Deutschland

"Ich fahr kein Auto": Berliner zur grünen geplanten Spritpreisanhebung um 16 Cent

Zwei Punkte aus dem Wahlprogramm der Grünen werden dieser Tage besonders intensiv diskutiert: die schrittweise Anhebung des Benzinpreises um 16 Cent sowie der Plan, Inlandsflüge drastisch zu reduzieren. Wie stehen die Bürger Berlins dazu? Wir haben uns in Berlin umgehört.

Der Hintergrund: Wahlprogramm der Grünen

Im Wahlprogramm der Grünen ist eine Erhöhung des Benzinpreises vorgesehen Zudem sieht das Programm einen schrittweisen Abbau der Inlandsflüge bzw. generell der Kurzstreckenflüge vor. Wie genau dieser Prozess umgesetzt werden soll, ist bisher noch recht diffus. Annalena Baerbock äußerte sich mehrfach dahingehend, dass kein Verbot im eigentlichen Sinne geplant sei. Vielmehr solle die Bahn als Verkehrsmittel attraktiver gemacht sowie mehr und schnellere Verbindungen geschaffen werden. Somit könne das Reisen mit der Bahn auf den entsprechenden Strecken reizvoller werden als das Fliegen. Auch Billigflüge solle es zukünftig nicht mehr geben.

Was sagen die Deutschen dazu?

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Civey im Auftrag des Spiegel zeigt: Die Mehrzahl der Deutschen lehnt die Erhöhung der Benzinpreise im angeblichen Interesse des Klimaschutzes ab. Nur rund 16 Prozent der 5.000 Befragten bewerten diesen Vorschlag als "eindeutig richtig", gut 61 Prozent halten ihn für eindeutig falsch. Die Studie zeige vor allem auch die Diskrepanz zwischen urbanem und ländlichem Raum auf: Nur 14 Prozent der Deutschen in Regionen mit sehr niedriger Bevölkerungsdichte befürworten eine Erhöhung des Benzinpreises, im urbanen Raum sind es 37 Prozent.

Beim Fliegen aber sieht es etwas anders aus: Hier zeigte eine Umfrage der Europäischen Investitionsbank im Jahr 2020 eine deutliche Mehrheit, die für die Abschaffung von Inlandsflügen ist. Von 30.000 Befragten sprachen sich 67 Prozent für ein Verbot von Inlandsflügen aus Klimaschutzgründen aus.

"Ich fahr kein Auto" – das sagen die Berliner

Unsere Straßenumfrage an der Berliner Friedrichstraße zeigt ein differenziertes Bild – zu beiden Punkten. "Wir finden das gut", sagt ein Paar mit Blick auf die Benzinpreiserhöhung. "Wir sind in der DDR geboren, haben in der DDR auch extra keine Fahrerlaubnis gemacht, wollten nie ein Auto – weil wir auch ein bisschen Umweltdenken an den Tag legen. Und wenn ich mich so umgucke: Die Städte sind voll mit Autos. Und das ist wirklich an der Zeit, dieses Programm auch mal ein bisschen in die Tat umzusetzen, was die Grünen so an den Tag legen an Vorschlägen. Denn die Großstädte ersticken im Blech."

Was auffällt: Viele der von uns Befragten fahren selbst kein Auto oder nutzen selten das Flugzeug – und sehen daher für sich keine Relevanz für das Thema. "Also, ich habe kein Auto", erzählt uns ein Passant, "ich fahre mit den Öffentlichen. Und die sind jetzt schon dabei, das umzustellen, ohne Benziner und so weiter. Deshalb betrifft mich das nicht."

Aussagen wie diese stützen die Ergebnisse der Civey-Studie: Diese Gesetzesvorschläge erzeugen bei denen am meisten positive Resonanz, die nicht das Problem haben, auf das Auto angewiesen zu sein. Dies ist in der Regel im städtischen Umfeld der Fall.

"Leben wird teurer dann" – Konsequenzen für die weniger Reichen

Es gab aber in unserer Umfrage auch Teilnehmer, die die Vorstöße der Grünen rundweg ablehnten. Sie finden die Idee von Verboten und Preiserhöhungen problematisch. Das sind diejenigen, die wenig Geld haben, aber auf das Auto angewiesen sind.

"Für die, die jeden Tag pendeln müssen, von außen nach innen, ist es natürlich sehr schwer", erzählt eine Passantin. "Aber die Umwelt ist natürlich auch wichtig, die muss ja leben. Und so viele Rohstoffe abbauen und Erdöl und was weiß ich alles, was man braucht zum Tanken, ist auch nicht schön. Wie will man diesen Kompromiss machen, wie will man da generell eine Einigung haben. Wir denken: Die finden eine."

"Leben wird teurer dann", konstatiert ein anderer. So könnte es auch kommen. Die von den Grünen als Ausgleich vorgeschlagenen Maßnahmen sind bislang noch eher unspezifisch. Ob und inwieweit die Forderungen aus dem Programm der Grünen tatsächlich umgesetzt werden, entscheidet sich letztlich im September an der Wahlurne.

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