Gesellschaft

Französische Politikerin: Weiße sollten schweigen, wenn Farbige über Rassismus reden

Audrey Pulvar, stellvertretende Bürgermeisterin von Paris, hat mit ihrer Äußerung eine Rassismusdebatte ausgelöst. Ihr zufolge sollten Weiße "stille Zuschauer" bleiben, wenn sie an Treffen teilnehmen, bei denen farbige Menschen über Rassismus diskutieren.
Französische Politikerin: Weiße sollten schweigen, wenn Farbige über Rassismus redenQuelle: Gettyimages.ru © Stephane Cardinale - Corbis

Die ehemalige Fernsehmoderatorin und Journalistin sagte am Samstag im französischen Fernsehen, sie sei "nicht schockiert" zu erfahren, dass farbige Menschen Treffen abhalten, die für Weiße unzugänglich sind. Die Stellvertreterin der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo verwies auf einen Vorfall Anfang des Monats, bei dem die französische Studentengewerkschaft Unef Treffen zum Thema Rassismus organisierte, von denen Weiße ausgeschlossen waren.

Pulvar, selbst eine Schwarze, sagte, dass Menschen, die diskriminiert werden, "das Bedürfnis haben, sich zu treffen, um sich darüber auszutauschen". Dennoch betonte sie, dass es nicht ganz richtig wäre, Weißen die Teilnahme an solchen Treffen allgemein zu verbieten. Stattdessen schlug sie vor, dass eine weiße Frau oder ein weißer Mann, der zu diesem Treffen kommt, gebeten werden könnte, "ein stiller Zuschauer zu sein". Die Worte der Politikerin, die bei den bevorstehenden Regionalwahlen in der französischen Region Ile-de-France die Liste der Sozialistischen Partei anführt, sorgten im Internet für hitzige Diskussionen und wurden als rassistisch eingestuft.

Valérie Pécresse, Präsidentin des Regionalrats der Ile-de-France, sagte, dass in ihrer Region niemand "wegen der Hautfarbe diskriminiert werden sollte". "Es gibt keinen 'akzeptablen Rassismus'!", twitterte sie.

Die französische Europaabgeordnete Agnes Evren bezeichnete Pulvars Aussage als skandalös und bemängelte den vermeintlichen moralischen Verfall der Linken sowie die "rassistische Stimmung gegen weißhäutige Franzosen". Marine Le Pen, Vorsitzende der rechten Partei Rassemblement National (früher Front National), rief die französische Staatsanwaltschaft auf, eine Untersuchung gegen Pulvar wegen angeblicher Rassendiskriminierung einzuleiten.

Auch Franck Riester, beigeordneter Minister für Außenhandel und Standortförderung beim Minister für Europa und auswärtige Angelegenheiten, kommentierte die Debatte. Ihm zufolge sei es "notwendig, genau das Gegenteil von dem zu tun, was Audrey Pulvar gesagt hat". "Diese Kommentare sind ernst, schockierend und widersprechen dem französischen Universalismus", twitterte er.

Unterstützung bekam die Politikerin von Jean-Luc Mélenchon, dem Vorsitzenden der linken Partei La France insoumise. Dieser argumentierte, dass die Äußerungen Pulvars keineswegs rassistisch waren und fügte hinzu, sie definiere einfach "was eine Selbsthilfegruppe ist". Mélenchon beschuldigte Pulvars Kritiker einer "sexistischen und diskriminierenden Haltung". Er forderte die Sozialistische Partei auf, ihre Kandidatin zu verteidigen.

Pulvar versuchte, ihren Standpunkt zu bekräftigen, indem sie ein weiteres Thema ansprach. Sie schrieb auf Twitter, dass solche exklusiven Treffen nicht auf das Thema Hautfarbe beschränkt sein sollten und auch Probleme von LGBT-Personen abdecken sollten. Sie fügte hinzu, dass sie als heterosexuelle Frau "die Klappe halten und zuhören" würde, falls sie an einem LGBT-Treffen teilnehmen würde.

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