Gesellschaft

Peronist, Fidels Freund und Bewunderer von Che: Maradonas Verbindungen zur politischen Linken

Während seiner Laufbahn hat die Fußballlegende Diego Maradona nicht nur die Grenzen der weltweit beliebtesten Sportart gesprengt. Der Argentinier bekannte sich öffentlich zu den sozialistischen Ideen in Lateinamerika. Seine Freunde waren Fidel Castro und Hugo Chávez.
Peronist, Fidels Freund und Bewunderer von Che: Maradonas Verbindungen zur politischen LinkenQuelle: Reuters © Revolution Studios/Handout

von Emmanuel Gentile

Das argentinische Idol Diego Armando Maradona wurde in Villa Fiorito, einem bescheidenen Viertel von Lomas de Zamora in der Provinz Buenos Aires geboren. Bis zu seinem Tod an diesem Mittwoch im Alter von 60 Jahren vergaß er niemals seine Wurzeln. Im Jahr 2004 gab er ironisch eines seiner bekanntesten Wortspiele zum Besten, in dem er an beide Bedeutungen des spanischen Adjektivs "privado" – "privat" und "entbehrend" – anspielte:

Ich wuchs in einem berühmten Viertel von Buenos Aires auf, berühmt für seinen Mangel an Licht, Wasser und Telefonverbindung.

Vielleicht deswegen und trotz seines Vermögens, das er als Fußballspieler verdient hatte, trat er politisch immer für die Armen ein, sprach sich gegen die Ungleichheit und für die soziale Gerechtigkeit aus. 

Außerhalb der Stadien zeigte sich Diego immer als Mensch mit Klassenbewusstsein, der sich für die sozialistischen Ideen engagierte. Im Fall von Argentinien war es der Peronismus mit all seiner Komplexität.

Die Ideen des Idols, die in den konservativen Kreisen auf Ablehnung stießen, waren nicht nur wegen seiner persönlichen Stellungnahmen bekannt, sondern auch, weil sie auf seiner Haut abgebildet waren. An seinem rechten Arm trug der Argentinier eine Tätowierung des Anführers der kubanischen Revolution, seines Landsmanns Ernesto "Che" Guevara, die er mit Stolz zu zeigen pflegte.

Mit der roten Insel im Atlantik vereinte ihn außerdem eine tiefe Freundschaft mit Fidel Castro, der den Fußballspieler in seinem Land zwecks einer medizinischen Behandlung zwischen 2000 und 2005 willkommen hieß.

Das Schicksal wollte es so, dass Maradona auch an einem 25. November starb – wie sein "Comandante", wie er den im Jahr 2016 verstorbenen Castro nannte.

Maradona und der Sozialismus des 21. Jahrhunderts

Seine politische Haltung brachte Maradona auch anderen lateinamerikanischen Führern näher, darunter dem ehemaligen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez, dem bolivianischen Führer Evo Morales, dem ehemaligen brasilianischen Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva sowie seinen Landsleuten Néstor Kirchner und Cristina Fernández de Kirchner.

Die leidenschaftliche Unterstützung Diego Armandos für die Leitfiguren des sogenannten Sozialismus des 21. Jahrhunderts brachte ihn dazu, im Jahr 2005 mit Chávez und Morales eine gemeinsame Zugreise zu unternehmen, als in der argentinischen Stadt Mar del Plata der bekannte "Gegengipfel" (oder der 3. Gipfel der Völker) stattfand, auf dem der Freihandelsabkommen FTAA abgelehnt wurde, der Kuba ausschloss.

Die Veranstaltung wurde als Gegenreaktion auf den Amerika-Gipfel ausgetragen, an dem sich der ehemalige US-Präsident George W. Bush beteiligte. Maradona trat damals politisch für die Linke an und sagte:

Alles, was Fidel und Chávez machen, wird für mich die Höchstleistung in dieser Welt sein, die der Mörder Bush regieren will, der Teufel, wie der Meister gesagt hat.

Nach Chávez' Tod unterhielt der Argentinier seine Verbindung zur Bolivarianischen Regierung von Venezuela über Nicolás Maduro weiter, dem er sogar seine Hilfe anbot, um die Krise im Land zu mildern. 

An diesem Mittwoch offenbarte der venezolanische Staatschef sichtbar durch die traurige Meldung vergrämt in einer Erklärung:

Diego half uns bei geheimen Dingen, um Nahrungsmittel für das venezolanische Volk zu bringen. Heute kann ich das sagen.

Die "Brüder" Evo und Diego

Maradonas Beziehungen zu Evo Morales gingen über das Politische hinaus und erstreckten sich auf das Sportliche. Im Jahr 2008 nahm der Champion der WM in Mexiko 1986 an einem Spiel im Olympiastadion von La Paz teil, um die Aufhebung der FIFA-Vorschrift zu fordern, keine internationalen Fußballspiele in einer Höhe von über 2.750 Metern über dem Meeresspiegel auszutragen.

Im Sportumfeld war er immer kritisch gegenüber der Spitzenleitung, die über den Fußball weltweit schaltet und waltet. Seine Vorwürfe wegen Korruption in den Chefetagen des höchsten Fußballgremiums hatten ein Nachspiel, als das "FIFA-Gate" ausbrach und mehrere ehemalige Vorstandsmitglieder verurteilt wurden.

Nachdem der Fußballstar im November vergangenen Jahres über seine sozialen Netzwerke den Staatsstreich in Bolivien entschieden abgelehnt hatte, beklagte der ehemalige Präsident an diesem Mittwoch den Tod seines "Bruders", wie Morales Maradona auf Twitter bezeichnete.

Der eingefleischte Peronist

In Argentinien, wo Maradona von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung für den höchsten Erfolg der Nationalelf vergöttert wird, stößt das Engagement der Fußballlegende für den sogenannten Progressismus in gewissen rechten Kreisen, vor allem bei den Antiperonisten auf Abneigung, obwohl einige von ihnen bevorzugen, ihre politische Haltung vom Sport zu unterscheiden.

Einer der letzten Sätze, den der ehemalige Trainer von Gimnasia y Esgrima La Plata anlässlich des jeweils am 17. Oktober begangenen "Treuetags" der peronistischen Bewegung artikulierte, war:

Ich war, ich bin und ich werde immer Peronist sein.

Seine konsequente Unterstützung für Cristina Fernández de Kirchner und den jetzigen Präsidenten Alberto Fernández, mit dem er sich im Dezember vergangenen Jahres kurz nach dessen Amtsantritt traf, und seine schärfste Kritik gegenüber dem ehemaligen Staatschef Mauricio Macri vermehrten Liebe und Hass beiderseits des Spalts, die durch die argentinische Gesellschaft verläuft. 

An diesem Mittwoch ordnete Fernández drei Tage Trauer an und stellte die Casa Rosada für die Aufbahrung des größten Sportidols Argentiniens und Neapels zur Verfügung. Auch in dieser italienischen Stadt organisierten Maradonas Fans eine Nachtwache, um von ihrem König Abschied zu nehmen.

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