Deutschland

Weniger Einwanderungsfeindlichkeit als erwartet – Studie zeigt gegenläufige Trends

Wo Flüchtlinge ankommen und leben, gibt es einer Studie zufolge weniger Ausländerfeindlichkeit als es die allgemeine Stimmung seit der "Flüchtlingskrise" 2015 vermuten lässt. Demnach helfe die direkte Begegnung, Vorurteile abzubauen. Allerdings spiele laut der Studie die soziale Lage vor Ort ein wichtige Rolle.
Weniger Einwanderungsfeindlichkeit als erwartet – Studie zeigt gegenläufige TrendsQuelle: AP © Michael Sohn

In Regionen mit einer relativ hohen Zahl an Einwanderern wird Migration weit weniger abgelehnt als in Gegenden mit einem geringeren Ausländeranteil. Ebenso ist einer Studie zufolge in ersteren Gebieten der Zulauf zu extrem rechten Gruppen geringer. Auf der lokalen Ebene zeige sich "ein freundlicheres Bild als beim Blick auf die bundesweite Lage", meldete das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) am Freitag.

In einer Pressemitteilung des WZB heißt es, dass nach der Ankunft von über einer Million Flüchtlingen in Deutschland 2015/16 zwar eine Zunahme fremdenfeindlicher Haltungen und Gewalt sowie ein vermehrter Zulauf zu der rechtspopulistischen Partei AfD zu verzeichnen war. Aber auf der lokalen Ebene zeige sich ein "freundlicheres Bild": Gerade in Kreisen, in denen besonders viele Flüchtlinge angesiedelt wurden, habe sich eine höhere Akzeptanz von Immigration und ein stärkerer gesellschaftlicher Zusammenhalt gezeigt. 

Die entsprechende Studie haben WZB-Forschungsprofessor David Brady, Dr. Marco Giesselmann von der Universität Zürich und Tabea Naujoks von der Berliner Hertie School erstellt. Sie werteten dazu Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus den Jahren 2009 – 2017 aus. Dafür wurden laut WZB in diesem Zeitraum ungefähr 20.000 Personen ohne Migrationshintergrund in Deutschland im Hinblick auf ihren Haltungen zur Zuwanderung befragt.

Gegensätzliche Trends

In der Mitteilung heißt es: "Eindeutig zeigt sich ein Trend zu mehr Sorge um den sozialen Zusammenhalt und zu mehr Sympathien für extrem rechte Bewegungen und Parteien im Kontext der starken Zuwanderung 2015. Auf der Ebene von Landkreisen und kreisfreien Städten allerdings gilt ein umgekehrter Zusammenhang: Hohe Zuwanderungsquoten gehen dort mit weniger Angst vor Einwanderung und geringerer Zustimmung für extrem rechte Parteien einher."

In diesen Regionen und Gebieten seien die Einheimischen nicht weggezogen und die Sorge um den sozialen Zusammenhalt habe nicht zugenommen. WZB-Professor David Brady zieht laut der Pressemitteilung aus den Ergebnissen eine klare Lehre für zukünftige Migrationsbewegungen:

"Das Beispiel zeigt, dass ausgrenzende Haltungen durch mehr Kontakt abgebaut werden können. Je mehr lokale Begegnungen es gibt, desto weniger greift der allgemeine Diskurs, der Geflüchtete zur Bedrohung macht."

Die Autoren machen aber ausdrücklich auf ein zweites Ergebnis der Studie aufmerksam: "In Kreisen mit hoher Arbeitslosigkeit ist dieser Mechanismus nicht festzustellen." In diesen Regionen sei der Zuzug von Flüchtlingen mehrheitlich abgelehnt worden.

Die Forscher schließen daraus, dass eine schwierige ökonomische Lage der ideale Nährboden für migrationsfeindliche Einstellungen sein kann. Sie empfehlen der Politik, Flüchtlinge dort anzusiedeln, "wo die Jobperspektiven gut sind, um negative soziale Folgen abzufedern."

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