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Schwedische Klimapsychologin: Zu viel Klimaangst schlecht für die Gesundheit

Kali Andersson ist Umweltaktivistin und Psychologin in der Heimatstadt Greta Thunbergs. Im Gespräch mit der schwedischen Zeitung Expressen warnt sie vor Gesundheitsschäden, wenn man sich die Last des Klimawandels zu sehr aufbürdet. Dann bräuchte es eine Therapie. 
Schwedische Klimapsychologin: Zu viel Klimaangst schlecht für die GesundheitQuelle: Reuters © Susana Vera

Greta Thunberg, schwedische Klimaaktivistin, schuf die Bewegung "Fridays for Future". Immer Freitags wird für den Klimaschutz demonstriert, statt zur Schule zu gehen. Thunberg hat sich angesichts ihrer Angst vor dem Klimawandel einem strengen Lebensstil verschrieben. Dies bedeutet, sich möglichst vegan zu ernähren und auf Flugreisen und Konsum zu verzichten. Viele junge Leute machen es ihr nach. 

Für die Klimapsychologin Kali Andersson und ihre Kolleginnen der Klimapsychologie-Praxis in Stockholm ist unbestritten, dass der Klimawandel Verhaltensänderungen der Lebensweise des Menschen fordert. 

Die Aufgabe der Klimapsychologen sehen sie wie folgt: 

Um Menschen dazu zu bringen, ihre Lebensgewohnheiten zu ändern, organisatorische und gesellschaftliche Veränderungen vorzunehmen, müssen wir verstehen, wie Menschen funktionieren und was unsere Entscheidungen beeinflusst. Die Klimapsychologen sammeln und teilen Fakten und Wissen über genau diese Sache. 

Darüber hinaus wird der Umgang mit der Klimaangst untersucht. Andersson selbst änderte ihren Lebensstil und erfuhr, welche Auswirkungen dies haben kann. Sie bewegte sich nur noch zu Fuß oder per Fahrrad durch die Stadt, verzichtete auf Shampoo und reinigte sich ihre Haare mit Roggenmehl. Letztendlich stellte sie fest: 

Am Ende hatte ich es satt, eine Art Freak mit unverhältnismäßig großen Oberschenkeln zu sein.

Durch ihre Arbeit trifft sie auf Menschen, die die Klimaangst krank gemacht hat. Die sich immer mehr aufbürden, um klimagerecht zu leben. Für einige hat der hohe Anspruch an sich selbst dabei so viel Angst und Stress erzeugt, dass sie in Therapie gehen müssen. Die Verantwortung auf der individuellen Ebene zu verorten, hält Andersson für falsch. Es müsse sich die gesamte Gesellschaft ändern und einen Systemwechsel geben.

Die große Mehrheit muss Wege finden, um zu spüren, dass man etwas Gutes tut, am besten zusammen mit anderen", sagt Kali Andersson.

Andersson wünscht sich eine Volksbewegung, welche von den Politikern vorangetrieben werden müsse. So sei die Nahrungsmittelproduktion etwa nicht nachhaltig genug. 

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