Europa

"Lieber Gruß vom Opa Ratko" – Kriegsverbrecher Mladić live aus der Zelle ins serbische Fernsehen

Der zu lebenslanger Haft vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verurteilte ehemalige serbische General Ratko Mladić wurde in Serbien live ins Morgenmagazin geschaltet. Das Tribunal leitete Untersuchungen ein, um zu prüfen, wie das möglich gewesen war.
"Lieber Gruß vom Opa Ratko" – Kriegsverbrecher Mladić live aus der Zelle ins serbische FernsehenQuelle: Reuters

Das Morgenmagazin eines privaten Fernsehsenders in Serbien sorgt für Diskussionen und Kopfschütteln in dem Westbalkan-Land. Einige Medien sprechen bereits von einem Skandal, der Serbien negative internationale Aufmerksamkeit bringen werde. Der serbische Ex-General Ratko Mladić, der vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, wurde am Freitagmorgen live in eine Fernsehsendung geschaltet. Der Oberkommandant der bosnischen Serben während des Bürgerkriegs in der ehemaligen jugoslawischen Republik begrüßte per Telefonschalte direkt aus dem Gefängnis in Den Haag die im Studio anwesenden Gäste. Das Tribunal leitete nun eine Untersuchung ein.

Der Fernsehsender Happy lud am Freitagmorgen neben dem Sohn des serbischen Ex-Generals, Darko Mladić, auch den rechtsnationalistischen Politiker Vojislav Šešelj ein. Weitere Gäste der Sendung "Guten Morgen, Serbien" waren der russische Politiker Pawel Dorochin und die russische Historikerin Jelena Guskowa. Anlass war die Vorstellung eines neuen Buches über den ehemaligen Oberkommandant der bosnischen Serben. Sein Sohn griff aber plötzlich zum Handy und rief seinen Vater in Den Haag an.

"Lieber Gruß vom Opa Ratko", sagte Mladić in der Telefonschalte. Neben einer Aufforderung an den Moderator und Hauptverantwortlichen des TV-Senders, ihn mal im Gefängnis zu besuchen, lud er den rechtsnationalistischen Politiker Šešelj, der vom Haager Tribunal ebenfalls wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wurde, zu einer Partie Schach ein. Er vermisse es, ihn stets zu besiegen. Das letzte Mal habe er ihn 7:1 geschlagen, witzelte er. 

Warnung vor der Ausdehnung der NATO 

In den knapp drei Minuten richtete er unter anderem noch Grüße an die Kommunistische Partei der Russischen Föderation aus und warnte Russland vor der Ausdehnung der NATO. Dann beendete der Moderator Milomir Marić, dessen Sendungen in der Vergangenheit immer wieder für Gesprächsstoff gesorgt hatten, die Schalte mit einem "Danke, General ".

Im Laufe des Tages wurde nun bekannt, dass der Mechanismus für internationale Strafgerichtshöfe MICT eine Untersuchung eingeleitet hat. Es soll geprüft werden, ob Mladić gegen jegliche Regeln verstoßen habe. Die Sprecherin des MICT, Helena Eggleston, soll laut der Nachrichten-Website Balkan-Insight mitgeteilt haben, dass Häftlinge das Recht hätten, mit ihren Familienmitgliedern zu kommunizieren, aber jeder Kontakt mit den Medien im Voraus vom Sekretariat des UN-Gerichtshofs genehmigt werden müsse.

Ratko Mladić wurde vor fast genau einem Jahr vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien wegen seiner Rolle während des Bosnienkriegs (1992-1995) zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter befanden Mladić in zehn von elf Anklagepunkten für schuldig. Mladić soll unter anderem für Verbrechen während der knapp vierjährigen Belagerung der heutigen bosnischen Hauptstadt Sarajevo und für das Massaker von Srebrenica verantwortlich sein. Der 75-Jährige legte im März dieses Jahres Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil ein.

Mehr zum Thema - UNO-Kriegsverbrechertribunal verurteilt serbischen General Mladic zu lebenslanger Haft

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