Deutschland

Handelsverband will Verdoppelung der Überbrückungshilfe

Nach einer aktuellen Studie des Handelsverbandes Deutschland (HDE) seien 45 Prozent der Händler in Existenzgefahr. Click & Meet ist nicht wirtschaftlich. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth fordert doppelte Überbrückungshilfen.
Handelsverband will Verdoppelung der ÜberbrückungshilfeQuelle: www.globallookpress.com © Reiner Zensen via www.imago-imag/www.imago-images.de

Die vom Lockdown betroffenen Einzelhändler haben in der vergangenen Woche im Vergleich zum Vorjahr drei Viertel ihrer Umsätze verloren. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unter mehr als 1.100 Unternehmen.

Rund 45 Prozent der Lockdown-Händler sehen sich demnach für den weiteren Jahresverlauf in Insolvenzgefahr. Das seit Kurzem zugelassene Einkaufen mit Terminvereinbarung (Click & Meet) beurteilen 37 Prozent der Befragten als negativ oder sehr negativ. Angesichts der für viele Händler weiterhin existenzbedrohenden Lage fordert der HDE nun die Verdoppelung der Auszahlungsbeträge für die Überbrückungshilfe rückwirkend zum 1. März. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth zu RT DE:

"Viele Einzelhändler stecken in einer ausweglosen Lage. Mit den Beschlüssen aus der vergangenen Woche wurde der Lockdown faktisch für zahlreiche Händler bis Ende März verlängert. Deshalb muss die Politik jetzt Wort halten und effektive sowie ausreichende Unterstützung leisten."

In einer aktuellen Umfrage gab knapp die Hälfte der Innenstadthändler an, ohne weitere Hilfszahlungen in diesem Jahr Insolvenz anmelden zu müssen. Genth sagte:

"Es geht jetzt um rasche Soforthilfe, ansonsten kippen ganze Innenstädte."

Der entsprechende Finanzrahmen sei ohnehin bereits bewilligt, bisher kämen die Gelder schlicht nicht an und das vorgesehene Budget werde nicht ausgeschöpft. Das Geld müsse aus dem Schaufenster und hin zu den notleidenden Einzelhändlern. Die HDE-Umfrage mache auch deutlich, dass die aktuellen Hilfsmaßnahmen für knapp 70 Prozent der in der vergangenen Woche geschlossenen Händler nicht zur Existenzsicherung ausreichen würden.

Click & Meet sei keine wirklich hilfreiche Perspektive, wie etliche Händler das seit Montag in vielen Bundesländern und Regionen mögliche Einkaufen nach Terminvereinbarung bewerten. Zwar wollten mehr als 90 Prozent der Einzelhändler ihren Kunden diese Möglichkeit anbieten, knapp ein Viertel der Befragten sehe aber bei hohem Aufwand und großen Kosten nur geringe Umsatzeffekte. Ganze 13 Prozent schätzten Click & Meet mit Blick auf Personal- und Gebäudekosten als reines Verlustgeschäft ein. Genth weiter:

"Auf Dauer können wir so nicht weitermachen. Die Politik muss weg von der Fixierung auf die Inzidenzen und hin zu einem Ansatz, der sich an Infektionsrisiken orientiert."

Im Einzelhandel sei die Ansteckungsgefahr auch laut Robert Koch-Institut gering. Deshalb gebe es keinen Grund mehr für die vielerorts andauernden Ladenschließungen.

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