Deutschland

"Bedenken gegen Atomenergie sind unwissenschaftlich" – Nuklearia-Chef über Folgen des Atomausstiegs

Der Nuklearia-Vorsitzende Rainer Klute setzt sich für die Überwindung von Vorurteilen gegen die Atomenergie ein. Im Interview mit RT DE erklärt der Aktivist, warum hinter dem Atomausstieg Deutschlands keine wissenschaftlichen Ansätze, sondern ideologische Gründe stehen.

Der Reaktorunfall in Fukushima im Jahr 2011 ist der ausschlaggebende Faktor für die Entscheidung über den Atomausstieg gewesen. Das ist zehn Jahre her. Deutschlands Nachbarland Frankreich hat im europäischen Vergleich eine Rekordzahl an Kernkraftwerken. Auch die Schweiz hat den Atomausstieg noch immer nicht vollzogen. Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise ist die Diskussion um den Bau neuer Mini-AKWs in der Schweiz wieder entflammt. Etwas hält die deutsche Regierung jedoch immer noch davon ab, zum Ausbau der Atomenergie zurückzukehren.  

Rainer Klute, Vorsitzender der Nuklearia – ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Rückkehr Deutschlands zur Atomenergie angesichts des Klimawandels einsetzt und sie als grüne Energiequelle bestätigen will –, äußerte sich zu diesem Thema in einem RT-Interview. Klute betonte, die Gründe dahinter seien rein ideologisch, während die Sache "von der wissenschaftlichen Seite vollkommen klar" sei.

Der Atomenergie-Aktivist verwies darauf, dass die Europäische Kommission ihren wissenschaftlichen Dienst damit beauftragt hätte zu prüfen, inwiefern die Atomenergie als eine grüne Energie bezeichnet werden könnte. Laut den Ergebnissen der Untersuchung soll die Atomenergie keine schwerwiegenden Schäden für Mensch und Umwelt verursachen. Demnach könnte sie als eine nachhaltige Energie in der Zukunft mit einer EU-Finanzierung rechnen. Deutschland, Österreich und Luxemburg widersprechen hinsichtlich ihrer Haltung gegenüber der Atomenergie der Wissenschaft, meint der Nuklearia-Vorsitzende. Dies könnte Folgen mit sich bringen:

"Wenn man Entscheidung basiert auf Dingen, die wissenschaftlich unhaltbar sind, dann wird sich das früher oder später rächen."

Im Jahr 2020 wurden rund 71 Prozent des erzeugten Stroms in Frankreich aus Atomkraft gewonnen. In diesem Zusammenhang unterstrich Klute, dass die deutsche Regierung aus der positiven Erfahrung des Nachbarstaates mit der Atomenergie Schlussfolgerungen ziehen könnte, was aber leider nicht der Fall sei:

"Deutschland kann aus den Erfahrungen der anderen Länder mit der Kernenergie lernen. Aber Deutschland will das nicht."

Darüber hinaus zeigte sich der Fachmann unsicher, ob die Energiepläne einer der wahrscheinlichsten Koalitionsparteien, der Grünen, mit der Energiesicherheit Deutschlands zusammenpassen würden:

"Ich halte die Pläne der Grünen für vollkommen unrealistisch. Die Grünen wollen eine sichere Stromversorgung, die wir zurzeit noch haben, und wollen auf eine unsichere Stromversorgung umsetzen – auf Solar- und Windanlagen."

Klute argumentierte, man könne sich nicht darauf verlassen, dass die Sonne das ganze Jahr über scheinen und der Wind wehen würde. Die Probleme mit Windanlagen hätte Deutschland nach Angaben des Nuklearia-Aktivisten vor Kurzem erlebt. Es sei aber zu keinen Stromausfällen gekommen. Dies sei jedoch den Kohle-, Gas- und den letzten Atomkraftwerken zu verdanken.

Das Bauprogramm für die neuen Anlagen sei im Übrigen nach Ansicht von Klute unrealistisch. Es würde viel mehr Zeit in Anspruch nehmen, so eine groß angelegte Energieinfrastruktur auszubauen, meint der Aktivist. Daneben ändert sich nach seiner Einschätzung die Haltung der deutschen Bürger gegenüber der Atomkraft, und der Klimawandel spiele dabei nicht die letzte Rolle:

"Die Energiekrise war ein besonders starker Auslöser, um die Haltung zur Kernenergie zu überdenken. Die Klimakrise ist ebenso ein wichtiger Punkt."

Mehr zum Thema - Gas spaltet die Koalition: Ökonom Prof. Dr. Elsner über Interessen der Parteien in Energiefragen

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