Gesellschaft

Unwort des Jahres 2025: "Sondervermögen"

Die Sprachkritiker haben ihr Urteil gefällt: Das Unwort des Jahres 2025 lautet "Sondervermögen". Bis Weihnachten hatte die Jury rund 2.300 Einsendungen mit Vorschlägen für das Unwort erhalten. Seit 1991 macht die Aktion auf diskriminierende oder manipulative Begriffe aufmerksam.
Unwort des Jahres 2025: "Sondervermögen"© Urheberrechtlich geschützt.

Der Kreis von Sprachkritikern um Constanze Spieß, Professorin für Pragmalinguistik in Marburg, hat den Begriff "Sondervermögen" zum Unwort des Jahres 2025 erklärt. Die Bezeichnung sei manipulativ und irreführend, so die Begründung der Jury. Zwar sei der Ausdruck bereits seit einigen Jahren "im gesellschaftlichen Diskurs präsent", doch sei er erst 2025 "im öffentlich-politischen Sprachgebrauch vermehrt verwendet" worden und habe "sehr deutlich die politischen Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme" geprägt.

Das ZDF fasst die Begründung der Juroren folgendermaßen zusammen:

"Der fachsprachliche Begriff sei beschönigend und versuche, seine eigentliche Bedeutung zu verschleiern: nämlich das Schuldenmachen. Mit 'Vermögen' verbänden die meisten Bürger etwas Positives und keineswegs eine Verschuldung."

Und weiter schreibt der Mainzer Sender: Die Verwendung des Begriffs "behindere die offene Debatte darüber, ob die Aufnahme von Schulden nötig ist". Denn, so führt die Jury dazu aus, "Verständlichkeit und Aufrichtigkeit werden hinsichtlich der aufgenommenen Schulden vermieden".

Die Sprachwissenschaftler betonen, der Begriff stamme "ursprünglich aus der wirtschaftlichen und juristischen Fachsprache". Auch im Grundgesetz komme er vor (Artikel 110, Absatz 1). Während der Begriff Vermögen bereits "eine große Menge an Eigentum (Geld, Sachwerte etc.) zu verstehen" gebe, werde seine Bedeutung durch das "Wortbildungselement sonder" noch gesteigert und suggeriere, "dass etwas nicht dem Üblichen entspricht, sondern außergewöhnlich ist".

Der fachsprachliche Gebrauch des Ausdrucks müsse von der alltagssprachlichen Verwendung unterschieden werden, die ein Vermögen bezeichnet, das eben "von einem Gesamtvermögen abgetrennt ist und einen eigenen Stellenwert" habe.

Viele Bürger seien jedoch "nicht mit der administrativen Spezialbedeutung vertraut und orientieren sich an der Alltagsbedeutung". Hinter der beschönigenden Benutzung des Ausdrucks stehe eine absichtliche Täuschung:

"Durch diese Diskrepanz tritt die irreführende euphemistische Bedeutung des Wortes deutlich in den Vordergrund. Der Gebrauch des Technizismus in der öffentlichen Kommunikation verdeckt, was mit ihm gemeint ist: die Aufnahme von Schulden."

Wo die "politische Kommunikation" alle Bürger betreffe, erachte die Marburger Jury "das sprachkritische Einmahnen von Klarheit und Angemessenheit in der Sprache diskursethisch geboten", wie es in der Pressemitteilung heißt.

Auf Platz zwei des Unworts für 2025 setzten die Sprachkritiker den Ausdruck "Zustrombegrenzungsgesetz". Die zugrunde liegende "Wassermetapher" stelle die Zuwanderung als "'Herbeiströmen in großen Mengen'" dar, wodurch sie als "negativ, d. h. als Bedrohung konnotiert" werde.

Insgesamt habe die Jury bis Jahresende 2.631 Einsendungen mit 553 Vorschlägen von Ausdrücken erhalten, von denen wiederum rund 70 den Kriterien für das "Unwort des Jahres" entsprochen hätten. In die engere Auswahl hatten es beispielsweise die Begriffe "Stadtbild", "Brandmauer" und "Drecksarbeit" geschafft.

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