Gesellschaft

Feuerwerkshersteller WECO in Freiberg durch erneutes Böllerverbot insolvent

Nach Umsatzeinbrüchen von 95 Prozent durch die Verluste beim Jahreswechsel 2020/21 ist das Aus für den Traditionsbetrieb durch das erneute "Böllerverbot" nun nicht mehr abzuwenden. 100 Mitarbeiter erhalten noch vor Weihnachten die Kündigung.
Feuerwerkshersteller WECO in Freiberg durch erneutes Böllerverbot insolventQuelle: www.globallookpress.com © Christian Ohde via www.imago-ima

Durch den Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz vom 2. Dezember 2021, erneut ein Böllerverbot zu veranlassen, muss  der traditionsreiche Pyrotechnikhersteller WECO seine Pforten schließen und die letzten 100 Beschäftigten im sächsischen Freiberg entlassen.

Demnach würden im Laufe des Monats die Mitarbeiter ihre Kündigungen erhalten. Die Firma WECO wurde im September 1948 von Hermann Weber unter dem Namen "Pyro-Chemie, Hermann Weber & Co." gegründet. 

Laut Eigenauskunft war WECO bis zur Schließung das einzige Feuerwerksunternehmen in Europa "mit wesentlichen Kapazitäten in der Eigenfertigung". An den deutschen Standorten in Eitorf, Freiberg und Kiel wurden etwa 40 Prozent des Gesamtumsatzes mit eigenen Produkten erwirtschaftet.

Das Unternehmen habe sich mit dem Betriebsrat auf einen Sozialplan für die noch 100 verbliebenen Beschäftigten in Freiberg verständigt, bestätigte ein Sprecher des Pyrotechnik-Unternehmens am Montag dem MDR. Die Angestellten des Standorts Eitdorf in NRW müssten jedoch ebenfalls um ihre Jobs bangen. Begründet wurde der Entschluss mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten nach dem Verkaufsverbot von Feuerwerk Ende 2020. Das Werk habe demnach einen Umsatzrückgang von 95 Prozent erlitten.

"Trotz Überbrückungshilfen, die jedoch nach wie vor keinesfalls vollständig ausgezahlt wurden, sowie Kosteneinsparungen und standortübergreifender Kurzarbeit musste das Unternehmen zum Geschäftsjahresende einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe verzeichnen"

Der WECO-Geschäftsführer Thomas Schreiber wird mit den Worten zitiert:

"Vielleicht ist es den Damen und Herren in Berlin nicht klar, aber an unserer Branche hängen viele Familien und Existenzen, deren Schicksal uns selbstverständlich sehr am Herzen liegt!"

Im Jahr 2020 hatte das zuständige Bundesinnenministerium wegen der Pandemie kurzfristig den Verkauf von Silvesterfeuerwerk mit dem Argument untersagt, die Ambulanzen in den Krankenhäusern nicht überlasten zu wollen.

In diesem Jahr wurde diese Argumentation noch ergänzt: "Silvesterfeiern würden nicht nur zu zusätzlichen Infektionen führen, sondern auch zu weiteren Belastungen in den Kliniken," so Hamburgs Regierender Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD).

Klaus Gotzen, Geschäftsführer des Verbands der pyrotechnischen Industrie (VPI) kommentierte dies mit der Feststellung, dass die Entscheidung für das Jahr 2021 "ein symbolisches Verbot auf unserem Rücken und ohne Wirkung" sei. Dabei werde eine gesamte Industrie sich selbst und der drohenden Insolvenz überlassen. "Die Politik verspielt heute Vertrauen, indem sie eine Maßnahme veranlasst, die keinen nennenswerten Beitrag leisten wird, die Pandemie zu bewältigen", so Ingo Schubert vom Vorstand des Bundesverbands Pyrotechnik.

Die noch knapp 3.000 Beschäftigten der Pyrotechnik-Branche sehen sich nun erneut mit drohender Arbeitslosigkeit konfrontiert.

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