Europa

Nach Aussetzung des Literaturnobelpreises: Gerichtsverfahren wegen sexueller Vergehen beginnt

Jean-Claude Arnault, sich selbst gern als 19. Mitglied der Schwedischen Akademie bezeichnend, steht nun in Stockholm wegen Vergewaltigung vor Gericht, nachdem ihm 18 Frauen sexuelle Belästigung und Missbrauch vorwarfen. Der Literaturnobelpreis wurde 2018 ausgesetzt.
Nach Aussetzung des Literaturnobelpreises: Gerichtsverfahren wegen sexueller Vergehen beginntQuelle: Reuters © TT News Agency/Jonas Ekstromer via REUTERS

In zwei Vergewaltigungsfällen muss sich der 72 Jahre alte Jean-Claude Arnault seit heute vor dem Stockholmer Gericht verantworten. Die Identität der Frau ist nicht bekannt. Auch die Anwälte beider Seiten enthalten sich bislang jeglichen Kommentars. Seine Ehefrau, Katarina Frostenson, ist Mitglied der Schwedischen Akademie, welche die Preisträger des Literaturnobelpreises auswählt. Arnault, eine zentrale Figur des kulturellen Lebens in Stockholm, leitete den Forum-Club in Stockholm. Hier hofften junge Autoren darauf, entdeckt zu werden. 

Der Skandal führte in der Schwedischen Akademie zu internen Nachforschungen. Diese ergaben, dass mehrere Mitglieder der Akademie sowie Töchter und Ehefrauen der Mitglieder von dem Angeklagten sexuell belästigt wurden oder anderweitiges unangemessenes Verhalten zu beklagen hatten. 

Den Skandal ins Rollen gebracht hatte ein Artikel, der 2017 in den schwedischen Tagesnachrichten Dagensnyheter (Tagesnachrichten) veröffentlicht wurde, in welchem 18 Frauen Jean-Claude Arnault der sexuellen Belästigung, bis hin zur Vergewaltigung, beschuldigten. Einen Monat zuvor waren in den USA die Beschuldigungen gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein öffentlich geworden. 

Kritiker warfen daraufhin auch der Schwedischen Akademie eine "Kultur des Schweigens" vor. Sechs der 18 Mitglieder legten ihr Amt infolge des Skandals um Arnault nieder, der sich selbst bis dahin gerne als "das 19te Mitglied der Akademie" beschrieb. Er weist jede Schuld an den Vorwürfen von sich. Ihm könnten bis zu sechs Jahre Haft drohen. Den Literaturnobelpreis wird es erst 2019 wieder geben.

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