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Kosten minimieren, um rentabel zu sein? – Gaststätten in Berlin öffnen unter strengen Auflagen

Acht Wochen lang waren Gaststätten wegen des Coronavirus geschlossen oder boten nur einen Abhol- oder Lieferservice an. Nun dürfen sie ab heute wieder Gäste bewirten. Doch die strengen Auflagen könnten für viele existenzbedrohend werden. RT Deutsch sprach mit Besitzern eines Lokals.
Kosten minimieren, um rentabel zu sein? – Gaststätten in Berlin öffnen unter strengen AuflagenQuelle: AFP © David Gannon

Die Einschränkungen in der Gastronomie, die im Zuge der Bekämpfung des Coronavirus verhängt wurden, werden nun gelockert. In Berlin dürfen die Restaurants ab heute wieder Gäste an Tischen bewirten – doch nur unter strengen Auflagen. In den Gaststätten gelten ab sofort Hygieneregeln wie etwa Mund-Nasen-Schutz für die Bedienung. Köche und andere Mitarbeiter ohne Kundenkontakt sind von der Maskenpflicht jedoch ausgenommen. Den Gästen aber wird laut der Rechtsverordnung des Senats ein Mund-Nasen-Schutz "dringend empfohlen".

Ebenso dringend empfohlen wird, dass die Gäste vor dem Restaurantbesuch einen Tisch reservieren. Die Wirte können dann Kontaktdaten der Gäste sammeln und vier Wochen lang speichern. So sollen die Gesundheitsämter im Fall einer Ansteckung mögliche Infektionsketten nachverfolgen können. Doch eine Pflicht zur Angabe der Daten besteht nicht.

Selbstbedienung bleibt weiterhin untersagt – Lokale dürfen maximal von 6 bis 22 Uhr öffnen

Ab sofort muss in den Gaststätten zwischen den Tischen ein Mindestabstand von 1,5 Metern gewahrt sein. Außerdem dürfen Speisen und Getränke nur an den Tischen serviert und verzehrt werden. Selbstbedienung bleibt weiterhin untersagt. Die Lokale dürfen maximal von 6 bis 22 Uhr öffnen. Schon jetzt ist sicher, dass viele Betriebe wegen der Abstandsregeln weniger Gäste werden bedienen können als sonst. 

Über die aktuelle Situation im Gastgewerbe und mögliche Folgen der Corona-Krise sprach RT Deutsch mit Renate Dengg und Max Setrak, die im Berliner Bezirk Kreuzberg das "Café Jolesch" betreiben: 

Frau Dengg und Herr Setrak, wie schätzen Sie die Schäden, die die Corona-Krise Ihrem Restaurant zugefügt hat?

Wir haben erhebliche finanzielle Schäden durch Umsatzeinbussen erlitten. Dazu kommen fortlaufende Zahlungen wie die Fixkosten Miete, Strom, Versicherungen. Dazu kommt auch der seelische Schock, denn von heute auf morgen mussten wir Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken oder entlassen. Und das Ende ist noch ungewiss. Wir leben sehr viel von Touristen, und die werden vorerst ausbleiben.

Trotz der Corona-Lockerungen gelten immer noch strenge Regeln – Desinfektion, beschränkte Zahl der zugelassenen Besucher, Masken- und Abstandspflicht. Inwiefern könnte es rentabel sein, unter solchen Bedingungen ein Restaurant wieder zu öffnen?

Man kann nur rentabel arbeiten, indem man die Kosten minimiert. Das heißt: mit weniger Personal arbeiten, die Speisekarte minimieren, die Preise nach dem Geschäft anpassen, so dass am Wochenende höhere Preise verlangt werden, wie das von der Hotellerie und Fluggesellschaften praktiziert wird. Darüber denken wir nach, um profitabel zu arbeiten

Es besteht noch das Risiko einer Ansteckung. Der Besuch eines infizierten Gastes kann folgenschwer für das Restaurant sein. Sind Sie bereit trotz dieser Gefahr, Business zu betreiben?

Die Vorsichtsmaßnahmen müssen wir einhalten. Wenn es nach uns ginge, würden wir noch vier Wochen zu lassen. Aber die Entscheidung liegt bei Frau Merkel.

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