Deutschland

Wie manche Corona-Impf-Ärzte Kasse mit der Kasse machen

Die Tarifunterschiede zwischen Kassen der Bundesländer führen im Abrechnungssystem zu uneinheitlichen Auszahlungen für Ärzte, Impfhelfer und medizinisch geschultes Personal. Die Spanne für Ärzte reicht von 130 bis 175 Euro pro Stunde, die sie in den Impfzentren abrechnen können.
Wie manche Corona-Impf-Ärzte Kasse mit der Kasse machenQuelle: www.globallookpress.com © Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

Rund 10.000 Ärzte in Deutschland haben sich für die 440 Impfzentren freiwillig gemeldet. Nach Auskunft der Kassenärztlichen Bundesvereinigung rechnen manche Ärzte in Thüringen und Bayern ihre Dienstleistung besonders hoch ab.

Der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Roland Stahl, sagt dazu:

"Die Vereinbarungen werden in den Bundesländern von den Landesregierungen und den Kassenärztlichen Vereinigungen vereinbart. Das ist eine föderale Angelegenheit."

Dabei obliegt die Bezahlung den 17 einzelnen Landeskassen, von denen es im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen sogar zwei gibt.

Tausende Ärzte in den deutschen Corona-Impfzentren und den mobilen Impfteams, die den Impfstoff gegen SARS-CoV-2 verabreichen, kassieren in Ballungsgebieten an Wochenenden schon bis zu 175 Euro die Stunde. Pflegekräfte dagegen erhalten nur einen Bruchteil davon. Hebammen etwa rechnen rund 40 Euro pro Stunde ab. Helfer sowie Fahrer der mobilen Impfteams bekommen für ihren Einsatz nur ihren Bundeswehrsold oder das THW-Gehalt, die ebenfalls beide einem Bruchteil der Ärztevergütung entsprechen.

Die Honorare für Angehörige des Weiteren medizinischen Fachpersonals schwanken stark. In Baden-Württemberg erhalten sie 27,60 Euro pro Stunde. Im Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz schon 50 Euro pro Stunde. Berlin zum Beispiel zahlt ihnen sogar bis zu 60 Euro pro Stunde.

Andere Leistungen werden auch bei Weitem nicht so hoch vergütet. In Testzentren zahlen die Kassen für einen Corona-Testabstrich acht Euro, für einen PCR-Test werden vergleichsweise günstig in der Labordiagnostik (GOP 32816) 39,40 Euro von der Kasse bezahlt. Ein Antigentest steht mit 10,80 Euro in den Tabellen.

Dabei ist es nach Auskunft der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nicht nur damit getan, die Spritze aufzuziehen, die vorgesehene Einstichstelle am Oberarm zu desinfizieren, die Injektion zu verabreichen, Pflaster drauf zu kleben. Es gelte, die ärztliche Leistung der Behandlung, die Beurteilung und im Zweifelsfall auch das Abraten von einer Impfung bei Vorerkrankungen oder für stark allergisch reagierende Personen abzuwägen. Das alles sei im ärztlichen Service inbegriffen. So erkläre sich der Preis.

Oft liegen die tatsächlichen Umsätze niedergelassener Ärzte und somit das, was er sonst mit der Krankenkasse verrechnen kann, weit unter dem nun ausgereichten Stundensatz. Für eine Schutzimpfung (ohne Beratung und ohne den materiellen Aufwand gerechnet) darf er in Bayern 4,66 Euro und bei Privatpatienten maximal 10,72 Euro in Rechnung stellen. Immerhin muss er aber auch noch sein Personal, die medizinischen Geräte, Miete und vieles mehr bezahlen. Ein Großteil der in den Impfzentren arbeitenden Ärzte betreibt zugleich eine Praxis.

Trotzdem ist diese Tätigkeit auch für Ärzte im Ruhestand durchaus lukrativ, auch trotz der nötigen Haftpflichtversicherung für den Fall von Schadenersatzforderungen infolge von möglichen Impfschäden. Seit dem 1. Dezember 2020 hat das bayerische Gesundheitsministerium seine gültige "Abrechnungsvereinbarung Impfzentren" beschlossen. 6.000 Ärztinnen und Ärzte bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) haben sich daraufhin beworben. 500 davon sind aktuell tätig.

Die Kritik, dass die Honorierung für die Durchführung der Corona-Impfungen überzogen hoch sei, will die Bundeskassenärztliche Vereinigung nicht kommentieren. Sprecher Dr. Roland Stahl wiederholte gegenüber RT DE: "Das ist Sache der Landeskassen." Auch der Marburger Bund lehnt eine Stellungnahme zu diesem Thema ab. Das sei Kassenangelegenheit.

Auch in den übrigen Bundesländern liegen die Vergütungssätze für die Ärzte in den Impfzentren ähnlich hoch wie in Bayern.

Mehr dazu unter - "Impfstrategie" der EU: Mitgliedsstaaten gehen zunehmend eigene Wege – RT DE

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