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Für Menschen ohne Smartphone: Testlauf für Corona-Warn-Armband in Kiel

Die Bundesregierung setzt in der Corona-Krise unter anderem auf die Corona-Warn-App. Ein Problem dabei: Viele ältere Menschen haben gar kein Smartphone. In Kiel sollen deshalb 1.000 Personen ein Corona-Warn-Armband testen, mit dem "Neuinfektionen" nachverfolgt werden sollen.
Für Menschen ohne Smartphone: Testlauf für Corona-Warn-Armband in KielQuelle: www.globallookpress.com © FrankHoermann/SVEN SIMON

Eines der Instrumente, an dem die Bundesregierung im Kampf gegen die Corona-Krise trotz der zahlreichen Mängel festhält, ist die Corona-Warn-App. Das Problem dabei: Bisher wurde die App etwa 21,8 Millionen Mal heruntergeladen. Um die Bevölkerung flächendeckend zu warnen, müsste die Zahl der Nutzer aber wesentlich höher ausfallen. Die Bremer CDU hatte im November deshalb sogar ein Gesetz gefordert, das die Bürger verpflichtet, sich die App aufs Handy zu laden. Bei einer Weigerung könne ein Bußgeld drohen, lautete der Vorschlag des Bremer CDU-Fraktionschefs Thomas Röwekamp.

Doch auch an dieser Stelle gibt es ein Problem: Nicht jeder besitzt ein Smartphone. Einige besitzen auch nur ältere Modelle, auf denen die Corona-Warn-App nicht funktioniert. Um die mutmaßlichen Infektionsketten zukünftig besser nachverfolgen zu können, soll in Kiel nun ein Testversuch mit 1.000 Probanden, die die Corona-Warn-Armbänder testen, starten. Wie die Welt am Sonntag berichtet, sollen sich auf diese Weise die mutmaßlichen Infektionsketten digital nachverfolgen lassen.

Entwickelt wurde das Armband, das mithilfe von Bluetooth mögliche "Corona-Kontakte" nachverfolgen soll, von einem Team aus Forschern und IT-Fachkräften in Kiel. Das Bundesgesundheitsministerium unterstützte das Projekt der Universität Kiel im Oktober mit 100.000 Euro für ein Jahr. Bis zu 1.000 Personen sollen das Armband in einem Pilotversuch, der nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums noch in diesem Jahr starten soll, über einen Zeitraum von drei Monaten testen.

Man wolle in dem Versuch testen, ob das Armband und die Warn-App "interoperabel" sind. Die Armbänder sollen vom Arbeiter-Samariter-Bund verteilt werden und vor allem in Pflegeheimen und Senioreneinrichtungen zum Einsatz kommen. Bei der Entwicklung habe der Gedanke an die soziale Teilhabe offenbar keine entscheidende Rolle gespielt: Insbesondere ältere Menschen und auch sozial Schwächere können die App oft nicht nutzen, da sie gar kein Smartphone haben und die App auf älteren Handys oft nicht läuft. Es soll auch getestet werden, wie hoch die Akzeptanz des Armbands bei den Nutzern ist.

Die Armbänder sollen nach einem ähnlichen Prinzip wie bei der App mit Bluetooth funktionieren. Der Abgleich mit den Infektionslisten müsse jedoch anders ablaufen, da das Armband nicht ständig mit dem Internet verbunden sein wird. Wie die Universität Kiel weiter mitteilte, soll das Armband jedoch keine Konkurrenz zur App sein, sondern eine Ergänzung für Menschen, die durch die App nicht erreicht werden.

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