Deutschland

Corona-Krise: Familienforscher warnen, die psychischen Folgen für Jugendliche nicht zu unterschätzen

Jeder vierte Jugendliche in Deutschland kämpft mit Depressionen – vor der Corona-Krise waren es lediglich zehn Prozent. Wissenschaftler machen dafür die monatelangen Schulschließungen und fehlende Sozialkontakte verantwortlich. Sie plädieren für das Offenhalten von Schulen.
Corona-Krise: Familienforscher warnen, die psychischen Folgen für Jugendliche nicht zu unterschätzenQuelle: www.globallookpress.com © Ute Grabowsky/photothek.net via

Wissenschaftler schlagen Alarm: Die psychischen Belastungen durch die COVID-19-Pandemie für Schüler sollten auf gar keinen Fall unterschätzt werden, wie web.de berichtet. Der stellvertretende Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), Martin Bujard, erklärte dazu am Mittwoch in Wiesbaden:

"Die Auswirkungen von Schulschließungen auf die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen sind offensichtlich gravierender als bisher angenommen."

Vor allem junge Leute mit Migrationshintergrund seien davon betroffen. Oftmals werde zuhause kein Deutsch gesprochen, sodass die Ausdrucksfähigkeit leide. Das wirke sich letztlich auf die Bildungs- und Aufstiegschancen aus.

Bujard sagte weiter:

"Das Offenhalten der Schulen sollte hohe Priorität haben, damit sich psychische Belastung und Lernrückstände nicht noch weiter verstärken können."

Verschiedene Hochrechnungen kamen zu dem Ergebnis, dass nach dem ersten Lockdown 2020 etwa 477.000 Jugendliche allein in der Altersgruppe von 16 bis 19 Jahren laut Selbsteinschätzung Symptome von Depressionen zeigten. Das ist etwa ein Viertel dieser Bevölkerungsgruppe – im Vergleich zu zehn Prozent bei einer Umfrage im Jahr vor der Corona-Krise.

Die Pflege der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sollte daher in Zukunft genauso priorisiert werden wie das Nachholen des versäumten Schulstoffs. "Kontakte mit Gleichaltrigen, Lebensfreude und altersgerechte Erlebnisse in Sport, Freizeit oder Reisen sind daher zukünftig zentral, nicht nur Nachhilfeangebote", wie Bujard resümierte.

In der dazugehörigen Studie heißt es:

"Wenn Kinder und Jugendliche wieder Zeit für Aktivitäten mit Gleichaltrigen bekommen und Lebensfreude zurückgewinnen und das schulische Aufholen ohne zu viel Druck und Verunsicherung gestaltet wird, wird sich auch die psychische Belastung der Jugendlichen verringern können."

Wenn jedoch schulischer Druck ausgeübt und die Schüler zu stark belastet werden, drohten folgenschwere psychische Erkrankungen.

Von einer "verlorenen Generation" könne jedoch nicht die Rede sein. Etwa zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen sind trotz zahlreicher schulischer und privater Schwierigkeiten relativ gut durch die bisherigen "pandemiebedingten Einschränkungen" der Corona-Krise gekommen.

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