Deutschland

2021 und der Niedergang der deutschen Autoindustrie: Neuzulassungen so gering wie zuletzt 1985

Die deutsche Wirtschaft gerät immer tiefer in die Krise. Bestes Beispiel ist das ehemalige Flaggschiff des einstigen Exportweltmeisters: die Autoindustrie. Im vergangenen Jahr gab es lediglich 2,62 Millionen Neuzulassungen – das sind nochmal zehn Prozent weniger als im bereits sehr schwachen Jahr 2020.
2021 und der Niedergang der deutschen Autoindustrie: Neuzulassungen so gering wie zuletzt 1985Quelle: www.globallookpress.com © ALEXANDER POHL via www.imago-ima

Deutschlands Automobilmarkt ist im vergangenen Jahr noch stärker eingebrochen als von zahlreichen Experten erwartet, wie die Welt berichtet. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) wurden von Januar bis Dezember 2021 im Land nur 2,62 Millionen Pkw neu zugelassen. Das sind nochmal zehn Prozent weniger als im bereits sehr schwachen Vorjahr.

Benziner und Dieselfahrzeuge fallen auf Niveau von 1985

Als Ursache der Flaute in der Industrie wird die Krise am Halbleitermarkt genannt. Diese sorge bei allen Automobilherstellern für Ausfälle in der Produktion. Vor allem im zweiten Halbjahr machte sich der Mangel an Halbleitern deutlich bemerkbar. Zuletzt fiel der Autoabsatz im Inland im Dezember um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, im November hatte das Minus sogar knapp ein Drittel betragen.

Die Zahl der Neuzulassungen liegt noch unter der Prognose des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer, der im Dezember für das Gesamtjahr einen Inlandsabsatz von 2,69 Millionen Autos vorhergesagt hatte. Schon dieser Wert hätte einen Einbruch des Marktes auf das Niveau von vor der Wiedervereinigung bedeutet.

Die jetzt vom KBA ermittelte Zahl bedeutet, dass Deutschlands Automobilmarkt auf das Volumen der späten 1980er-Jahre geschrumpft ist. Niedriger lagen die Neuzulassungen zuletzt im Jahr 1985, damals kamen 2,4 Millionen neue Pkw auf die Straßen Westdeutschlands.

Die größten Verlierer unter den Automobilmarken waren im vergangenen Jahr Jaguar (minus 39 Prozent), Ford (minus 35 Prozent), Honda (minus 32) und Mercedes-Benz. Der Inlandsabsatz der Stuttgarter Luxusmarke sank um 25,7 Prozent auf 225.392 Fahrzeuge. Das reichte für Mercedes allerdings noch, um die Nummer zwei im Heimatmarkt hinter Volkswagen zu bleiben. 

Der Vorsprung auf BMW, die Nummer drei in Land, beträgt weniger als 3.000 Neuzulassungen. Dass VW um relativ moderate 6,8 Prozent schrumpfte, hat auch etwas mit dem bereits sehr niedrigen Niveau des Vorjahres zu tun. Damals waren die Neuzulassungen der Marke angesichts von Lockdowns und Problemen bei der Einführung des neuen Golfs um mehr als 21 Prozent gesunken.

US-Elektroautos boomen

Um teilweise mehr als 150 Prozent sind hingegen die Absatzzahlen von Polestar, Tesla und Smart gewachsen – von einer niedrigen Ausgangsbasis. Der US-Elektroautohersteller Tesla, der 2022 seine Fabrik in Grünheide bei Berlin in Betrieb nehmen will, verkaufte im Inland 39.714 Wagen.

Er kommt damit, knapp vor Mazda, auf einen Marktanteil von 1,5 Prozent. Anders als die Konkurrenz hatte das Unternehmen von Elon Musk seine Bestellungen bei Chipherstellern zu Beginn der Coronakrise nicht reduziert. Außerdem konnte Tesla durch schnelle Veränderungen an der Software Bauteile ersetzen, die nicht lieferbar waren.

2021 war "ein rabenschwarzes Jahr für die Automobilbranche", sagt der Berater Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young. Und eine Trendwende sei nicht in Sicht, da sich die Versorgung mit Halbleitern und anderen Vorprodukten nicht kurzfristig bessern werde. Seine Prognose:

"Auch 2022 wird ein Krisenjahr sein."

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