Deutschland

Studie stellt Schrumpfen der deutschen Mittelschicht fest – Pandemie verstärkt negativen Trend

Einer Studie zufolge bröckelt die Mittelschicht in Deutschland erheblich. Besonders der untere Rand ist abstiegsgefährdet. Inzwischen machen die negativen Auswirkungen der Pandemie es heute nur schwieriger, in die mittlere Einkommensgruppe aufzusteigen.
Studie stellt Schrumpfen der deutschen Mittelschicht fest – Pandemie verstärkt negativen TrendQuelle: www.globallookpress.com © Bernhard Claßen/imageBROKER.com

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat festgestellt, dass die Mittelschicht in Deutschland aktuell schrumpft und der Trend anhaltend ist. Während im Jahr 1995 70 Prozent der Bevölkerung zur mittleren Einkommensgruppe zählten, waren es im Jahr 2018 schon nur noch 64 Prozent. In einer unvorteilhaften Situation befinden sich vor allem junge Menschen und Ostdeutsche.

Allein von 2014 bis 2017 sind rund 22 Prozent der Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 bis 64 Jahren in die untere Einkommensschicht gerutscht – und waren damit laut der Untersuchung arm oder von Armut bedroht.

Darüber hinaus gibt es Anzeichen dafür, dass der Schrumpfkurs nach 2018 angehalten und sich durch die Pandemie noch verschärft habe, stellt die Analyse fest. Denn auch unter Personen mit mittleren Einkommen gab es deutliche Beschäftigungsverluste: In dieser Gruppe waren acht Prozent, die vor Beginn der Krise 2019 noch arbeiteten, im Januar 2021 nicht mehr erwerbstätig, wie sich aus Berechnungen der Stiftung und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ergeben habe.

Anlass zur Sorge gibt unter anderem die Tatsache, dass jüngere Erwachsene, 18- bis 29-Jährige, vom Rückgang aus der Einkommensmitte überdurchschnittlich stark bedroht sind. Und wer in Deutschland einmal aus der Mittelschicht herausfalle, habe es heute deutlich schwerer, wieder aufzusteigen, betont eine der Autoren der Studie, Valentina Consiglio von der Bertelsmann Stiftung.

Zudem gelinge es Ostdeutschen seltener, in den mittleren Einkommensbereich zu gelangen oder sich dort zu halten, als Westdeutschen.

Dem Trend müsse gegengesteuert werden, lautete die Forderung der Autoren der Studie an die künftige Ampel-Regierung. Um die Mittelschicht zu stärken, müssten unter anderem Barrieren auf dem Arbeitsmarkt abgebaut und Frauen stärker in den Blick genommen werden. Sie arbeiteten zwar häufiger als früher, aber oft mit geringer Stundenzahl und in Tätigkeiten, für die sie überqualifiziert seien. Um zur Mittelschicht zu gehören, brauche es zunehmend ein zweites gutes Arbeitseinkommen.

Im Vergleich zu den anderen OECD-Ländern schrumpfte die Mittelschicht demnach nur in Schweden, Finnland und Luxemburg stärker als in Deutschland.

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