Gesellschaft

Umfrage in Israel offenbart tiefsitzenden Rassismus

Nachdem der US-Sender CNN eine Umfrage über Antisemitismus in Europa durchführte, wollte auch der israelische Sender "10 TV" von der Bevölkerung in Israel wissen, wie sie zu ähnlichen Fragen steht. Das Ergebnis dürfte für viele schockierend sein.
Umfrage in Israel offenbart tiefsitzenden RassismusQuelle: AFP © Ahmad Gharabli

Die von CNN in Auftrag gegebene Umfrage ergab, dass nebst anderen Themen eine erschreckend hohe Zahl von Menschen in Europa wenig bis gar nichts über den Holocaust weiß. Und das, obwohl die systematische Judenvernichtung der Nazis noch nicht mal 75 Jahre her ist. In Österreich, dem Geburtsland von Adolf Hitler, wussten zwölf Prozent der Befragten nicht, was der Holocaust überhaupt ist, und sogar vierzig Prozent der Erwachsenen gaben an, "nur wenig" darüber zu wissen.

So beschämend diese Ergebnisse in Europa sind, sie stießen eine ähnliche Umfrage in Israel an. Der Sender 10 TV nahm die CNN-Umfrage zum Anlass, den Israelis ähnliche Fragen zu stellen. Das Ergebnis fassten sie im Teaser folgendermaßen zusammen:

Die jüdische Bevölkerung ist infiziert mit rassistischen Vorstellungen.

Da sich die CNN-Umfrage mehrheitlich um den Holocaust drehte, wollte auch 10 TV von den Juden wissen, "die von der Welt die Erinnerung an den Holocaust verlangen", was sie von der "Massenvernichtung von anderen Völkern" wissen. 70 Prozent wussten vom Genozid an den Armeniern wenig bis gar nichts, ebenso vom Völkermord in Ruanda. Zehn Prozent gaben an, "ein bisschen" über den Holocaust zu wissen.

Ein weiterer Punkt bei CNN war das weitverbreitete Gefühl des großen jüdischen Einflusses auf Medien und Finanzen. Auf ähnliche Fragen antworteten 37 Prozent der jüdischen Israelis, dass sie sich an der Tatsache störten, dass jeder zweite Apotheker in Israel ein Palästinenser ist. 40 Prozent gaben an, dass sie die große Zahl an palästinensischen Ärzten und Krankenschwestern in israelischen Krankenhäuser störe. Und während viele Europäer angaben, dass sie sich von typischen jüdischen Merkmalen bei der Kleidung oder Davidstern gestört fühlten und es den Antisemitismus fördere, antworteten 43 Prozent der Befragten in Israel, dass sie die arabische Sprache in der Öffentlichkeit stört oder sogar sehr störe.

Noch klarere Resultate gab es bei Themen wie der Segregation.  51 Prozent gaben an, dass sie eine Freundschaft zwischen ihrem jüdischen Sohn und einem palästinensischen Jungen verbieten würden. Ähnlich (53 Prozent) sieht es bei einer Freundschaft zwischen einem jüdischen und palästinensischen Mädchen aus. Hingegen äußerten sich 76 Prozent gegen eine Freundschaft zwischen einem jüdischen Jungen und einem palästinensischen Mädchen, und sogar 80 Prozent sprachen sich gegen eine Freundschaft zwischen einem jüdischen Mädchen und palästinensischen Jungen aus. Die Hälfte gab außerdem an, dass sie ein Palästinenser in ihrer Nachbarschaft stören würde und sie deshalb ihre Wohnung oder Haus nicht einem Palästinenser vermieten würden.

Bei der Frage, ob Juden den Nichtjuden – den Gojim – überlegen sind, antwortete eine Mehrheit von 43 Prozent mit einem klaren Nein. Dennoch meinten zwölf Prozent, dass diese Aussage "absolut korrekt" sei, elf Prozent meinten, sie sei "korrekt", und 25 Prozent waren sich nicht so sicher, was sie davon halten sollen.

Solche Umfragen und deren Ergebnisse sind nicht neu. Das Guttman Center for Surveys, das die jüngste Umfrage im Auftrag von 10 TV durchführte, ermittelte im vergangenen Jahr, dass 41 Prozent der jüdischen Israelis davon überzeugt sind, dass sie mehr Rechte als ihre palästinensischen Mitbürger in Israel haben sollten. 42 Prozent waren der Meinung, dass Juden bei der Arbeitssuche bevorzugt werden sollten, und 54 Prozent waren sogar überzeugt, dass es für die jüdische Identität besser wäre, wenn Juden und Palästinenser getrennt voneinander leben würden. Aufgrund dieses tiefsitzenden Rassismus in der israelischen Gesellschaft sagte der damals noch amtierende Präsident Reuven Rivlin, dass die "israelische Gesellschaft krank ist".

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