Deutschland

Gezielt Lernstoff nachholen: Lehrerverband fordert freiwillige Wiederholung des Schuljahres

Die COVID-19-Pandemie hat mit ihren Lockdowns das Schulwesen stark betroffen. Inzwischen befürchtet man negative Effekte für eine ganze "Corona-Generation". Der Deutsche Lehrerverband schlägt vor diesem Hintergrund ein Extra-Schuljahr für lernschwache Kinder vor.
Gezielt Lernstoff nachholen: Lehrerverband fordert freiwillige Wiederholung des SchuljahresQuelle: www.globallookpress.com © Michael Taeger via www.imago-images.de

Der Deutsche Lehrerverband (DL) fordert, lernschwachen Schülerinnen und Schülern bundesweit anzubieten, das Schuljahr wegen der COVID-19-Pandemie freiwillig zu wiederholen, ohne dass sie dabei als "Sitzenbleiber" gelten. Wie der DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger dem Tagesspiegel sagte, gebe es eine Schülergruppe, die ein Jahr zusätzlich brauche. Diese Jugendlichen könnten sonst bei den Abschlussprüfungen oder im Abitur scheitern:

"Der Schüler geht dann mit weniger Rüstzeug von der Schule und hat im weiteren Leben schlechtere Chancen."

Meidinger zufolge könnten die Schüler in einem Wiederholungsjahr gezielt Lernstoff nachholen und gefördert werden. Ideen wie automatische Versetzungen, ein halbes Extra-Schuljahr oder einen generellen Verzicht auf Sitzenbleiben und Noten wies der DL-Präsident zurück:

"Es ist besser, jetzt Druck wegzunehmen, zu sagen, das Schuljahr ist so nicht zu schaffen, ihr braucht und bekommt mehr Zeit."

Meidinger warf der Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Bundesländer vor, hier keinen Plan zu haben: Man vermisse ein Gesamtkonzept der Politiker, mit dem man ins nächste und ins übernächste Schuljahr blicken könne.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte vor massiven Nachteilen vor allem für Schulabgänger. Die Stellvertretende Vorsitzende des DGB-Vize Elke Hannack, zugleich Mitglied im CDU-Bundesvorstand, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, dass gerade Jugendliche mit mittlerem Schulabschluss oder Hauptschulabschluss zu den Verlierern der Corona-Krise werden könnten:

"Der Lockdown und die Schulschließungen treffen diejenigen Jugendlichen besonders hart, die in diesem Sommer nach der Schule eine Ausbildung beginnen wollen."

Der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, warnte in einem Interview für die Rheinische Post vor einem Bildungs-Desaster:

"Deutschland hängt die Kinder aus bildungsfernen Haushalten ab, der wochenlange Distanzunterricht verschärft die sozialen Gegensätze weiter."

Der Deutsche Philologenverband forderte seinerseits zusätzliche Stellen für sogenannte "Digital-Helfer" an den Schulen. Sie sollten die Lehrkräfte bei der Umsetzung von Online-Unterricht unterstützen sowie bei der Integration digitaler Medien in den Unterricht helfen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek forderte zusätzliche Angebote für benachteiligte Schüler. Sie verwies darauf, dass einige Bundesländer schon nach dem vergangenen Schuljahr Empfehlungen in den Zeugnissen gegeben hätten, an sogenannten "Summer Schools" teilzunehmen.

Bund und Länder hatten sich am Dienstag darauf verständigt, den Corona-Lockdown bis Mitte Februar zu verlängern. Auch Schulen und Kitas sollen bis dahin weiter geschlossen bleiben. Die jüngsten Lockdown-Beschlüsse sorgen für heftige Diskussionen. Wenn die Bundesländer die vereinbarten Pläne umsetzen, werden die meisten Kinder und Jugendlichen ihre Kita bzw. Schule bald acht Wochen am Stück nicht mehr von innen gesehen haben.

Mehr zum Thema - Studie: Kompetenzen deutscher Grundschüler deutlich unter EU-Durchschnitt