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München: Einsparungen machen aus einem halben Tag Schnee fünf Tage Chaos

Es klingt wie ein schlechter Witz, aber inzwischen hat sich der Verdacht bestätigt, dass die tagelangen Probleme nach dem Schneefall vom Freitag, die die bayrische Landeshauptstadt plagen, die Folge von Einsparungen sind und nicht die Folge des Schnees.
München: Einsparungen machen aus einem halben Tag Schnee fünf Tage Chaos© Foobian, CC BY 4.0 , via Wikimedia Commons

In der Nacht von Freitag auf Samstag fiel in München Schnee, am Mittwoch läuft noch immer nicht alles wieder normal. Aber inzwischen ist erkennbar, was dieses Chaos ausgelöst hat. In allen betroffenen Bereichen ist es derselbe Grund: Sparmaßnahmen am falschen Ort.

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), der Verkehrsbetrieb der Stadt, der die Trambahnen, Busse und U-Bahnen betreibt, hat früher beispielsweise alte Modelle der Straßenbahn in Nächten mit starkem Schneefall die ganze Nacht hindurch fahren lassen, um die Gleise freizuhalten. Diese Hochflurbahnen sind mittlerweile gänzlich aus dem Betrieb genommen; die Niederflurbahnen sind zwar barrierefrei, können aber auf nicht geräumten Gleisen nicht fahren. Schneepflüge für die Straßenbahnen, die es früher ebenfalls gab, wurden verschrottet oder verkauft.

Die Erklärung der MVG dafür, dass das Straßenbahnnetz immer noch nicht normal arbeitet, lautet: Beim letzten großen Schneefall 2007 seien die Temperaturen nicht so niedrig gewesen, also sei der Schnee nicht in den Gleisen festgefroren. Allerdings gab es in den Jahrzehnten davor immer wieder vergleichbar starke Schneefälle, wenn auch nicht so früh im Jahr, und dabei auch tiefe Temperaturen.

Der Bahnverkehr und die S-Bahn ins Umland werden ebenfalls nur noch eingeschränkt betrieben. Hier hat der Fahrgastverband Pro Bahn eine Erklärung: weniger Streckenräumfahrzeuge. "Je eins in Garmisch, in Murnau und in Weilheim", erinnert sich Sprecher Andreas Barth. Das seien drei Fahrzeuge für hundert Kilometer Strecke gewesen, heute habe die Bahn 13 Räumfahrzeuge für 9.800 Streckenkilometer in Südbayern. In Holzkirchen stünde ein Schneepflug. Die Lok, die den Pflug antreibt, gehöre aber der Regiobahn, er sei auf der S-Bahn nicht einsetzbar.

Ohnehin gehört der ganze Räumdienst zur DB Netz, die viele der früher üblichen Leistungen eingespart hat. Die Bahnmeisterei in Holzkirchen beispielsweise, mit Technikern und Handwerkern bestückt, die rund um die Uhr in Bereitschaft waren.

Ein ehemaliger Geschäftsführer der privaten Bayerischen Oberlandbahn brachte das auf den Punkt: "Es ist billiger, bei solchen Lagen nicht zu fahren, als gegen den Schnee und die Witterungsverhältnisse anzukämpfen. Reserven kosten Geld. Deshalb wurden Reserven gestrichen: beim Personal, bei den Zügen und beim Räumgerät."

In der volkswirtschaftlichen Rechnung ist der Schaden, der durch die tagelangen Ausfälle entsteht, weitaus höher als die Kosten, die eine entsprechende Vorsorge verursachen würde. Aber seitdem nicht allein die Bahn nur noch nominal im Besitz des Staates ist, faktisch aber in viele betriebswirtschaftlich arbeitende Einzelteile aufgeteilt wurde, und auch kommunale Unternehmen der Vorgabe folgen müssen, Gewinne zu erwirtschaften, finden sich diese volkswirtschaftlichen Überlegungen nirgends mehr. So wird aus einem heftigen Schneefall ein tagelanges Chaos.

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