Deutschland

Wasserstoff-Traum: Der Run auf mehr als zwei Milliarden Euro ist eröffnet

Für eine Energiewende werden wieder Milliarden Steuergelder verteilt. Diesmal für die Förderung der Wasserstoff-Wirtschaft. 200 Unternehmen haben sich beworben, darunter auch Siemens Energy, die andererseits 7.800 Stellen bis 2025 abbauen wollen, 3.000 davon in Deutschland.
Wasserstoff-Traum: Der Run auf mehr als zwei Milliarden Euro ist eröffnetQuelle: www.globallookpress.com © Jürgen Heinrich via www.imago-im/www.imago-images.de

Die Wasserstoff-Pläne für die industrielle Herstellung dieses CO2-neutralen Energieträgers stellte sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) grün vor. Wasserstoff durch Windkraft und Sonnenenergie als der Träger für erneuerbare Energien aus der Elektrolyse. Das Prinzip ist nicht neu, die Durchsetzung jedoch dauert schon Jahrzehnte. Andere Länder, etwa Japan und Korea, sind da deutlich weiter, obwohl die deutsche Forschung mehr als 20 Projekte mit bemerkenswerten Ergebnissen vorweisen kann, so etwa auch in Berlin-Adlershof die Abspaltung von Wasserstoff aus Abwasser. Doch andere Länder der Europäischen Union (EU) müssten wegen politischer Vorgaben mit eingebunden werden, nur dann gibt es Zuschüsse von der EU. So erklärte Altmaier noch vor einem Jahr bei einem deutsch-chilenischen Förderprojekt mit einem Zuschuss von mehr als 8 Millionen Euro aus Steuergeldern:

"Wir werden den Bedarf nach grünem Wasserstoff nicht aus heimischer Energie decken."

Deshalb müsse Deutschland in Kooperationsprojekten mit immer mehr Ländern und Unternehmen zusammenarbeiten. Erst dann werde es möglich, auch "grünen" Stahl herzustellen, eine klimaneutrale Mobilität zu ermöglichen und sogar den Luftverkehr auf erneuerbare Energien umzustellen.

Vom Einsatz in Automobilen für den deutschen Individualverkehr sagte er damals noch nichts. Mittlerweile ist dank der CO2-Bepreisung der deutsche Strom nun der teuerste auf der Welt. Und in Japan, Südamerika und China werden übrigens längst mehr Fahrzeuge mit Antriebsenergie auf Wasserstoff-Basis gebaut und zugelassen als bei uns.

Nun kommt durch die in Aussicht gestellte Förderung Leben in das deutsche Wasserstoffprojekt. Ende vergangener Woche endete das  Interessenbekundungs-Verfahren. 200 sogenannte Projektskizzen, also Pläne für förderwürdige Vorhaben, wurden eingereicht. Im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) freute man sich über die Bereitschaft zur Interessenbekundung.

Die meisten Bewerber blieben anonym. Denn das Problem bleibt: Oft sind die Pläne einzelner Firmen mit anderen Einrichtungen verwoben. Erst nach eingehender Sichtung der Skizzen könne die Förderbewilligung erteilt werden.  Dieses gelte auch für die Verteilung der Projekte auf einzelne Bundesländer und andere EU-Staaten. Die beiden Firmen Uniper und Siemens Energy hatten im Vorfeld schon auf ihre Ambitionen im Off-Shore-Bereich hingewiesen. Mit einem Projekt zur klimaneutralen Produktion von Wasserstoff und Wärme in Hamburg-Moorburg wollten sie an dem lukrativen Vergabeverfahren für die Fördermittel beteiligt werden. Siemens Energy bietet auch die Anlagen für eine direkte Herstellung von Wasserstoff durch Windparks an. Zusammen mit einer Wasserstoff-Verflüssigung oder Einspeisung in das lokale Gasnetz könnte Altmaier in Zukunft möglicherweise gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Den teuren Neubau von Starkstromnetzen optimieren und die Bereitstellung von grünem Wasserstoff für Haushalte fördern. Doch genau das steht gar nicht auf seinem Plan. Altmaier will zuallererst die Industrie mit genügend viel Wasserstoff versorgen.

Auch ThyssenKrupp will sich um die Förderung bewerben. Das Unternehmen will die traditionell sehr energieintensive Stahlherstellung auf klimaneutrale, nämlich wasserstoffbasierte Verfahren umstellen.

Noch muss in einer Vorauswahl über die am Ende förderfähigen Projekte entschieden werden. Im Rahmen einer sogenannten Pränotifizierung der Projekte soll noch vor der Sommerpause entschieden werden, wer Steuergeld erhalten könnte. Das Wirtschaftsministerium stellt Fördermittel in Höhe von 2,1 Milliarden Euro bereit. Vom Bundesverkehrsministerium und den Bundesländer soll zusätzliches Geld locker gemacht werden. Die Wasserstoffprojekte sollen dann als "Important Projects of Common European Interest" (IPCEI) gefördert werden. Vorhaben, die von der EU-Kommission so eingestuft werden, brauchen keine strengen Beihilferegeln mehr zu erfüllen. Sie können auch mit EU-Fördergeldern unterstützt werden. Einzige Vorgabe der IPCEI-Förderung: Die Projekte müssen mit Beteiligten über Ländergrenzen der Europäischen Union hinweg konstruiert werden.

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