Europa

Leichte Wahl: Boris Johnson statt Jeremy Corbyn im Sinne der deutschen Wirtschaft

Die Neuwahlen in Großbritannien sollen Johnson helfen, den Brexit zu vollziehen. Nach Ansicht der deutsch-britischen Handelskammer ist die Wahl Johnsons das kleinere Übel für die deutsche Wirtschaft. Die Labour-Partei würde durch Umverteilungen die Wirtschaft schwächen.
Leichte Wahl: Boris Johnson statt Jeremy Corbyn im Sinne der deutschen WirtschaftQuelle: Reuters © Toby Melville

Die Labour-Partei mit Jeremy Corbyn an der Spitze will Wohlhabende und Unternehmen höher besteuern, eine Viertagewoche einführen, den Mindestlohn erhöhen und verschiedene Bereiche der Grundversorgung verstaatlichen. Seinen Kontrahenten Premierminister Boris Johnson verleitete dies zu einem Vergleich Corbyns mit "Josef Stalin".

Neben seinen nach Ansicht Johnsons sozialistischen Maßnahmen habe sich der Labour-Chef in der Skripal-Affäre auf die Seite Russlands geschlagen. Die vermeintlich versuchte Vergiftung des ehemaligen Doppelagenten Sergei Skripal und dessen Tochter mit dem Nervengift Nowitschok, so sah es die Regierung in London als erwiesen an, war von Russland durchgeführt worden. Corbyn reagierte daraufhin via Twitter und sprach von "Unsinn". 

Am 12. Dezember wählt Großbritannien ein neues Parlament. Die Wahl ist auch ein entscheidendes Signal für die deutsche Wirtschaft. In Großbritannien arbeiten rund 400.000 Menschen für deutsche Unternehmen, in Deutschland sind 750.000 Arbeitsplätze vom Handel mit Großbritannien abhängig. Der Geschäftsführer der deutsch-britischen Handelskammer (AHK) in London, Ulrich Hoppe, sagte: 

Die Wirtschaft steht den Plänen einer Regierung Corbyn kritisch gegenüber. Aufgrund der angekündigten Verstaatlichungen und Umverteilungen fallen Anreize weg. Damit wird die Wirtschaftskraft geschwächt. 

All die Labour-Maßnahmen könnten dazu führen, dass deutsche Unternehmen abwägen, ob sich die Produktion innerhalb Großbritanniens noch lohne. Die ungewissen Auswirkungen in Bezug auf den Brexit ließen zudem viele Firmen abwarten.

Johnson hatte einen Brexit Ende Oktober versprochen. Dieses Versprechen konnte er nicht einhalten. Nun soll Großbritannien Ende Januar aus der Europäischen Union scheiden. Für die Zeit danach will Johnson möglichst schnell ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien aushandeln. Dies jedoch wird als unrealistisch angesehen.