Deutschland

Schluss für den alten Berliner Flughafen Schönefeld

Nach 45 Jahren schließt am Montag mit Schönefeld der einstmalige Hauptstadtflughafen der DDR. "Erstmal für ein Jahr", wie Airport-Chef Engelbert Lütke Daldrup erklärt. Ob der Flughafen danach wieder öffnet, ist fraglich.
Schluss für den alten Berliner Flughafen SchönefeldQuelle: www.globallookpress.com © Zentralbild ADN/B2566 Zentralbild ADN

Drei Flüge stehen am Montag auf dem Programm: Um 7.15 Uhr kommt eine Ryanair-Maschine nach Rom, zehn Minuten später noch eine Wizz-Air-Maschine aus Kiew, die um 8.05 Uhr in die Ukraine zurückfliegt. Dann endet eine Ära für den ehemaligen Flughafen der Hauptstadt der DDR. Für viele Ostdeutsche war er das Fenster zur Welt. 

Auf dem Gelände des Flughafens Schönefeld standen 1934 die Henschel Flugzeug-Werke, in denen bis 1945 mehr als 14.000 Flugzeuge gefertigt wurden. Es gab drei je 800 Meter lange Start- und Landebahnen. Nach dem Krieg übernahmen die sowjetischen Luftstreitkräfte den Flughafen. Von 1946 an wurde er auch zivil genutzt, zunächst von der Aeroflot. Das sogenannte Generalshotel, eine ehemals gehobene Unterkunft für hohe sowjetische Offiziere, erinnert heute noch an diese Zeit. 1955 nahm die Deutsche Lufthansa der DDR, später in "Interflug" umbenannt, dort den Betrieb auf. Sie war die erste Heimatfluggesellschaft dieses Flughafens. 1976 wurde für rund 100 Millionen DDR-Mark die damals moderne teilverglaste Passagierabfertigung gebaut – das heutige Terminal L und der frühere Terminal A. 

Seitdem flogen von dort mehr als 20 Millionen Passagiere in sozialistische Bruderstaaten. Nach der Wende flogen hauptsächlich Urlaubsflieger von Schönefeld aus in die Welt. Ab 2004 eröffnete easyJet dort ein deutsches Standbein. 13 Millionen Passagiere flogen von dort im Rekordjahr 2018.

Zwei große Unglücke überschatteten den Flughafen: Am 12. Dezember 1986 stürzte eine Tupolew Tu-134A auf dem Aeroflot-Flug 892 ab. Das Flugzeug befand sich bei schlechter Sicht im Landeanflug. Neben der achtköpfigen Besatzung und einem zusätzlichen Instrukteur waren 73 Passagiere, darunter 27 Schüler des 10. Jahrgangs der Ernst-Schneller-Oberschule aus Schwerin sowie deren Begleitpersonen, an Bord. Die Gruppe kehrte von einer Reise aus Minsk zurück. Zehn Passagiere, darunter sieben Kinder, überlebten das Unglück.

Am 17. Juni 1989 brach eine Passagiermaschine der "Interflug" vom Typ Iljushin Il-62M auf dem Weg nach Moskau gegen 8:15 Uhr den Start bei einer Geschwindigkeit von ca. 300 Kilometer pro Stunde ab. Das Höhenruder blockierte. Die Maschine stürzte in ein Maisfeld. 21 Menschen starben.

Weil am BER das Aufkommen unter zehn Prozent des Vor-Corona-Stands gesunken ist, wird der alte Flughafen nun nicht mehr gebraucht. Rund 70.000 Euro spart sich so die Flughafengesellschaft pro Tag. In einem Jahr soll allerdings noch einmal geprüft werden, ob der Terminal 5 erneut aufgeht. Das wäre eine zweite Chance. Doch dazu müsste sich die Fluggastzahl in Berlin über die 20-Millionen-Marke steigen. 

Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ziehen sich vom alten Terminal zurück. Der Bus hält dann nur noch am Bahnhof. Das Gebäude M wird derzeit noch weiter als Impfzentrum und von der Bundespolizei genutzt. 

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