Deutschland

Spahn optimistisch: "Gemeinsamer harter Corona-Winter wird Impfbereitschaft steigen lassen"

Am Montag verbreitete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Corona-Optimismus: Noch in diesem Jahr werde wohl ein Impfstoff zugelassen. Alle Vorbereitungen seien getroffen, um danach "sofort loszulegen". Die entsprechende Impfbereitschaft in der Bevölkerung werde sicherlich steigen.
Spahn optimistisch: "Gemeinsamer harter Corona-Winter wird Impfbereitschaft steigen lassen"Quelle: www.globallookpress.com © Michael Kappeler

Es ist erst einige Monate her, genauer gesagt war es Mitte Juni, da wandte sich Gesundheitsminister Jens Spahn aus gutem Grund gegen massenhafte PCR-Tests in der Bevölkerung, denn die Fehlerquote sei schlicht zu hoch:

Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir nicht nachher durch zu umfangreiches Testen – klingt jetzt total … da muss man erstmal um zwei Ecken denken –, durch zu umfangreiches Testen zu viele falsch Positive haben. Weil die Tests ja nicht 100 Prozent genau sind, sondern auch eine kleine, aber eben auch eine Fehlerquote haben. Und wenn sozusagen insgesamt das Infektionsgeschehen immer weiter runtergeht, und Sie gleichzeitig das Testen auf Millionen ausweiten, dann haben Sie auf einmal viel mehr falsch Positive. Das sind so die Dinge, mit denen man sozusagen erst konfrontiert wird in der weiteren Folge, und die Erkenntnisse. Und deswegen macht es schon auch noch Sinn: Wir machen das Angebot, mehr zu testen, das geht jetzt auch. Aber nicht einfach nur wild jeden Tag zu testen, sondern wenn, dann schon auch mit einem gewissen Ziel", lautete damals noch die Einschätzung Spahns.

Dennoch wurde immer umfangreicher und "wild" getestet und frei nach dem vor allem Politikern nachgesagten Lebensmotto "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" rückte Spahn von seinem vernünftigen Standpunkt ab. Nunmehr dienen auch dem CDU-Politiker die immer wieder aufs Neue vermeldeten Rekordzahlen an positiv auf das Covid-19 getesteten Bundesbürgern als Argument für restriktive Maßnahmen zum "Schutz der Bevölkerung".

Die Anzahl falsch positiv Getesteter oder gar die generelle Kritik an der Zuverlässigkeit und Diagnose-Tauglichkeit der PCR-Tests spielen in Spahns Erwägungen längst keine Rolle mehr.

Dafür feiert auch der gelernte Bankkaufmann nun vor allem den "Durchbruch" in Sachen Corona-Impfstoff. Jetzt geht alles ganz schnell. Noch in diesem Jahr rechne er mit den ersten Impfungen gegen das Coronavirus, frohlockte der Gesundheitsminister nun.

Es gibt Anlass zum Optimismus, dass es noch in diesem Jahr eine Zulassung für einen Impfstoff in Europa geben wird. Und dann können wir mit den Impfungen sofort loslegen", erklärte Spahn dem RedaktionsNetzwerk Deutschland am Montag.

Als Gesundheitsminister habe er die Länder darum gebeten, dass die Impfzentren Mitte Dezember einsatzbereit sein sollen. Das scheint zu klappen.

Wir haben uns entschieden, ab Mitte Dezember einsatzbereit zu sein", erklärte Spahn.

Eine mögliche Skepsis gegenüber der ungewöhnlich schnellen Markteinführung eines Corona-Impfstoffs sieht Spahn durch den "harten Corona-Winter" schwinden.

Ich bin überzeugt, wenn wir gemeinsam diesen harten schwierigen Corona-Winter hinter uns gebracht haben, wird auch die Bereitschaft steigen, dieses Impfangebot anzunehmen und sich impfen zu lassen", erklärte Spahn bei einem Besuch des Impfstoffherstellers in Dessau.

Spahn unterstrich, dass mit Biontech, IDT Biologika und CureVac schon insgesamt drei deutsche Unternehmen derzeit aussichtsreiche Impfstoffe entwickelten. Spahn erklärte bei seiner Stippvisite in Dessau ebenfalls erneut, dass es sich um ein Impfangebot handeln werde. Damit wendete er sich erneut gegen die Befürchtung in Teilen der Bevölkerung vor einer Impfpflicht.

Mit der Hoffnung einer "wachsenden Bereitschaft sich impfen zu lassen" verband Spahn zudem die von ihm nun ebenfalls an den Tag gelegte Zuversicht, dass es nicht bis Ende 2021 dauern werde, bis alle Bevölkerungsgruppen durchgeimpft seien. Diese Aussicht werde auch dadurch begünstigt, dass für viele der voraussichtlichen Impfstoffe keine tiefe Kühlung benötigt werde. Sie könnten in normalen Arztpraxen durchgeführt werden.

Und dann geht es schnell: Vergessen wir nicht, dass jährlich in wenigen Wochen bis zu 20 Millionen Menschen gegen Grippe geimpft werden", so Spahn.

Spahn kündigte den Aufbau einer Onlineplattform über die erreichten Impfquoten an, differenziert nach Alter und Regionen.

Insbesondere dann, wenn wir bei den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen eine hohe Impfquote erreicht haben, werden wir die Beschränkungen schrittweise lockern können.

Und es ist genug für alle da. Nach Angaben von Spahn habe sich Deutschland über die EU-Kommission oder bilaterale Verträge und Optionen inzwischen mehr als 300 Millionen Impfdosen für Deutschland gesichert. Da bleibe dann sicherlich auch noch genug übrig, um mit anderen zu teilen.

Auch bei zwei Dosen pro Impfung hätten wir dann genug für die eigene Bevölkerung und könnten mit anderen Ländern teilen", erklärte Spahn.

In ihrer Impfstoff-Freude ist die Große Koalition so geeint wie selten. Auch SPD-Finanzminister Olaf Scholz zeigte sich zuversichtlich, dass es noch in diesem Jahr mit dem impfen losgehen könne:

Wir haben die Vorbereitungen dafür getroffen, dass es noch im Dezember losgehen könnte", erklärte Scholz bereits am Sonntagabend.

Er glaube, es gehe "mit der Impfung schneller los, als wir vor einiger Zeit gedacht haben", zeigte sich der Vizekanzler erfreut.

Mehr zum Thema - "Lockdown-Strategie": Bis Mitte Januar erhebliche Kontaktbeschränkungen bei privaten Zusammenkünften