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Katastrophenschützer: "Wir brauchen Krisenstäbe, die schnell reagieren können"

Die Gefahrenbewertung überfordert die ehrenamtlichen Bürgermeister, so der Katastrophenschutzexperte Norbert Gebbeken. Es brauche einen Krisenstab mit Experten. Und die Prävention dürfe nicht vergessen werden; nicht nur was die Information betrifft, sondern selbst bis hin zu Siedlungsverboten.

"In Katastrophenfällen", so bestätigte das der Katastrophenschutzforscher Prof. Dr. Norbert Gebbeken gegenüber RT DE, "ist Kommunikation extrem wichtig". Die Warnung vor der Sturzflut, die schon Tage zuvor vorlag, sei offensichtlich bei den Kommunen nicht angekommen.

"Viele ehrenamtliche Ortsvorsteher und Bürgermeister sind überfordert bei der Einschätzung der Gefahren," meinte Gebbeken.

Und zieht daraus die Konsequenz: "Deswegen brauchen wir ein entsprechendes Lagezentrum, sodass dann nicht nur über die Apps und die sozialen Netzwerke, sondern vor allen Dingen über Lautsprecher und die Sirenen der Feuerwehr gewarnt werden kann."

Dabei müsse man berücksichtigen, dass die Gefahr oft unterschätzt werde. Ein hundertjähriges Hochwasser sei nur statistisch ein Ereignis, das einmal in hundert Jahren komme, in Wirklichkeit könne das alle paar Jahre geschehen. Da sei es wichtig, die Menschen so zu informieren, dass sie die Gefahr richtig einschätzen können.

Bezogen auf Berichte über die Zurückweisung von Helfern nahm Gebbeken die Verantwortlichen in Schutz: "Gerade, wenn die Krise noch anhält und wir kaputte Infrastruktur haben, dürfen sich die Helfer nicht selbst gefährden. Die Gemeinden, die Polizei vor Ort, die Feuerwehr, die Politiker tragen die Verantwortung dafür. Das ist häufig schwierig zu vermitteln. Wenn die unmittelbare Gefahr vorbei ist und klar ist, welche Infrastrukturen begangen werden können und welche nicht, dann sind die Helfer natürlich willkommen."

Die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen an Katastrophenhilfe beteiligten Organisationen funktioniere gut. Das Problem komme danach. "Wenn wir die Bewältigung der Krise haben, setzt schnell eine Verdrängung ein, wenn es darum geht, Wiederaufbau, Nachsorge und Prävention zu betreiben." Dabei sei auch Eigenverantwortung gefragt.

"Wenn ich in einem hochwassergefährdeten Gebiet lebe, und ich bekommen keine Elementarschadenversicherung, dann müssten bei mir doch alle Warnlampen angehen."

Dabei ginge es nicht nur um Baumaßnahmen für den Hochwasserschutz; für einen nachhaltigen Hochwasserschutz müsse man auch über Siedlungsverbote in gefährdeten Gebieten nachdenken.

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