzessin Pfiffigunde" auf den Märchenprinzen und fährt lieber Motorrad (das passende Buch zum Modetrend "Hetero-Fatalismus"?). Michael Englers "Das alles ist Familie" behandelt – wie schon der Titel erwarten lässt – Familienkonstellationen aller Art: von der Alleinerziehenden über Patchwork- und Regenbogenfamilien bis hin zur Großfamilie.
"In Julian ist eine Meerjungfrau" erfüllt die verständnisvolle Großmutter des Jungen dessen Wunsch nach einem Meerjungfrauenkostüm. Auch "Teddy Tilly" dreht sich um Identitätsfragen: Ein Teddybär namens Thomas möchte kein Bär mehr sein, sondern lieber eine Teddybärin namens Tilly (hier ist der Wink mit dem Zaunpfahl hin zur Transgender-Transition merklich spürbar). Tyler Feders "Körper sind toll" wiederum hat das Ziel, Selbstakzeptanz und Body Positivity bei Kindern zu stärken. Dagegen wollen Susann Hoffmanns Bücher "Spielzeug ist für alle da!" und "Kleidung ist für alle da" mit "tradierten Geschlechterklischees" brechen.
Was bleibt, ist der unangenehme Eindruck einer aufdringlichen Agitation unter Kindergartenkindern durch an der Propagierung ihrer Lebensweise interessierte Lobbygruppen. Zu einem Elternentscheid wird es in Hannover wohl nicht kommen. Viele Eltern haben nicht die Wahl, städtische Kitas für ihr Kind zu vermeiden. So bleiben Familien bis auf Weiteres den jeweiligen ideologischen Moden ausgesetzt.
Mehr zum Thema - Causa Jurassica Parka ‒ Der "Dragqueen"-Pädophilie-Skandal aus der Hauptstadt
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
