Wegen Lieferproblemen von AstraZeneca: Thüringen stoppt Vergabe von Impfterminen

Mit der Zulassung von AstraZeneca sollte die Impfkampagne an Fahrt aufnehmen. Gesundheitsminister Spahn rief dazu auf, alles zu verabreichen, ohne Rücklagen für die zweite Dosis. Doch nun vergibt Thüringen keine Impftermine mehr – wegen AstraZeneca-Lieferproblemen.

Herber Rückschlag bei der Versorgung der Europäischen Union mit Corona-Impfstoffen: Der Hersteller AstraZeneca hat am Freitag erneut drastische Lieferkürzungen angekündigt. Statt der zuletzt anvisierten 220 Millionen Dosen sollen nur noch 100 Millionen bis zur Jahresmitte an die EU-Staaten gehen. Der deutsche Anteil daran liegt rechnerisch bei etwa 19 Millionen. Der britisch-schwedische Konzern begründete dies unter anderem mit Exportbeschränkungen, ohne Details zu nennen.

In Deutschland hat die Nachricht schon erste Folgen. Thüringen kündigte nun an, vorerst die Terminvergabe für Impfungen zu stoppen, und verschiebt den Start von Impfungen bei Hausärzten. 

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner bezeichnete die angekündigte Lieferkürzung als "absolut inakzeptabel", wie Werners Ministerium am Samstag mitteilte. Nach Thüringen sollten kommende und die darauffolgende Woche 31.200 AstraZeneca-Impfdosen geliefert werden. Laut Gesundheitsministerium werden es nun nur noch 9.600 sein.

Zugleich kritisierte die Politikerin der Linkspartei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Der CDU-Politiker hatte die Länder im Februar aufgefordert, keine AstraZeneca-Impfstoffdosen zurückzuhalten, weil die Liefermengen sicher seien. Bei dem vektorbasierten Vakzin sind zwei Dosen nötig, die – wie von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen wurde – mit einem Mindestab­stand von neun bis zwölf Wochen verabreicht werden sollen. Werner erklärte: 

"Genau das haben wir getan und jede einzelne Impfdosis verplant. Jetzt zwingt uns die Ankündigung aus dem Bundesgesundheitsministerium zu einem Stopp unserer Terminvergabe und zur Verschiebung der Einbindung der Hausärzte."

Dies sei mehr als ärgerlich. "Damit ist auch der letzte Funke an Vertrauen in verbindliche Zusagen erloschen. Ich fordere den Bundesgesundheitsminister auf, sofort zu intervenieren."

Ursprünglich sollte noch im März in Thüringen ein Modellprojekt starten, bei dem erstmals auch Hausärzte Corona-Impfungen durchführen sollten. Ziel des Projektes war es, vor allem älteren Menschen zu Hause das Vakzin zu verabreichen, die nicht in einer Einrichtung leben und denen es zudem schwerfällt, in die Impfzentren zu kommen.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sollten dafür 10.800 Moderna-Impfdosen verwendet werden, deren Lieferung in der kommenden Woche erwartet werden. Nun müssen aber für bereits gebuchte Impftermine, bei denen AstraZeneca-Dosen genutzt werden sollten, die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer oder Moderna verwendet werden. Außerdem stoppte das Ministerium noch am Freitag die Terminvergabe für die letzten offenen Termine im Ostthüringer Impfzentrum in Gera.

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(rt/dpa)