Deutschland

Spahn: Zur Not "infiziertes" Gesundheitspersonal arbeiten lassen

Auch positiv auf das Coronavirus getestete Mitarbeiter im Gesundheitswesen sollten im Notfall arbeiten können. Das sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Dafür erntete er heftige Kritik. Zweifelt auch der Minister an der Aussagekraft der PCR-Tests?
Spahn: Zur Not "infiziertes" Gesundheitspersonal arbeiten lassenQuelle: www.globallookpress.com © Christian Spicker via www.imago-/www.imago-images.de

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich dafür ausgesprochen, positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestete Mitarbeiter des Gesundheitswesens unter bestimmten Bedingungen arbeiten zu lassen. Zum Abschluss des Deutschen Pflegetags am Donnerstag sagte der Minister, am besten sollten "Infizierte" (also positiv Getestete) und ihre Kontaktpersonen in Quarantäne bleiben, aber:

Wenn wegen Isolation und Quarantänemaßnahmen so viele dann gar nicht mehr da sind, im Krankenhaus, in der Arztpraxis, in der Pflegeeinrichtung, dass die Versorgung zusammenbricht, muss man schauen, was ist neben der bestmöglichen Lösung die zweitbeste.

Dann könne es nötig sein, dass die Kontaktpersonen mit täglichen Tests und FFP2-Masken weiter arbeiten. Als "Rückfallrückfallposition" sei es außerdem möglich, "die positiv Getesteten mit ganz besonderen Schutzvorkehrungen auch arbeiten zu lassen". Medienberichten zufolge ist dies in Deutschland bereits vorgekommen.

Spahns Äußerungen stießen auf scharfe Kritik. Eugen Brysch, der Vorsitzende der Stiftung Patientenschutz, nannte Spahns Äußerungen einen "politischen Offenbarungseid". Der Nachrichtenagentur dpa sagte Brysch:

Der Geist der Konzertierten Aktion wäre tot.

Der durch mehrere Talkshowauftritte bekannte Krankenpfleger Alexander Jorde schrieb auf Twitter:

Niemals würde ich mit einer COVID-19-Infektion arbeiten und meine KollegInnen in Gefahr bringen. Das darf nicht toleriert werden.

Spahn und seine Minister Franziska Giffey (Familie) und Hubertus Heil (Arbeit) stellen am Freitag in Berlin den Zwischenbericht zur Konzertierten Aktion Pflege vor. Zentrales Element der Aktion soll laut Spahn eine neue Personalbemessung in der Altenpflege sein.

Man starte zum 1. Januar 2021 mit 20.000 zusätzlichen Pflege-Assistenzkräften. In den Kliniken sollten dann zum 1. Februar 2021 in mehr Bereichen als heute "kluge Personaluntergrenzen" gelten.

Branchenvertreter hatten auf dem zweitägigen Pflegetag auf den Notstand in der Pflege aufmerksam gemacht. Dazu zählt ein Mangel an Intensivpflegern und in Verbindung fehlende Intensivplätze für COVID-19-Kranke. Spahn selbst erklärte, dass die Corona-Krise bestehende Probleme verschärft habe:

Diese Zusatzbelastung durch die Pandemie facht das Problem, das vorher schon da war, weiter an.

Der Minister sagt im Zusammenhang mit den beschlossenen Maßnahmen, man absolviere hier "einen Marathon, keinen Sprint".

Spahns Aussage, dass im Notfall auch medizinisches Personal arbeiten müsse, wurde in den sozialen Netzwerken auch als indirekte Bestätigung für die Kritiker der massenhaften PCR-Tests auch symptomloser Menschen interpretiert, die immer wieder betonen, dass die Tests das Vorhandensein infektionsfähiger Viren nicht nachweisen können.

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