Gesellschaft

Schlag gegen die Psyche: Nachfrage nach Antidepressiva in Russland durch Corona deutlich gestiegen

Seit Beginn der COVID-19-Pandemie konsumieren die Menschen in Russland zunehmend Psychopharmaka. Laut Statistiken stieg die Nachfrage nach Antidepressiva im Land um 43 Prozent. Die Ärzte führen den Trend vor auf die psychischen Nachwirkungen der Gesundheitskrise zurück.
Schlag gegen die Psyche: Nachfrage nach Antidepressiva in Russland durch Corona deutlich gestiegenQuelle: www.globallookpress.com © uwe umstätter

Der Verkauf von Antidepressiva und Neuroleptika in Russland boomt. Im Zeitraum zwischen dem 10. Januar und dem 6. Februar stieg die Nachfrage nach diesen Arzneimittelkategorien um jeweils 43 und 35 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dies geht aus den Daten der Denkfabrik DSM Group hervor, die der russischen Zeitung Iswestija vorliegen.

Experten begründen die Entwicklung mit den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die menschliche Psyche. Sie registrieren unter anderem eine wachsende Zahl der vereinbarten Termine bei Psychiatern, Neurologen und Psychologen in der Bevölkerung.

Laut dem Psychiater und Psychotherapeuten Juri Wjalba sind die vermehrten Komplikationen des Nervensystems und der Psyche unter den russischen Patienten auf das sogenannte Post-COVID-Syndrom zurückzuführen. Bei den häufigsten Beschwerden handele es sich vor allem um Schlafstörungen, Angstzustände und Depressionen. Der Wechsel zum Fernarbeitsformat sowie solche externen Faktoren wie Verunsicherung und Angst vor einer Corona-Infektion hätten ebenfalls eine Rolle gespielt, meinte der Experte.

Bereits vor Beginn der Corona-Pandemie war die Prävalenz von psychischen Störungen in der Gesellschaft sehr hoch. Mit dem Ausbruch der Gesundheitskrise habe sie um ein Vielfaches zugenommen, erklärte Olga Kotowa, Psychiaterin und Dozentin an der Russischen Universität der Völkerfreundschaft (RUDN) gegenüber Iswestija. Wobei eine Pandemie an sich schon eine sehr traumatische Situation für die Psyche darstelle, komme die Schwere deren Nachwirkungen darauf an, in welchem geistigen Zustand sich ein Mensch befindet, wenn er mit der Krise konfrontiert wird. So sei zum Beispiel entscheidend, ob die jeweilige Person zu diesem Zeitpunkt völlig gesund ist oder bereits eine latente Pathologie aufweist, so Kotowa.

Auch Menschen, die nicht an COVID-19 erkrankt sind oder waren, sind im Laufe der Pandemie einem enormen Stress ausgesetzt. Dies sei eine Voraussetzung für die Entwicklung vieler Pathologien, warnte Olga Schuppo, Leiterin des internationalen Kliniknetzwerks Grand Clinic. So verzeichnen die Ärzte ihr zufolge inzwischen einen deutlichen Anstieg von Fettleibigkeit, Erkrankungen des Bewegungsapparates und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Indessen rief sie die russische Regierung auf, der psychischen Rehabilitierung von ehemaligen COVID-19-Patienten und deren Rückführung zu einem aktiven Lebensstil sowie der Vorbeugung chronischer Krankheiten mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Zuvor hatte die Vorsitzende des russischen Föderationsrates Walentina Matwijenko den zuständigen Sozialausschuss des Oberhauses des Parlaments beauftragt, gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium die Möglichkeit zu prüfen, die psychiatrische Versorgung von Corona-Genesenen in das System der gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen.

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