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Fall Maddie: Was machte Christian B. im geheimen Keller?

Zwei Tage lang durchsuchten Polizisten ausgiebig ein Grundstück am Stadtrand von Hannover. Es geht um die vor 13 Jahren in Portugal verschwundene kleine Madeleine McCann. Dabei stießen sie offenbar auf einen geheimen Keller – ist es das fehlende Puzzlestück?
Fall Maddie: Was machte Christian B. im geheimen Keller?Quelle: AFP © Hauke-Christian Dittrich

Die Polizei soll im Vermisstenfall Madeleine McCann einen versteckten Keller in einem ehemaligen Wohnhaus des Verdächtigen Christian B. entdeckt haben. Der Keller soll entdeckt worden sein, als die Ermittler ein rund 15 Meter tiefes und 15 Meter breites Loch im Garten eines abgelegenen Ferienhauses in Seelze, außerhalb Hannovers, gruben.

Bereits am Dienstag waren Fundamente – womöglich einer Gartenhütte – weggebaggert worden. Ein Spürhund kam laut der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung in einem Hohlraum unter der alten Bodenplatte zum Einsatz. Was es mit dem Keller auf sich hat, wollte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Julia Meyer, nicht weiter kommentieren. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte sie lediglich: "Wir kommentieren die laufenden Maßnahmen zum Schutz der Ermittlungen nicht."

Die Polizeiaktion ist mittlerweile beendet worden. Ob tatsächlich etwas gefunden wurde, bleibt weiter unklar. Zwei Tage lang haben Polizisten auf dem Grundstück das Erdreich mit Spaten und Harken durchkämmt. Auch ein kleiner Bagger, eine Mini-Raupe und eine Drohne kamen zum Einsatz. Am Abend sagte ein Polizist am Ort, die Aktion sei beendet. Daraufhin wurden auch die Sichtschutzwände zur Straße abgebaut.

Kaum noch Hoffnung für Maddie

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte zu Beginn des Einsatzes lediglich bestätigt, dass die Grabungen im Zusammenhang mit den Mordermittlungen gegen den 43-jährigen Deutschen Christian B. stehen. Der Mann soll die dreijährige Britin 2007 aus einer Ferienanlage an der portugiesischen Algarve entführt haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Kind tot ist. Nach Madeleines Verschwinden lebte der Verdächtige in Hannover – Medienberichten zufolge wohnte er in einem Kleinbus und arbeitete in einer Werkstatt nicht weit von dem jetzt durchsuchten Kleingarten entfernt.

Der Verdächtige sitzt derzeit in Kiel wegen anderer Delikte in Haft. Die Ermittler geben nicht bekannt, welche Verbindungen er zu der Kleingartenparzelle in Seelze-Letter, kurz hinter der Stadtgrenze von Hannover, hatte. Sie äußern sich auch nicht dazu, was genau sie auf dem Grundstück suchten.

In einer anderen Sache war die Polizei schon einmal auf einem Grundstück des Mannes fündig geworden. Nach Medienberichten hatten Fahnder Anfang 2016 auf dem Gelände einer alten Kistenfabrik bei Magdeburg, die dem mehrfach verurteilten Sexualstraftäter gehörte, in einer Grube Speichermedien mit Missbrauchsbildern von Kindern entdeckt.

Der Verdächtige äußert sich laut seinem Verteidiger nicht zu dem Vorwurf, Madeleine McCann entführt und ermordet zu haben. Das Landgericht Braunschweig hat ihn Ende 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Demnach hatte er 2005 in Praia da Luz – dem späteren Entführungsort von Madeleine – eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Plötzlicher Aufbruch – warum?

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ist für den Fall zuständig, weil der Beschuldigte in der Stadt seinen letzten deutschen Wohnsitz hatte. Dort besaß er von Oktober 2013 bis April 2016 einen Kleingarten. "Eigentlich war er unauffällig, er war immer freundlich und hat seine Gartenarbeit gemacht", sagte der Vorsitzende des Gartenvereins Kennelblick, Jürgen Krumstroh, am Mittwoch der dpa. "Ich war geschockt, als ich bei der neuen Fahndung nach Maddie im Frühjahr auf einmal sein Bild gesehen habe."

Seltsam sei nur sein Abschied aus der Gartenkolonie gewesen. "Er hat mir nachmittags die Kündigung gebracht, ist in seinen vollgepackten, randvollen Kleinwagen gestiegen, und danach habe ich nie wieder was von ihm gehört." Über den Braunschweiger Kleingarten hatte zunächst die Braunschweiger Zeitung berichtet. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht dazu, ob Durchsuchungen auch in anderen Kleingärten geplant seien.

Am Mittwochabend erinnerte nichts mehr an den zweitägigen Polizeieinsatz in der Kleingartenparzelle. Der sandige Boden war durchgeharkt, Mülltüten hatten die Polizisten mitgenommen. Das Grundstück, auf dem gegraben wurde, liegt zwischen einer Bundesstraße und einem Kanal.

Wie der Pächter der Nachbarparzelle gegenüber der dpa sagte, war das Grundstück zuletzt unbenutzt. Es befand sich kein Gartenhaus mehr darauf, auf dem Gelände wuchsen Brombeerbüsche und ein Kirschbaum. Vor Start der Arbeiten hatte die Polizei den Baum fällen und das Buschwerk entfernen lassen. In den zwei Jahren, in denen er seine Parzelle nutzte, habe er auf dem Nachbargrundstück niemanden gesehen, sagte der Pächter.

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(rt/dpa)