Gesellschaft

Schmiergeld für einen Studienplatz: Skandal um Aufnahme in US-Elite-Universitäten

Lügen, Betrug, Bestechungsgelder: Um ihre Kinder an Elite-Universitäten unterzubringen, sollen sich Dutzende Eltern in den USA strafbar gemacht haben. Die Vorwürfe richten sich auch gegen etliche Prominente. Die Fälle reichen bis ins Jahr 2011 zurück.
Schmiergeld für einen Studienplatz: Skandal um Aufnahme in US-Elite-UniversitätenQuelle: www.globallookpress.com

Ein Betrugsskandal an Elite-Universitäten, in den Hollywood-Stars und reiche Unternehmer verwickelt sind, wirbelt die amerikanische Hochschullandschaft auf. Um ihre Kinder in Yale, Stanford oder Georgetown zu platzieren, sollen dutzende Prominente und andere wohlhabende Eltern Colleges und Universitäten in den USA bestochen haben. Nach landesweiten FBI-Ermittlungen schlug die Bundesbehörde FBI am Dienstag mit Festnahmen und Anklagen zu.

Unter den fast 50 mutmaßlichen Tätern sind auch Schauspielerin Felicity Huffman (56), bekannt aus der TV-Serie "Desperate Housewives", und Lori Loughlin (54) aus der Sitcom "Full House". Huffman, die aus ihrer Ehe mit dem Schauspieler William H. Macy zwei Töchter hat, sei am Dienstag in ihrem Haus in Los Angeles verhaftet worden, berichtete die Los Angeles Times. Nach einem Gerichtstermin hinterlegte sie eine Kaution in Höhe von 250.000 Dollar und kam so wieder auf freien Fuß. Ende März muss sie in Boston (US-Staat Massachusetts) vor Gericht erscheinen. Loughlin sollte am Mittwoch in Los Angeles vor Gericht erscheinen.

Insgesamt 25 Millionen Dollar sollen Eltern locker gemacht haben

Huffman soll laut Anklage 15.000 Dollar (13.000 Euro) Schmiergeld gezahlt haben, um zu erreichen, dass Antworten ihrer ältesten Tochter beim landesweiten Einstufungstest SAT nachträglich aufgebessert werden. Loughlin und ihr Mann, der Modedesigner Mossimo Giannulli, sollen sogar 500.000 Dollar locker gemacht haben, um ihre beiden Töchter fälschlicherweise als Ruderinnen auszugeben und sie über das Sportteam an der University of Southern California (USC) unterzubringen, obwohl die nie gerudert hätten.

Die Vorwürfe treffen Investoren in Silicon Valley, Firmenchefs und Unternehmer, auch ein Weingutbesitzer ist angeklagt. Ein 58 Jahre alter Mittelsmann, der sich bereits schuldig bekannt hat, soll die Bestechungen eingefädelt haben. Den Eltern soll er die Machenschaften als "Seitentür" zur Aufnahme ihrer Kinder in die Hochschulen dargestellt haben. Laut Anklage kassierte er von den Eltern insgesamt 25 Millionen Dollar (22 Mio Euro), mit denen er dann teilweise unter anderem Sporttrainer und andere Mitarbeiter an den Hochschulen schmierte. Die Bestechungsgelder an ihn waren als Spenden getarnt.

Hochschulleitungen sollen nichts von den Bestechungen gewusst haben

Die Fälle reichen bis ins Jahr 2011 zurück. Durch "Bestechung und andere Formen des Betrugs" hätten die Betroffenen versucht, die Annahme ihrer Kinder zu erwirken, heißt es in der Anklage. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Leitungen der Hochschulen aber nichts von den Betrugsgeschäften wussten. Teils sollten die Kinder der Angeklagten unabhängig von ihren sportlichen Leistungen als Sport-Stipendiaten angenommen werden, in anderen Fällen sollte es unerlaubte Hilfe bei Aufnahmeprüfungen geben. Viele US-Hochschulen locken herausragende junge Sportler mit wertvollen Stipendien. Unter den Angeklagten sind nach Berichten US-amerikanischer Medien mehrere Trainer von College-Sportmannschaften.

In vielen Fällen seien auch die Schüler und Studenten selbst ahnungslos gewesen, dass die Eltern bei den Aufnahmeprüfungen ihre Finger im Spiel hatten, teilte die Staatsanwaltschaft mit. 

Die Eltern sind die treibenden Kräfte in diesem Betrug", sagte Staatsanwalt Andrew E. Lelling. 

Inwieweit die Anklage noch laufende Ausbildungen oder Studienabschlüsse der Kinder betrifft, ist unklar. Aufgedeckt wurde der Bestechungsskandal durch einen ehemaligen Fußballtrainer an der Universität Yale, der sich selbst schuldig bekannte.

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(dpa/rt deutsch)