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"Klassenzimmer sind keine Testzentren!" – Kritik an Testkonzept in Schulen

Lehrer- und Elternverbänden reagieren mit scharfer Kritik auf die Regelungen für Corona-Tests an bayerischen Schulen. Das Konzept sei "mit heißer Nadel" gestrickt und könne die Schüler gefährden. Das Kultusministerium weist die Vorwürfe zurück.
"Klassenzimmer sind keine Testzentren!" – Kritik an Testkonzept in SchulenQuelle: www.globallookpress.com © Sebastian Gollnow

Eltern- und Lehrerverbände laufen Sturm gegen die neuen Pläne des bayerischen Kultusministeriums. Diese seien nicht durchdacht und bildeten die Realität des Schulalltags nur schlecht ab. Der Bayerische Philologenverband (bpv) kritisiert vor allem, dass die Aufgaben auf Lehrer abgewälzt würden.

"Wenn es Lehrkräften ansonsten nicht einmal erlaubt ist, Schülerinnen und Schüler mit einem Pflaster oder einer Kopfschmerztablette zu versorgen, ist aus Sicht des bpv nicht nachvollziehbar, dass nun die Aufgabe von Organisation, Auswertung und Entsorgung der Tests in den Händen der Schulen und Lehrkräfte liegen soll", erklärt der Vorsitzende Michael Schwägerl.

Der Bayerische Realschullehrerverband (brlv) kritisiert, dass kein ausreichendes Personal eingeplant werde. "Externe Organisationen wie das Rote Kreuz, die Bundeswehr, das THW usw. müssen bei den Tests, die sehr wichtig sind, unterstützen und diese außerhalb der Klassenräume durchführen", äußert sich Jürgen Böhm, Vorsitzender des brlv.

"Wir wollen keine überstürzten Schnellschüsse und vor allem keine Gefährdungen an den Schulen! Deshalb fordern wir klare, sichere und nachhaltige Konzepte in der dritten Corona-Welle", erläutert der brlv-Verbandschef.

Außerdem sei auch die Haftungsfrage nicht geklärt. "Wer haftet, wenn beim Beaufsichtigen der Testungen Verletzungen der Schüler passieren? Lehrkräfte sind kein medizinisches Personal, und das Kultusministerium stiehlt sich aus der Verantwortung, wenn es lediglich auf Erklärvideos verweist, die eine sachgemäße Anwendung ermöglichen sollen", so Böhm weiter. "In die Schulen dürfen generell Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler nur mit einem extern kontrollierten negativen Test!"

Persönlichkeitsrechte der Kinder spielen keine Rolle mehr

"Es überrascht uns dabei, dass plötzlich die Persönlichkeitsrechte der Kinder keine Rolle mehr zu spielen scheinen, wenn man nach einem positiven Ergebnis vor den Augen der Klassenkameraden 'abgesondert' wird, wie in den Durchführungshinweisen beschrieben. Wenn die Selbsttests ohnehin freiwillig sind, stellt sich die Frage, warum diese nicht – wie ursprünglich geplant – zu Hause durchgeführt werden, sodass positiv Getestete erst gar nicht in der Schule erscheinen", fährt Schwägerl vom bpv fort.

Der Bayerische Elternverband teilt all diese Bedenken. Viele Eltern fürchten eine diskriminierende Situation, wenn es 'coram publico' zu einem positiven Testergebnis kommt und ein Kind abgeholt werden oder sofort alleine nach Hause gehen muss. Eltern jüngerer Kinder sind nicht damit einverstanden, wenn Abstriche durch unbekannte Personen in einer den Kindern nicht vertrauten Umgebung durchgeführt würden.

Kultusministerium: Schüler machen Selbsttests

Das Kultusministerium reagiert in einer Pressemitteilung auf die Vorwürfe. Zur Aussage des bayerischen Elternverbandes (BEV), dass bei den im staatlichen Konzept vorgesehenen Selbsttests "Abstriche durch unbekannte Personen" an Schülern vorgenommen würden, stellt das Kultusministerium klar: Diese Behauptung ist falsch und schürt unnötig Ängste in der Schulfamilie. Bei den in der Schule durchgeführten Schüler-Selbsttests ist eindeutig geregelt, dass die Schüler diese unabhängig von ihrem Alter eigenständig durchführen.

Die Beteiligung der Lehrkräfte beschränkt sich auf die Aufsicht und gegebenenfalls auf das verbale Anleiten der Kinder und Jugendlichen, beispielsweise durch altersangemessene Hinweise und Erläuterungen zur Durchführung der Selbsttests (z. B. durch das Erklärvideo etc.).

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