Deutschland

Noch vor Weihnachten: Sachsen droht kompletter Lockdown

Sachsen hat als erstes Bundesland bei der Sieben-Tage-Inzidenz die 1.000er-Marke überschritten. Ministerpräsident Kretschmer sprach nun in einem Interview über einen möglichen Komplett-Lockdown noch vor Weihnachten. Auch Gesundheitsministerin Köpping befürwortet dies.
Noch vor Weihnachten: Sachsen droht kompletter LockdownQuelle: AFP

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erwägt wohl einen Komplett-Lockdown im Freistaat noch vor Weihnachten. In einem Interview mit der Sächsischen Zeitung schloss der CDU-Politiker diese Option nicht aus. 

"Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Es wird nur zu verhindern sein, wenn es ein kollektives Verständnis und gemeinsames Bewusstsein gibt, Kontakte zu vermeiden und die Maßnahmen einzuhalten."

Wenn in der nächsten Woche kein positiver Effekt sichtbar sei, "müssen wir diese Diskussion führen", mahnte Kretschmer.

In dem Interview sagte der CDU-Politiker abermals, dass die Delta-Variante "wesentlich ansteckender" sei und sich in ganz Deutschland rasanter ausbreite, "als wir es bisher gekannt haben". Die Krankenhausbetten im Freistaat hätten sich "rasend schnell" gefüllt. Daher habe man als erstes Bundesland entschieden, auf 2G zu gehen – "was einen Riesen-Aufstand zur Folge hatte".

Sachsen hat als erstes Bundesland bei der Sieben-Tage-Inzidenz die 1.000er-Marke überschritten. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) am Donnerstag betrug sie 1.074,6. Am Mittwoch hatte die Zahl der gemeldeten Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche in dem Bundesland noch bei 935,8 gelegen. Innerhalb eines Tages zählten die Gesundheitsämter in Sachsen 11.581 neue Corona-Fälle, 42 Todesfälle kamen hinzu. Bundesweit liegt die Inzidenz derzeit bei 419,7.

Der sächsische Ministerpräsident geht davon aus, dass die Bettenauslastung mit COVID-19-Patienten in den nächsten Wochen dramatisch steigen wird. Kretschmer ergänzte:

"Wir bereiten jetzt die Verlegung von Patienten in andere Bundesländer vor. Noch gibt es diese Möglichkeit. Das werden wir nutzen, auch um Vorsorge zu betreiben. Die laufende Entwicklung können wir kaum noch beeinflussen."

Auch Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) sprach angesichts der Corona-Lage im Freistaat vom harten Lockdown. So sagte sie am Donnerstag:

"Ich halte ihn dringend für notwendig, weil ich keine andere Möglichkeit mehr sehe."

Auch bei einem kompletten Lockdown könne man noch abstufen und etwa die Kitas und Schulen offen halten. Man sei mit Berlin in Kontakt, weil die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichten. Sachsen habe alle Möglichkeiten auf Basis des bestehenden Infektionsschutzgesetzes ausgereizt.

Scharfe Kritik an den Erwägungen und Forderungen der Landesregierung kam inzwischen von der AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag. Aus ihrer Sicht ist ein harter Lockdown trotz dramatisch steigender Corona-Zahlen im Freistaat überflüssig. Fraktionschef Jörg Urban sagte:

"Wir lehnen einen Komplett-Lockdown ab. Man kann eine Gesellschaft nicht ständig ins künstliche Koma versetzen."

Das zerstöre die Wirtschaft und mache Kinder zu einer "Generation der Bildungsverlierer". Statt der Holzhammer-Methode brauche man differenzierte Maßnahmen zum Schutz der Risikogruppen. Zudem sollten auch Geimpfte getestet werden, um eine unkontrollierte Verbreitung von Corona auszuschließen, so Urban.

Köpping zufolge soll wegen der angespannten Lage in sächsischen Krankenhäusern noch am Donnerstag mit der Verlegung von Patienten in andere Bundesländer begonnen werden. Man habe am Mittwoch 16 Patienten dafür angemeldet, zehn seien für eine sofortige Verlegung geeignet. Für jede weitere Woche seien je 20 Patienten angemeldet worden. Köpping machte keine Angaben dazu, in welche Orte die Betroffenen gebracht werden.

Seit dem 22. November gilt in Sachsen in weiten Teilen des öffentlichen Lebens die sogenannte 2G-Regel. Vor allem jene Menschen, die sich nicht gegen das Coronavirus haben impfen lassen, sind mit massiven Einschränkungen konfrontiert. Bereits jetzt befindet sich der Freistaat zudem in einem Teil-Lockdown. In einigen Landkreisen gelten nächtliche Ausgangssperren, Weihnachtsmärkte wurden abgesagt, Museen, Theater oder Schwimmbäder sind für alle zu. Auch Hotels und Ferienwohnungen dürfen keine Touristen beherbergen, lediglich Geschäftsreisende.

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