Europa

"Schlaflos" in die Zukunft: Großbritannien soll auch ohne USA Krieg führen können

Ohne die USA zieht kein Brite in den Krieg. So lautet zumindest ein ungeschriebenes Gesetz. Doch diese Zeiten neigen sich nun anscheinend dem Ende entgegen. Dem Verteidigungsminister zufolge muss Großbritannien in Zukunft auch ohne die USA Krieg führen können.
"Schlaflos" in die Zukunft: Großbritannien soll auch ohne USA Krieg führen könnenQuelle: www.globallookpress.com © Michal Fludra

Dem britischen Verteidigungsminister Ben Wallace zufolge ist es der zunehmend offensichtliche Rückzug der US-Administration von ihrer "internationalen Führungsrolle", die Großbritannien keine andere Alternative lasse, als dem eigenen Militär neue Ressourcen für eine eigenständige Kriegführung zu gewährten.

Ich mache mir Sorgen, wenn sich die USA von ihrer weltweiten Führungsrolle zurückziehen. Das wäre schlecht für die Welt und schlecht für uns. Wir planen für das Schlimmste und hoffen auf das Beste", äußerte sich Wallace besorgt.

Die Sorgen, die Wallace umtreiben, bereiten ihm nach eigener Aussage obendrein "schlaflose Nächte". Seiner Ansicht nach muss sich Großbritannien nun dafür wappnen, "zukünftige Kriege ohne die USA als Hauptverbündeten zu führen", heißt es in britischen Medien. Diese Konsequenz begründet der Verteidigungsminister unter anderem mit dem "Rückzug" der USA aus Syrien.

Im letzten Jahr haben sich die USA aus Syrien zurückgezogen, dazu kommt die Erklärung von Donald Trump zum Irak, in der er sagte, die NATO solle übernehmen und mehr im Nahen Osten tun.

In der Tat hatte US-Präsident Trump Anfang Januar einen stärkeren Einsatz der NATO im Nahen Osten gefordert. Wenige Tage später wartete Trump mit der Idee auf, die NATO im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat um Staaten im Nahen Osten zu erweitern – halb im Scherz sprach der US-Präsident von einer neuen NATO-ME (NATO Middle East).

Ich denke, die NATO sollte vergrößert werden, und wir sollten den Nahen Osten aufnehmen, absolut", zeigte sich Trump überzeugt.

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Laut dem britischen Verteidigungsminister ist es nun höchste Zeit für die Downing Street, das ungeschrieben Gesetz zu überdenken, dass Großbritannien nur an der Seite des großen Bruders aus Übersee in den Krieg zieht. Dabei solle man sich auf die von Premierminister Boris Johnson in Aussicht gestellte fundamentalste "Überprüfung der britischen Sicherheits-, Verteidigungs- und Außenpolitik seit dem Kalten Krieg" stützen.

Obwohl die entsprechenden Einzelheiten noch im Dunkeln liegen, bestätigte der Sprecher des Premierministers die Pläne für die Überprüfung:

"Wie der Premierminister im Wahlkampf ankündigte, wird die Regierung eine neue integrierte Überprüfung der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik vornehmen, die von den Streitkräften bis zu den Geheimdiensten, der Terrorismusbekämpfung, der schweren organisierten Kriminalität, der Diplomatie und der Entwicklung reichen wird."

Nur dadurch könne letztendlich garantiert werden, dass die britische Regierung die eigenen Ausgaben "optimal nutze, um sicherzustellen, dass alle unsere Sicherheitskräfte den feindlichen Mächten, Terroristen und dem organisierten Verbrechen voraus sind".

Laut Wallace muss Großbritannien die Überprüfung seiner Verteidigungspolitik nutzen, um neue Fähigkeiten zu erwerben und in künftigen Konflikten weniger abhängig von den USA zu sein.

"Wir sind sehr abhängig von der amerikanischen Luftüberwachung und den amerikanischen Geheimdienst-, Überwachungs- und Aufklärungseinrichtungen. Wir müssen unsere Mittel diversifizieren", forderte Wallace.

In einer Rede vor dem Royal United Services Institute (RUSI) in London hatte bereits Wallaces Vorgänger Gavin Williamson Pläne unterbreitet, um das britische Militär auf seine neuen Aufgaben vorzubereiten. Demnach müsse Großbritannien bereit sein, "militärische Gewalt einzusetzen", um die eigenen "globalen Interessen zu wahren".

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