Deutschland

Alles für die Katz? Bundesnotbremse und Lockdown zeigen laut Statistik keine Wirkung

Statistiker der Ludwig-Maximilian-Universität befassen sich mit den Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung des Coronavirus. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass es keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den rückläufigen Infektionszahlen und dem Lockdown gibt.
Alles für die Katz? Bundesnotbremse und Lockdown zeigen laut Statistik keine WirkungQuelle: www.globallookpress.com © Christian Ohde via www.imago-images.de

Am 27. Januar 2020 ist bei einem Automobilzulieferer der erste Fall einer Coronavirus-Infektion in Deutschland registriert worden. Ein 33 Jahre alter Mann hatte sich bei einer chinesischen Kollegin angesteckt. Im März stellte die Bundesregierung eine epidemische Lage von nationaler Tragweite fest und verhängte erste Einschränkungen im öffentlichen Leben. Im Mai wurden einige Beschränkungen aufgehoben und im Oktober und November erneut verschärft. 

Im November 2020 wurde ein sogenannter Lockdown-Light ausgerufen, der gewünschte Effekt blieb jedoch aus. Danach folgte ein harter Lockdown und später die "Bundesnotbremse". Aktuell sind die Infektionszahlen rückläufig und 35,8 Millionen Bundesbürger haben mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. 

Die Statistiker der Ludwig-Maximilan-Universität München untersuchten die Maßnahmen der Regierung und setzten diese mit den R-Werten ins Verhältnis, der Ansteckungsrate, welche das Robert-Koch-Institut (RKI) täglich meldet. Das "R" steht für die "Reproduktionszahl". Dieser Wert gilt im Vergleich zur 7-Tage-Inzidenz als präziser. Die Ergebnisse der Studie bestätigen kritische Stimmen. Hierin heißt es: 

"Bei den R-Werten, wie sie vom Robert-Koch-Institut täglich bestimmt werden, ergibt sich seit September kein unmittelbarer Zusammenhang mit den getroffenen Maßnahmen. Weder mit dem Lockdown-Light am 2. November und der Verschärfung am 16. Dezember 2020 noch mit der 'Bundesnotbremse', die Ende April 2021 beschlossen wurde."

Der Statistiker Ralph Brinks erklärte der Bild-Zeitung, der Effekt von Lockdowns sei derart gering, dass sich dieser statistisch nicht auswirke: 

"Wenn die Maßnahmen der Regierung so wirksam sein sollten, dann müsste man nach dem Inkrafttreten Veränderungen des R-Wertes sehen. Aber das ist nicht der Fall."

Eine im Januar veröffentlichte Studie der Standford Universität, an welcher auch die Münchner Universität teilnahm, war bereits zuvor zu dem Ergebnis gekommen, dass Lockdowns nicht mehr Wirkung hätten als andere Maßnahmen wie zum Beispiel die soziale Distanzierung oder Reisebeschränkungen.

Untersucht wurden pandemiebedingte Maßnahmen der Regierungen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Iran, Italien, Spanien, USA, Südkorea, Schweden und den Niederlanden. Während die Regierungen Schwedens und Südkoreas weniger rigorose Einschränkungen des öffentlichen Lebens vornahmen, gab es in den anderen Ländern drakonische Regeln. Über die Ergebnisse sagten die Forscher: 

"Wir stellen die Rolle aller Interventionen im Bereich der öffentlichen Gesundheit oder der koordinierten Kommunikation über die Epidemie nicht in Frage, aber wir sehen in Zuhausebleiben und Geschäftsschließungen keinen zusätzlichen Nutzen."

Das Imperial College London hingegen resümierte in ihrer Untersuchung, dass es ohne die strengen Pandemieregeln in Europa 3,1 Millionen Tote mehr gegeben hätte. 

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