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RKI veröffentlicht neue Studie über das Bornavirus: Zwei Todesfälle in diesem Jahr in Bayern

Eine neue Studie über das klassische Bornavirus legt nahe, dass vor allem Menschen aus ländlichen Regionen an der Infektion erkranken. Der Erreger kommt in Bayern und Sachsen-Anhalt vor. Bornaviren lösen eine Hirnentzündung aus, die in nahezu allen Fällen tödlich endet.
RKI veröffentlicht neue Studie über das Bornavirus: Zwei Todesfälle in diesem Jahr in BayernQuelle: www.globallookpress.com © A. Hartl

Am Dienstag hat das Robert Koch-Institut (RKI) eine neue Studie über das sogenannte klassische Bornavirus vorgestellt. Die Ärztin und Epidemiologin Kirsten Pörtner befragte dafür die Angehörigen von acht an dem Erreger gestorbenen Patienten. Alle acht Todesopfer wohnten auf dem Land, sieben von ihnen hatten eine Katze. Pörtner zufolge könnten Katzen durch ihr Jagdverhalten ihre Besitzer mit Reservoirwirten und dem Virus in Kontakt bringen. Die Katzen selbst waren demnach unauffällig.

Lange war die Bornasche Krankheit nur von Nutztieren wie Pferden und Schafen bekannt. Anfang des Jahres wurde durch eine im Fachmagazin The Lancet Infectious Diseasesveröffentlichte Studie des Friedrich-Loeffler-Instituts und der Universität Regensburg bekannt, dass in den vergangenen Jahren weit mehr Menschen an einer Infektion mit dem klassischen Bornavirus gestorben waren als bisher bekannt. Im Rahmen der Studie wurde der Erreger BoDV-1 in Bayern in aufbewahrten Hirnproben einiger gestorbener Patienten nachgewiesen. Insgesamt sollen demnach in den Jahren von 1995 bis 2019 mindestens 14 Menschen nachweislich an der Gehirnentzündung durch das klassische Bornavirus gestorben sein.

In diesem Jahr starben in Bayern an einer Infektion mit sogenannten klassischen Bornaviren zwei weitere Menschen. Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) teilte der Nachrichtenagentur dpa mit:

Dem LGL wurden für das Jahr 2020 zwei weitere Todesfälle übermittelt, die in Zusammenhang mit einer BoDV-1-Infektion stehen.

Im Sommer richtete das bayerische Gesundheitsministerium eine zentrale Stelle zur Erforschung der klassischen Bornaviren (BoDV-1) ein, das Projekt läuft unter dem Namen Borna Focal Point Bayern.

Klassische Bornaviren lösen eine Hirnentzündung aus, die in nahezu allen Fällen tödlich endet. Pro Jahr werden im Schnitt zwei Infektionen in Deutschland bekannt. Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer höher liegt – bei bis zu sechs Fällen pro Jahr. Der Erreger BoDV-1 kommt in Deutschland in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und in angrenzenden Teilen benachbarter Bundesländer vor. Fälle von Bornascher Krankheit bei Tieren gibt es zudem auch in Teilen Österreichs, der Schweiz und Liechtenstein.

Ein Schwerpunkt der Infektionen liegt in Bayern. Warum dem so ist, können die Forscher bislang nicht sagen. Epidemiologin Kirsten Pörtner meint allerdings:

Möglich ist, dass man in Bayern inzwischen mehr hinschaut und bei einer Hirnentzündung mit unbekannter Ursache inzwischen eher auf das Virus testet. Möglich ist aber auch, dass es in Bayern mehr Spitzmäuse gibt, die mit dem Virus besiedelt sind.

Die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) ist der einzige bekannte Reservoirwirt des Erregers. Bei dem Nagetier verursacht die Infektion keine Symptome. Die Spitzmäuse scheiden das Virus in Urin, Kot und Speichel aus. Darüber können sich dann andere Säugetiere und in seltenen Fällen auch Menschen infizieren.

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(rt/dpa)