Deutschland

"Ein neues Thema aufbauen": Drosten widmet sich nächstem "Pandemie-Kandidaten"

Dank eines Impfstoffes werde die COVID-19-Pandemie wohl bald abebben, so Christian Drosten. Er selbst sei nur ein "kleines Rädchen", gab er zuletzt zu Protokoll. Nun möchte Drosten wieder forschen, um die Menschheit rechtzeitig auf die nächste Gefahr vorzubereiten.
"Ein neues Thema aufbauen": Drosten widmet sich nächstem "Pandemie-Kandidaten"Quelle: www.globallookpress.com © Alexander Becher/Keystone Press Agency

Kaum ein Mensch wird vor allem in Deutschland so sehr mit der Corona-Krise in Verbindung gebracht wie der Direktor des Instituts für Virologie der Charité Christian Drosten. Von Beginn an warnte er vor den möglichen Folgen der COVID-19-Pandemie. Der Spiegel bezeichnete Drosten als "Spitzenmann unter den Seuchendetektiven".

Christian Drosten hat den Test für das Coronavirus entwickelt, berät die Regierung und erklärt den Erreger in den Medien", hieß es im Februar bei der Zeit.

Schon vor Jahren war Drosten ebenfalls als "Seuchendetektiv" aktiv. Im Jahr 2009, erklärte er als Leiter des damals neuen Instituts für Virologie der Universitätsklinik Bonn, die sogenannte Schweinegrippe H1N1 zur eklatanten Gefahr.

Bei der Erkrankung handelt es sich um eine schwer wiegende allgemeine Virusinfektion, die erheblich stärkere Nebenwirkungen zeitigt, als sich irgendjemand vom schlimmsten Impfstoff vorstellen kann", erklärte er im November 2009.

Dazumal rief er die Bevölkerung dringend dazu auf, sich gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. Damals ebenfalls ganz vorne mit dabei: das Robert Koch-Institut (RKI).

Die Welle, die wir für den Herbst erwartet haben, hat begonnen", erklärte der damalige RKI-Präsidenten Jörg Hacker Anfang November 2009.

Es gäbe keine zuverlässigen Angaben über die Zahl der Erkrankungen, warnte Drosten. Da das "im Gesundheitssystem so nicht zu bezahlen wäre", werde nicht jeder Patient auf Schweinegrippe getestet. Die verfügbaren Schnelltests seien "sehr schlecht gegen das neue Virus", und eine hauseigene Studie habe ergeben, dass fast 90 Prozent dieser Untersuchungen falsch negativ seien. Die Wahrscheinlichkeit sei sehr hoch, zeigte sich Drosten alarmiert, dass mit den herkömmlichen Schnelltests "das Virus übersehen werde". Notwendig sei eine sehr viel aufwendigere molekularbiologische Untersuchung – der sogenannte PCR-Test.

Angst breitete sich in der Bevölkerung aus. Schließlich hatte die WHO bereits im Juni 2009 die höchstmögliche Pandemiestufe ausgerufen, und schon längst hatten die Leitmedien auf Panikmodus geschaltet.

Die WHO und Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens, Virologen und die Pharmaunternehmen. Sie haben diese Maschine um die drohende Pandemie herum gebaut. Und es geht um viel Geld, um Einfluss, um Karrieren und ganze Institutionen! Und alles, was es brauchte, war eines dieser Grippeviren, um zu mutieren und die Maschine zum Laufen zu bringen", erklärte der britische Epidemiologie Tom Jefferson im Juli 2009 in einem Spiegel-Interview.

"Was geschah zum Beispiel mit der Vogelgrippe, die uns alle töten sollte", fragte Jefferson weiter und lieferte die Antwort gleich mit:

Gar nichts. Aber das hindert diese Leute nicht daran, immer ihre Vorhersagen zu treffen. Manchmal hat man das Gefühl, dass es eine ganze Industrie gibt, die fast darauf wartet, dass eine Pandemie ausbricht.

Und genauso schnell wie er gekommen war, war der Spuk auch wieder vorbei. Der Höhepunkt der Erkrankungswelle wurde Mitte November 2009 erreicht, danach flaute die Zahl ab. Für Deutschland wurde die Gesamtzahl der Todesfälle aufgrund der Schweinegrippe auf 350 geschätzt. Im September 2009 hatten sich die Gesundheitsbehörden noch auf Massenimpfungen der Bevölkerung vorbereitet. Zwei Impfstoffe waren eilig von der Europäischen Arzneimittelbehörde zugelassen worden.

Die Bundesländer allein bestellten 50 Millionen Dosen, doch nur zehn Prozent der Deutschen ließen sich entgegen der Erwartungen, Appelle und Kampagnen impfen. Erst nach harten Verhandlungen mit der Pharmaindustrie konnten 16 Millionen Impfdosen wieder abbestellt werden.

Die WHO hat sicherlich jetzt daraus gelernt, dass man das nicht alles so formal über einen Kamm scheren kann. Und es wird sicherlich nicht immer wieder in nächster Zeit dazu kommen, dass Pandemiewarnungen der Stufe 6 herausgegeben werden, mit Konsequenzen für die Öffentlichkeit. Wenn auch nur für die öffentliche Diskussion, sondern man wird das sicherlich in Zukunft differenzierter betrachten müssen", so Drosten im März 2010.

Nun geht Drosten davon aus, dass die COVID-19-Pandemie dank der Impfstoffe, die schon sehr bald zum Einsatz kommen sollen, in absehbarer Zeit abflauen werde. Jetzt möchte sich der Virologe wieder auf die Forschung konzentrieren und das Rampenlicht – vorerst – verlassen.

Die zurückliegenden Monate seien "phasenweise anstrengend" gewesen, so Drosten. Die Nachfrage nach ihm als Experten sei aber auch "nachvollziehbar, weil eben auch der Bedarf an Information und Expertise in der Pandemie immens hoch sei".

Doch jetzt möcht er "ein neues Thema aufbauen".

Wenn der Rummel jetzt vorbei ist, dann werde ich mit einer kleinen Arbeitsgruppe ein neues Thema aufbauen", erklärte Drosten dem Wirtschaftsmagazin Capital.

SARS-CoV-2 bekomme in der Forschung nun genügend Aufmerksamkeit:

Alles, was da zu machen ist, macht schon jemand.

Nun möchte sich Drosten mit seinem Team der Erforschung der MERS-Viren widmen.

Ins Zentrum seiner Forschung will der Wissenschaftler dann nicht mehr das aktuelle Coronavirus (SARS-CoV-2) stellen, sondern die MERS-Viren. MERS sei der nächste Pandemie-Kandidat", schreibt Capital.

In diesem Zusammenhang verwies das "Recherchemagazin" Correctiv auf eine Aussage Drostens.

Info-Direkt erwähnt nicht, dass Drosten in dem Interview mit der Wirtschaftswoche [aus dem Jahr 2014] sagte, er halte die Chancen, dass das MERS-Virus eine Pandemie auslöse, für gering. Das Virus verhalte sich anders als das erste SARS-Virus, das 2003 in Asien identifiziert worden war. Die Infektionsketten bei MERS seien kurz und Menschen steckten sich bei Tieren an, so Drosten", klärt das Recherchemagazin auf. 

MERS-Viren mutieren, und dies könne dazu führen, dass die Viren leichter von Mensch zu Mensch übertragen werden, wird nun gewarnt.

Wichtig für die globale Risikoeinschätzung – auch für Deutschland – ist, dass es bislang keine Hinweise auf eine anhaltende, unkontrollierte Mensch-zu-Mensch-Übertragung gibt", hieß es allerdings dazu noch im Dezember 2019 beim Robert Koch-Institut (RKI).

Nach RKI-Angaben wurden in Deutschland bisher drei MERS-Fälle bekannt.

2012 und 2013 war je ein Patient aus Katar und aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in Deutschland behandelt worden. Einer der beiden Patienten konnte genesen entlassen werden, der andere starb", heißt es dazu.

Im März 2015 sei die Erkrankung bei einem weiteren Patienten aufgetreten, "der ebenfalls zuvor die arabische Halbinsel bereist und dort einen Kamelmarkt besucht hatte".

Nachdem er die eigentliche MERS-Infektion überwunden hatte, verstarb er Anfang Juni 2015 an den Spätfolgen der Erkrankung.

MERS steht für das Middle East Respiratory Syndrome und bezeichnet eine Infektion der Atemwege, die durch das erstmals 2012 identifizierte MERS-Corona Virus (MERS-CoV) verursacht wird. Die Infektion kann sehr verschieden verlaufen: Manche Menschen bemerken sie gar nicht, andere haben eine leichte, und wieder andere eine sehr schwere und zum Teil tödliche Atemwegserkrankung. Infektionen mit MERS-CoV treten bisher vor allem auf der Arabischen Halbinsel und hier überwiegend in Saudi-Arabien auf. Als sogenanntes "Reservoir" gelten für den zoonotischen Erreger Dromedare (einhöckrige Kamele).

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft MERS derweil nun als "Priority Disease" ein. So werden potenzielle Krankheitserreger bezeichnet, deren Erforschung und Entwicklung von Medikamenten höchste Priorität eingeräumt werden muss.

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