Deutschland

Ampullen verwechselt: Kinder in Hannover mit Erwachsenen-Dosis gegen Corona geimpft

Die Impfung der Fünf- bis Elf-Jährigen gegen das Coronavirus ist vor wenigen Wochen gestartet. In einem Impfzentrum in Hannover kam es zu einer Panne: Mehreren Kindern wurde die Erwachsenen-Dosis verabreicht. Die Zahl der betroffenen Jungen und Mädchen wurde nun nach unten korrigiert.
Ampullen verwechselt: Kinder in Hannover mit Erwachsenen-Dosis gegen Corona geimpftQuelle: www.globallookpress.com © Stefan Sauer / dpa

Das Impfzentrum am Zoo in Hannover sorgte bereits Mitte Dezember für riesigen Presserummel. Damals war der neue Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zu Besuch und griff gar selbst zur Spritze und impfte – nach eigenen Angaben zwei Kinder. Von den Fotografen festgehalten wurde die Impfung der zehnjährigen Frieda. Das Foto wurde danach von zahlreichen Medien aufgegriffen und verbreitet. Nun sorgt dasselbe Impfzentrum erneut für Medienberichte. 

Dieses Mal geht es allerdings um einen gravierenden Fehler. Mehreren Kindern wurde in der Einrichtung statt der eigentlichen Impfdosis für Fünf- bis Elfjährige nämlich die Erwachsenen-Dosis des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer verabreicht. Die Zahl der betroffenen Mädchen und Jungen wurde inzwischen nach unten korrigiert.

Zunächst hieß es am Montag, dass 42 Kinder betroffen seien. Nun berichtet die Nachrichtenagentur dpa, dass die Zahl der betroffenen Jungen und Mädchen demnach kleiner ausfällt. Nach Angaben der Region Hannover vom Dienstag erhielten 21 Kinder am Montag die für Erwachsene vorgesehene höhere Impfstoffkonzentration. Dies habe eine erneute Überprüfung der Abläufe ergeben, teilte laut dpa eine Sprecherin mit. 

Als Grund für die Panne nannte die Sprecherin menschliches Versagen. In einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks (NDR) heißt es, eine Person im Impfzentrum hätte die Ampullen verwechselt, obwohl diese farblich gekennzeichnet seien. Die eingesetzte Kraft habe den Impfstoff für Kinder zum ersten Mal aufgezogen, zitiert der NDR aus der Mitteilung der Region Hannover. 

Laut Aussage des Regionspräsidenten Steffen Krach (SPD) soll ab sofort ein Vier-Augen-Prinzip weitere Fehler verhindern. Man habe am Dienstag "eine zusätzliche medizinische Aufsichtsperson vor Ort", die ausschließlich dafür zuständig sei, "die korrekte Zuteilung des Impfstoffs zu überprüfen", so Krach laut dem NDR. Zudem sollen die Ampullen für Kinder und Erwachsene nun in getrennten Kühlschränken im Zentrum gelagert werden.

Welche Folgen die Verabreichung der höheren Dosis für die betroffenen Kinder haben könnte, ist wohl noch nicht klar. Die leitende Fachärztin des Gesundheitsamts, Marlene Graf, erklärte demnach, dass "durch die Verwechslung keine schwerwiegenden Folgen zu erwarten" seien. Die dpa zitiert die leitende Fachärztin aus der Mitteilung der Region mit den Worten: 

"Mögliche Nebenwirkungen sollten sich nach unseren Erkenntnissen auf Lokalreaktionen und Fieberreaktionen beschränken. Medizinisch gesehen handelt es sich um eine nicht notwendige erhöhte Dosis des Impfstoffs, die sich nicht negativ auswirken dürfte."

Die Eltern der betroffenen Jungen und Mädchen seien von der Regionsverwaltung direkt telefonisch und per E-Mail informiert worden. Der Regionspräsident Krach habe sich laut dem NDR bei den Familien entschuldigt. Demnach wurde den Eltern auch angeboten, medizinische Beratung bei Kinderärzten in mehreren medizinischen Einrichtungen der Stadt in Anspruch zu nehmen. Laut dem NDR habe sich bis Dienstagmittag noch keine der betroffenen Familien diesbezüglich gemeldet. "Auch wenn keine gravierenden gesundheitlichen Folgen zu erwarten sind, so etwas hätte nicht passieren dürfen", erklärte Regionspräsident Krach. Das dürfe sich auf keinen Fall wiederholen, so der SPD-Politiker weiter.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hatte bislang die Corona-Impfung Kindern von fünf bis elf Jahren mit Vorerkrankungen und Kontakt zu Risikopatienten empfohlen. Auch gesunde Kinder können aber bei "individuellem Wunsch" der Familien geimpft werden.

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