Deutschland

Kontrolle in Corona-Zeiten: Deutsche Firma entwickelt Tablet zur Fiebermessung und Gesichtserkennung

Temperaturmessung über Sensoren aus 1,5 Meter Distanz, Gesichtserkennung mit Maskenkontrolle, Datenspeicherung von Risikopersonen und Übermittlung an die Polizei. Die Einlasskontrolle zu Einrichtungen erfolgt zukünftig digital – die letzte Hürde: der Datenschutz.

Im Rahmen der COVID-19-Pandemie werden zunehmend technische Systeme zur Kontrolle des Gesundheitszustands von Personen und zur Einhaltung von Hygienemaßnahmen entwickelt. Das deutsche Unternehmen NOBLEX E-Optics mit Sitz im thüringischen Eisfeld produziert ein sogenanntes "Fieber Screening Tablet", mit dem sich aus einer Entfernung von über einem Meter die Gesichter von Menschen scannen und ihre Körpertemperatur ermitteln lassen.

Das Unternehmen beschreibt das Gerät mit der Produktbezeichnung NTT 100 auf seiner Webseite wie folgt:

"Mit dem verwendeten Algorithmus ist das NTT 100 in der Lage, unterschiedlichste Gesichter innerhalb kürzester Zeit mit einer Messgenauigkeit von kleiner ± 0,1°C zu identifizieren. Gleichzeitig ist es in der Lage, die Temperatur auf eine Entfernung von 1,5 m zu detektieren und damit das Risiko einer Kreuzinfektion so weit wie möglich zu verringern. Ungewöhnliche Körpertemperaturen werden sofort durch ein Warnsignal angezeigt. Es eignet sich somit optimal zur Verwendung an Eingängen von Betrieben, Schulen, Ämtern, Sportstätten, Kulturbereichen oder auch bei Großveranstaltungen."

Die Scanner-Technik geht weit über die Temperaturmessung hinaus. Per Kamera werden die Gesichter der Menschen erfasst und mit einer Bilddatenbank abgeglichen. Somit kann überprüft werden, ob eine Person eine Zutrittsberechtigung zu einem Ort hat. Zudem können mögliche Risikopersonen dokumentiert und den Behörden gemeldet werden.

Die Tablets verfügen über eine hochpräzise Gesichtserkennung. Diese lässt sich für die Erkennung eines Mund-Nasen-Schutzes programmieren, sodass je nach Einstellung ein Alarm ausgelöst wird oder eine Aufforderung, die Maske korrekt zu tragen.

Nach Angaben von NOBLEX E-Optics läuft das Tablet völlig autonom und benötigt keine weitere Hardware. Es lasse sich problemfrei in bereits vorhandene Sicherheitssysteme integrieren. Geworben wird mit zahlreichen Features wie dem wassergeschützten Design für den Außeneinsatz, "Auto-Exposure" und "Wide-Dynamic-Technologie" für eine "perfekte Abbildung und Erkennung des Gesichtes" oder der zusätzlichen Erfassung von Audiodaten.

Limitiert werden die Einsatzmöglichkeiten lediglich durch vorhandene Datenschutzbestimmungen. In einem Artikel auf dem Nachrichtenportal Telepolis wird resümiert, diese Technik lasse sich "in der Praxis nur dort einsetzen, wo die zu Scannenden dafür ihre Zustimmung gegeben haben oder die Scan-Ergebnisse nicht automatisch mit einer Person verknüpft werden können".

In Deutschland wäre es demzufolge möglich, sie an Standorten einzusetzen, wo die Besucher dem Einsatz und der Datenspeicherung zustimmen: zum Beispiel an Lokalitäten mit vertraglichen Zugangsbeschränkungen wie Clubs und Fitnesscentern oder solchen mit Voranmeldung und Reservierung wie Restaurants, Friseure oder Physiotherapiepraxen, eventuell auch Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, bei entsprechender Unterschrift einer Eintrittserklärung – "ohne Häkchen kein Zutritt".

Als weitere Option schlägt Telepolis vor, Features der Geräte, "die in Deutschland nicht erlaubt sind", so zu sperren, dass sie vom Personal "nicht reaktiviert werden können".

"Hierbei zeigt sich dann auch der Vorteil eines lokalen Anbieters, der die europäischen Besonderheiten und rechtlichen Rahmenbedingungen kennt und mit Sicherheit nur die Funktionen freischaltet, die nach geltendem Recht hierzulande auch genutzt werden können."

In der Schweiz wird das Tablet NTT 100 bereits von dem Logistikunternehmen Bertschi eingesetzt – primär zum Temperaturscreening der Besucher. Das Unternehmen gibt an, dass dabei jeweils nur die Körpertemperatur, Datum und Uhrzeit gemessen werden – um bei einem möglichen Datendiebstahl keinen Personenbezug zu ermöglichen. Weder die Bilder noch die Besucherlisten seien in den Datenbanken abgespeichert. Alle weiteren Features sind laut Bertschi deaktiviert.

Mehr zum Thema - Debatte um Gesichtser­kennung: "Wunderbares Fahndungsinstrument" versus "totalitäre Technologie"

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