Deutschland

Corona-Schnelltest verweigert: Lehrer im sächsischen Zittau wird vom Dienst suspendiert

Sächsische Schüler ohne elterliche Zustimmung zum Corona-Selbsttest dürfen seit Mittwoch ihre Schule nicht mehr betreten. Lehrern wird mit dienstrechtlichen Konsequenzen bis hin zur Suspendierung gedroht. Der Rückhalt für die "Anti-Corona-Maßnahmen" in Sachsen sinkt.
Corona-Schnelltest verweigert: Lehrer im sächsischen Zittau wird vom Dienst suspendiertQuelle: www.globallookpress.com © Fotostand / Dostmann via www.ima

Wer kein negatives Testergebnis in Sachsens Schulen vorlegen kann oder sich nicht testen lassen will, darf in Sachsen kein Schulgebäude mehr betreten. Betroffene Schüler müssten dann von zu Hause aus lernen, wie die Sächsische Zeitung berichtet. Lehrkräfte ohne Schnelltest werden vom Schuldienst suspendiert.

Die Konsequenzen hat am Mittwochmorgen ein Lehrer des Zittauer Christian-Weise-Gymnasiums zu spüren bekommen: Er hatte das Schnelltestverfahren bemängelt und die in einer Dienstanweisung geforderte Einwilligungserklärung nicht unterzeichnet. Er sei daraufhin am Morgen durch den Schulleiter vom Dienst suspendiert und der Schule verwiesen worden, bestätigte er selber auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung. 

Die Freistellung und das Zutrittsverbot habe er bisher nur mündlich erhalten. Die Frage, ob er seine Schüler weiter über die Internetplattform Lernsax unterrichten dürfe, habe ihm bis Mittwochnachmittag noch niemand beantwortet.

Petra Müller, Lehrerin an der Pestalozzi-Oberschule in Neusalza-Spremberg und stellvertretende Vorsitzende des Sächsischen Lehrerverbands (SLV), hat für das Verhalten der Kollegen, die die Tests verweigern, kein Verständnis:

"Mich macht das richtig wütend", sagt sie. "Es gebe nur eine einzige Möglichkeit, den gemeinsamen Unterricht in den Klassenzimmern aufrechtzuerhalten, und die hieße: Testen, testen, testen. Das tue weder den Lehrern noch den Schülern weh."

Bezüglich der Lehrer sagte Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) noch am Dienstag, es gäbe zwar disziplinarische Möglichkeiten, aber:

"Ich setze auf Verantwortung, ob sie wirklich die Tests verweigern wollen. Es ist ja im Interesse des sicheren Schulbetriebs. Das sollte auch im Interesse der Lehrkräfte sein."

Der Vorsitzende des Sächsischen Schulleitungsverbandes, Michael Ufert, nannte die Selbsttests für die Schüler einerseits "sinnvoll". Andererseits fand er:

"Für die Schulen ist das ein gigantischer Aufwand und für Eltern ein Riesenthema."

Auch mehrere Schüler aus der Region Löbau-Zittau dürfen vorerst nicht mehr in die Schule. Einige Direktoren schätzten den Anteil von fünf bis zehn Prozent, so die Sächsische Zeitung. Die betroffenen Schüler müssen sich nun zu Hause selbstständig um den Lernstoff bemühen. Wie lange die Situation so bleiben wird, ist unklar. 

Am Donnerstag berichtete die Leipziger Volkszeitung, dass in den drei sächsischen Landkreisen Nordsachsen, im Erzgebirgskreis sowie im Landkreis Zwickau Kitas und Schulen in der kommenden Woche wieder geschlossen werden. Grund dafür ist, dass die Sieben-Tage-Inzidenz mindestens schon fünf Tage lang über der kritischen Marke von 100 liegt.

In Sachsen wird die Unzufriedenheit mit den "Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie" immer größer. Bürgermeister des Erzgebirgskreises in Sachsen hatten sich am Montag in einem offenen Brief an Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gewandt. Die Stadtoberhäupter kritisieren darin die Corona-Politik der Landesregierung scharf und insbesondere, dass an bestimmten Inzidenzwerten festgehalten werde. Ingo Seifert, Bürgermeister von Schneeberg (Freie Wähler), äußerte sich stellvertretend:

"Auf der einen Seite sagt man, das Testaufkommen muss erhöht werden (...) Das bringe zwangsläufig mehr positive Testergebnisse. Auf der anderen Seite hält man an diesen festen Zahlen 100, 50 und 35 fest. Das passt nicht mehr aufeinander." 

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für die Sächsische Zeitung zeigt, dass aktuell nur noch 36,6 Prozent der Menschen im Freistaat mit ihrer Arbeit zufrieden sind, unzufrieden sind inzwischen 47,1 Prozent. 

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