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Der Fall Gil Ofarim: Herr W. darf seinen Job behalten – Geschichte des Sängers bröckelt weiter

Für den jüdischen Sänger Gil Ofarim, der einen Angestellten des Hotels Westin Leipzig beschuldigt hat, ihm eine antisemitische Beleidigung entgegengeschleudert zu haben, sieht es immer schlechter aus. Zunächst hatten Videobeweise die Hauptanschuldigung des Sängers bezüglich seiner Davidsternkette ernsthaft in Frage gestellt. Und jetzt soll Herr W. seinen Job im Westin behalten. Für viele Beobachter ein Zeichen, dass Ofarims Geschichte in sich zusammenfällt.
Der Fall Gil Ofarim: Herr W. darf seinen Job behalten – Geschichte des Sängers bröckelt weiterQuelle: www.globallookpress.com © dpa / Dirk Knote

Der Fall Gil Ofarim ist mittlerweile deutschlandweit bekannt. Jetzt scheint sich das Blatt allerdings weiter gegen den jüdischen Sänger zu wenden. Seine Geschichte entspinnt sich zunehmend. Ofarim hatte in einem inzwischen viral verbreiteten Instagram-Video behauptet, dass er am 4. Oktober abends im Hotel The Westin Leipzig verbal mit einer antisemitischen Bemerkung angegriffen wurde, als er in der Warteschlange zum Einchecken stand – angeblich, weil er seine Kette mit dem Davidsternanhänger trug. Ofarim behauptete konkret, Herr W. habe ihm angeblich gesagt:

"Packen Sie Ihren Stern ein, dann dürfen Sie ins Hotel einchecken."

RT DE stellte kürzlich die Frage: Welchen Sinn hätte es, dass Herr W. zu Ofarim sagt: "Packen Sie Ihren Stern ein, dann können Sie im Hotel einchecken", wenn der Stern doch überhaupt nicht sichtbar war? Videoüberwachungsaufnahmen aus mehreren Perspektiven zeigten dann tatsächlich, dass am Abend des 4. Oktober die Davidsternkette eindeutig nicht zu sehen war, als Ofarim ankam und eincheckte.

Jetzt sagt Guido Schäfer, Chefreporter der Leipziger Volkszeitung und mit dem Fall bestens vertraut: "Herr W. bleibt Angestellter des Westin." Die Tatsache, dass das Westin Hotel anscheinend zu Herrn W. steht, könnte von vielen nun als ein deutliches Zeichen dafür interpretiert werden, dass kein Zweifel darüber besteht, wie sich die umstrittenen Ereignisse am Abend des 4. Oktober wirklich abgespielt haben. Wenn das Westin Hotel Grund zu der Annahme hätte, dass Herr W. Herrn Ofarim tatsächlich mit antisemitischen Beleidigungen beschimpft hat, würden sie ihn dann auf Kosten des guten Rufs des Hotels weiter beschäftigen?

Herr W. reichte eine Verleumdungsklage gegen Ofarim ein und bezeichnete den Vorfall selbst als "eindeutig von den Aussagen des Künstlers abweichend". Aber dennoch verschworen sich die Leute in den sozialen Medien vollkommen gegen den Hotelangestellten. Nachdem Herr W. die Klage eingereicht hatte, erstattete Ofarim seinerseits Anzeige gegen Herrn W., was er auch in einem Instagram-Posting öffentlich machte.

Ofarims widersprüchliche Aussagen nach der Veröffentlichung des Videobeweises zogen ebenfalls heftige Kritik auf sich. Zunächst war er sich sicher, dass er in seinem ursprünglichen Instagram-Post vor dem Westin Leipzig die Davidsternkette getragen hatte. Als dann die Überwachungsaufnahmen veröffentlicht wurden, war er sich zwischenzeitlich nicht mehr so sicher. In einem Folgeinterview am nächsten Tag war er sich erneut ganz sicher. In seiner ersten Reaktion auf den Videobeweis hatte Ofarim gegenüber der Bild am Sonntag erklärt

"Ich weiß nicht, ob ich die Kette unter oder über dem T-Shirt trug. Aber darum geht es auch gar nicht, sondern um das Jude-Sein im Allgemeinen. Es geht hier nicht um die Kette. Es geht eigentlich um was viel Größeres. Da ich oft mit dem Davidstern im Fernsehen zu sehen bin, wurde ich aufgrund dessen beleidigt."

In seinem jüngsten Interview hat Ofarim nun erneut darauf bestanden, dass er die Kette mit dem Davidstern doch trug, obwohl sie auf keinem der Überwachungsvideos zu sehen war. Die Bild zitiert Ofarim wie folgt:

"Ich habe diese Kette immer an, ich bin auch bekannt dafür, dass ich immer mit dieser Kette auftrete."

Laut der Zeitung beteuere er weiterhin, den Stern getragen zu haben – auch an diesem Abend. Er sei sich bei seiner Aussage gegenüber der Polizei lediglich nicht sicher gewesen, ob er die Kette über oder unter dem T-Shirt getragen habe.

Ofarim erklärte gegenüber der Bild außerdem:

"Man kann den Stern auch durch das T-Shirt sehen. Ich wurde als Jude angegriffen, weil ich den Stern trage. Ich habe nicht gelogen, ich trage den Stern immer. Ich mache so was sicher nicht aus PR-Gründen. Ich mache über solche Themen keine Witze."

Unterdessen berichtet Die Zeit, dass sich keine Zeugen für Ofarims Diskriminierungsvorwurf finden lassen. Dagegen hat laut RTL der Leipziger Maler und Grafiker Günther Rothe – ein Augenzeuge, der Ofarim in der Check-in-Schlange gesehen hatte – verlauten lassen, er stehe auf der Seite des renommierten Hotels, das ausnahmsweise an jenem Abend – offenkundig wegen technischer Probleme – zeitweise eine lange Warteschlange beim Check-in zu beklagen hatte.

Obwohl die Ermittlungen weitergehen, hat die Leipziger Polizei laut der Zeitung inzwischen "ernsthafte Zweifel" daran, dass der Vorfall so stattfand, wie der Sänger in seiner Instagram-Story berichtete.

Einige Beobachter haben zudem angemerkt, dass die Geschichte Ofarims an die Story des inzwischen in Ungnade gefallenen US-amerikanischen Schauspielers Jussie Smollett erinnert. Dieser hatte in einem verzweifelten Versuch, Sympathien zu gewinnen und seine schwindende Karriere voranzutreiben, die Geschichte erfunden, er sei in Chicago Opfer eines rassistischen und homophoben Angriffs geworden.

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