Deutschland

Siemens beendet Russlandgeschäft nach 170 Jahren – Sanktionen drücken Gewinn massiv nach unten

Immer mehr deutschen Firmen ziehen sich aus dem Geschäft mit Russland zurück, wegen der antirussischen Sanktionen. Bei Siemens bricht bereits heute der Gewinn ein – der Schaden für die deutsche Wirtschaft ist enorm.
Siemens beendet Russlandgeschäft nach 170 Jahren – Sanktionen drücken Gewinn massiv nach untenQuelle: www.globallookpress.com © Vikramjit Kakati

Wie viele antirussische Sanktionen erträgt die deutsche Wirtschaft noch? Siemens zieht sich laut einem Bericht des Handelsblattes nach rund 170 Jahren nahezu komplett aus Russland und sämtlichen damit in Verbindung stehenden Geschäften zurück. Vorstandschef Roland Busch sagte am Donnerstag in München:

"Wir verurteilen den Krieg in der Ukraine und haben beschlossen, unsere industriellen Geschäftsaktivitäten in Russland in einem geordneten Prozess zu beenden."

Der deutsche Vorzeigekonzern hatte Anfang März bereits verkündet, kein Neugeschäft mit Russland mehr abschließen zu wollen. Bis vor kurzem hieß es, man wolle die langfristigen Serviceverträge noch erfüllen. Am Donnerstag aber ließ der Konzern verlauten, man wolle auch diese Geschäfte einstellen. Das kann durchaus als offener Vertragsbruch gedeutet werden. Busch dazu:

"Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, denn wir haben eine Fürsorgepflicht gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und langjährige Kundenbeziehungen in einem Markt, in dem wir seit rund 170 Jahren tätig sind."

Busch versuchte den radikalen Bruch mit den antirussischen Sanktionen der Regierung zu begründen. Die verschärften Sanktionen hätten zuletzt zum Beispiel sogar Schmierstoffe betroffen - das mache das operative Geschäft unmöglich. Kritik an der Bundesregierung aufgrund der Maßnahmen gibt es offiziell allerdings nicht.

Die Folgen sind so oder so finanziell deutlich spürbar: Im abgelaufenen Quartal drückten die gegen Russland verhängten Sanktionen die Siemens-Ergebnisse bereits deutlich. Wertminderungen und andere Belastungen – überwiegend in der Bahnsparte, denn dort laufen die Verträge für die Wartung von Siemens-Zügen oft über Jahrzehnte – wirkten sich auf den Gewinn nach Steuern aus. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2021/22, das am 30. September endet, war bereits ein Minus von 600 Millionen Euro zu verzeichnen. Nun könnte laut dem Handelsblatt noch einmal ein niedriger bis mittlerer dreistelliger Millionenbetrag dazukommen.

Vor allem wegen des Russlandeffekts halbierte sich der Siemens-Gewinn von Januar bis März auf 1,2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis des industriellen Geschäfts sank um 13 Prozent auf knapp 1,8 Milliarden Euro. Der Aktienkurs brach nach Vorlage der Zahlen und der Verkündung der Russland-Entscheidung zwischenzeitlich um mehr als fünf Prozent auf unter 110 Euro ein, und stabilisierte sich am Donnerstagnachmittag bei knapp 112 Euro.

Siemens hatte die russischen Verbindungen im Zarenreich, in der Zeit der Sowjetunion und sogar in den Jelzin-Jahren aufrechterhalten. Aber die verheerenden antirussischen Sanktionen des Westens setzen dem jetzt ein Ende. Besonders tragisch ist das aufgrund der lange sehr engen Beziehungen: Bereits 1851 lieferte der Münchener Konzern 75 Zeigertelegrafen für die Verbindung St. Petersburg-Moskau. Zeitweise wurden damals vier Fünftel des Umsatzes in Russland erzielt. Carl von Siemens, der Bruder Werners, ließ sich zeitweilig sogar in Moskau nieder. 

Die Angst um die Beschäftigten in Russland verschärft den Rückzug noch weiter. So drohe stets das Risiko, dass sich Mitarbeiter nach russischem Recht strafbar machen, wenn der Konzern Infrastruktur-Aufträge nicht erfülle. Siemens beschäftigt dort etwa 3.000 Mitarbeiter.  Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern in Russland Erlöse von 62,3 Milliarden Euro.

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