Gesellschaft

"Kollateralschäden sind immens" – Mediziner warnt vor Angstmache in der Pandemie

Gesundheit ist mehr als nur ein gut funktionierender Organismus. Und Krankheit bedeutet mehr als nur eine Störung und kann nicht allein mit technischen Mitteln behandelt werden. Das sagt der Mediziner Christian Schubert in einem Interview, insbesondere mit Blick auf die COVID-19-Pandemie.
"Kollateralschäden sind immens" – Mediziner warnt vor Angstmache in der PandemieQuelle: RT © Tilo Gräser

Vor einem erneuten vollständigen oder teilweisen Lockdown im Zuge der COVID-19-Pandemie warnt der Psychoneuroimmunologe Christian Schubert. "Also aus gesundheitlichen Aspekten heraus können wir uns gar nichts mehr leisten", sagt er in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit dem Magazin Cicero. Der Mediziner und Wissenschaftler aus Innsbruck kritisiert die Anti-Corona-Maßnahmen nach eigener Aussage von Beginn an.

Zu Beginn der Pandemie im März 2020 seien die ersten Maßnahmen medizinisch der richtige Weg gewesen. Vieles im Zusammenhang mit dem Virus SARS-CoV-2 und der von ihm laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgelösten Krankheit COVID-19 sei unbekannt gewesen, so Schubert. Er bedauert, dass in den folgenden Monaten zu wenig daraus gelernt worden sei.

"Die Kollateralschäden sind jetzt schon immens, doch eine Veränderung der Strategie ist nicht in Aussicht – ganz im Gegenteil. Die Bekämpfung des Virus ist ganz im Sinne des mechanistischen Menschenbilds und richtet sich allein auf die technischen Aspekte aus."

Die Injektion experimenteller Impfstoffe gegen COVID-19 werde als "Allheilmittel" angesehen und so behandelt. Wenn es dennoch zu sogenannten Durchbrucherkrankungen komme, "dann weiß die Medizin wieder nicht weiter, impft ein drittes oder viertes Mal und empfiehlt die Impfung der Kinder gegen SARS-CoV-2", kritisiert der Mediziner.

Wechselwirkung zwischen Virus und Wirt

Schubert betont im Cicero-Interview: "Da Kinder selbst aber keinen Nutzen von den Impfungen haben, weil sie kaum erkranken und der derzeit verfügbare Impfstoff gegen SARS-CoV-2 nicht auf mögliche Langzeitnebenwirkungen geprüft wurde, stellt die jetzt drohende Impfpflicht der Kinder eine staatlich verordnete Körperverletzung der Kinder dar – und die Medizin macht sich wieder einmal zum Schergen eines für menschliche Aspekte blinden Systems."

Schubert stellt nicht in Frage, dass SARS-CoV-2 eine Gefahr für die Gesundheit von Menschen ist: "Das Coronavirus ist sicherlich gefährlich für bestimmte Gruppen, und damit meine ich nicht nur ältere Menschen, die in der COVID-19-Krise oft stigmatisiert wurden, besonders anfällig zu sein."

Es komme auf die Gesundheit des Einzelnen an, betont er. Zu beachten seien Vorerkrankungen wie Diabetes oder Krebs, ebenso der Grad der psychischen Belastung für einen Menschen und deren Dauer. "Dann ist das Virus gefährlich – auf gesunde, junge Menschen hat es oft nur wenig Einfluss."

Für den Psychoneuroimmunologen geht es im Zusammenhang mit der Pandemie um den Ansatz, "der vor allem auf die Wechselwirkung zwischen Virus und Wirt abzielt". Bei der Frage, wie ein Virus wirkt, seien die Abwehrkräfte des Wirtsorganismus wichtig. Schubert stellt dazu fest: "Die Rolle des Wirts aber habe ich in der Krisenkommunikation der letzten 18 Monaten sehr vermisst. Der Staat sagte zwar, er wolle das Virus bekämpfen, hat aber den Menschen nicht mit in die Rechnung genommen."

"Blick allein auf das Virus ist zu wenig"

Um Gesundheit und Krankheit zu verstehen und zu erklären, seien nicht nur stoffliche Faktoren wie Bakterien oder Viren wichtig. Ebenso wichtig sind aus Sicht des Mediziners "Umweltfaktoren, die das Immunsystem stärken oder schwächen. Da sind psychische und soziale Faktoren von fundamentaler Bedeutung." Es sei "immer zu wenig, nur das Virus anzuschauen und den Wirt außer Acht zu lassen".

Ausgehend davon spricht Schubert von der "Paradoxie der Corona-Maßnahmen" wie dem "Lockdown": "Der Lockdown ist wissenschaftlich sinnvoll, um das Virus einzudämmen. Gleichzeitig schicke ich durch ihn aber auch Menschen in die Isolation." Die dabei erlittene Einsamkeit, Angst vor Jobverlust, Depressionen, Traumata und anderes lösten psychischen Stress aus.

Dieser wiederum "schwächt das Immunsystem immens". So werde mit dem Lockdown die Widerstandskraft vieler Menschen untergraben. Dadurch werde das Ziel, dass sich möglichst wenige infizieren und auf die Intensivstation müssen, konterkariert.

Der Mediziner kritisiert in dem Interview das vorherrschende "Narrativ der Angst", bei dem alle Register der Angstmache gezogen werden. Das sei die einzige Antwort darauf gewesen, dass das Virus möglicherweise als zu harmlos angesehen werde. Schubert verweist auf das im Frühjahr 2020 bekannt gewordene Papier aus dem Bundesinnenministerium, dass die Strategie der Angstkommunikation gegenüber der Bevölkerung beschrieb.

Diese Kommunikation mutet ihn "fast mittelalterlich" an, sagt er Cicero. Seine Alternative:

"Es wäre aber sehr wohl wichtig gewesen, zu vermitteln, dass die eigene Immunabwehr ausschlaggebend ist und gezielt gestärkt werden kann, insbesondere dadurch, dass es den Menschen psychisch gut geht."

Der Psychoneuroimmunologe beklagt, dass psychische Erkrankungen in der gesamten Bevölkerung infolge der Pandemie zugenommen haben. In Österreich sind nach seinen Angaben während des ersten Lockdowns die Zahlen der Depressionen und Angststörungen auf das Vier- bis Fünffache gestiegen. Besonders Kinder und Jugendliche litten unter der Situation und den Maßnahmen: "Wir sehen vermehrt Belastungsstörungen, Angst, Depressionen, aber auch Essstörungen, Suizidgedanken und -handlungen bei sehr jungen Kindern."

Verlorene Lebensjahre durch Maßnahmen

Schubert weist darauf hin, dass die ausgelösten psychischen Probleme "ganz konkrete und sehr langfristige Auswirkungen" haben. Und er macht auf etwas aufmerksam, das kaum beachtet wird: "Wir versuchen mit aller Kraft, ein Triagieren in den Kliniken zu vermeiden. Triage findet aber nun in den Psychiatrien statt. Dort werden Kinder und Jugendliche, die dringend Hilfe bräuchten, abgewiesen, weil die Stationen überfüllt sind."

Auf lange Sicht gehen durch die von der Corona-Krise und den Maßnahmen ausgelösten psychischen Erkrankungen Lebensjahre verloren, warnt der Mediziner. Das Immunsystem der Betroffenen werde durch den Stress langfristig geschädigt. Für ihn ist die Frage entscheidend: "Was schützt denn die Menschen, die besonders gefährdet sind?"

Notwendig seien bessere Hygienekonzepte, insbesondere für Alten- und Pflegeheime sowie für Krankenhäuser. Schubert fügt hinzu: "Aber wegen eines Virus, das besonders für eine klar identifizierte Gruppe schädlich ist, die ganze Gesellschaft zu isolieren und die Gesellschaftsstruktur zu beschädigen, finde ich bedenklich." Er fordert, die Eigenverantwortung der Menschen auch in Bezug auf ihre Gesundheit stärker zu beachten und zu fördern.

"Das Problem in der Schulmedizin ist es ja, dass Menschen in die Klinik gehen, um sich reparieren zu lassen wie eine Maschine. Die Eigenverantwortung, die jemand jahrzehntelang schleifen ließ, indem er sich immer gestresst oder schlecht ernährt hat, die wird nicht mitgedacht. Das ist ein sehr passiver Zugang zur Gesundheit."

Den Wissenschaftler und Mediziner treibt nach eigenen Worten die Sorge um, dass bereits vorhandene psychische und soziale Probleme durch die Pandemie verstärkt werden. "Die Beziehungslosigkeit ist nicht erst seit der Pandemie ein Charakteristikum unserer modernen Zeit." Beziehungen würden immer mehr in die sogenannten sozialen Medien, also auf digitale Plattformen, und damit auf technischen Verbindungen verlagert.

"In der Psychoneuroimmunologie spielen die soziale Interaktion, die soziale Unterstützung, die soziale Diversität, also dass man verschiedene Rollen im sozialen Kontext einnimmt, wichtige Rollen", erklärt Schubert Cicero. "Sie sind Lebenselixiere für die Gesundheit. Konfliktbehaftetes Miteinander belastet die Beziehungen und auch die Gesundheit."

Christian Schubert ist Psychoneuroimmunologe. Er war ab 1995 am Aufbau des Labors für Psychoneuroimmunologie (PNI) an der Universitäts-Klinik für Medizinische Psychologie Innsbruck beteiligt. Von 2013 bis 2020 war er Vorstandsmitglied der Thure von Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin (AIM) und ist seit 2005 Leiter der Arbeitsgruppe für Psychoneuroimmunologie des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM). Schubert ist Autor zahlreicher Bücher, darunter: "Was uns krank macht – Was uns heilt: Aufbruch in eine neue Medizin" (2016).

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