Europa

Chemiewaffenexperte zum Fall Skripal: Nowitschok-Haltbarkeit macht Amesbury unrealistisch

Igor Nikulin, früher UN-Experte für Chemiewaffen, sprach mit RT Deutsch über Nowitschok. In Amesbury sollen jüngst zwei Personen mit dem Nervengift in Kontakt gekommen sein. Der Ort liegt unweit von Salisbury, wo sich die Skripal-Affäre zutrug.
Chemiewaffenexperte zum Fall Skripal: Nowitschok-Haltbarkeit macht Amesbury unrealistischQuelle: Reuters © Reuters

Igor Nikulin, ehemaliger UN-Experte für Chemiewaffen, sprach mit RT Deutsch über das tödliche Nervengift Nowitschok. 

Welchen Effekt hat Nowitschok? Welche Wirkung auf die menschliche Gesundheit hat es?

Es ist ein Nervengiftgas. Es blockiert folglich die Atmung, und der Mensch stirbt. Die Rede ist daher von einem der giftigsten Stoffe, die je entwickelt worden sind. 

Die Deutsche Presse-Agentur schreibt, dass Nowitschok innerhalb von 30 Sekunden bis zwei Minuten wirken würde. Ist das wahr?

Ja, das stimmt.

Gibt es eine Chance, dass man sich nach einem Kontakt mit Nowitschok erholen kann?

Ja, aber nur, wenn man innerhalb von zwei Minuten das Gegengift verabreicht bekommt. Wenn das nicht passiert, wird der Mensch natürlich sterben.

Das heißt, es gibt ein Gegengift?

Die Amerikaner und Briten haben sich damit in den letzten 20 Jahren beschäftigt. Ich glaube, dass sie etwas entwickelt haben. Sonst wären die Skripals ums Leben gekommen, und die anderen, die jüngst Betroffenen hätten auch nicht überlebt.

Der neue Fall ist einige Monate nach den Ereignissen in Salisbury passiert. Laut einer britischen Mitteilung soll die Vergiftung durch ein und denselben Giftstoff eingetreten sein, mit dem auch Julia und Sergej Skripal vergiftet wurden. Ist das möglich? Wie lange kann Nowitschok schädlich bleiben? Wie lange ist es wirkungsfähig?

Höchstens einige Tage bis zu zwei Wochen lang. Wenn man es in einem speziellen Raum aufbewahrt hätte, könnte es rein theoretisch auch nach einigen Monaten noch wirksam sein. Man hätte es dann also buchstäblich gestern versprühen müssen.

Die Polizei hat erklärt, dass sie nach einer gründlichen Probenanalyse bestätigen könne, dass die jüngsten Betroffenen mit demselben Mittel vergiftet worden seien wie die Skripals. Welche Sicherheitsvorkehrungen sollte man treffen, damit das Krankenhauspersonal davor geschützt ist? Kann sich Nowitschok von Mensch zu Mensch übertragen?

Von Mensch zu Mensch wohl kaum. Aber auf jeden Fall müssen die Menschen, die sich in der Nähe aufhalten, gewisse Sicherheitsmaßnahmen befolgen. Sie müssen zumindest eine Atemschutzmaske und einen universellen Schutzanzug anhaben.

Es hat eine Warnung gegeben, dass man wegen Nowtischok keine Behälter vom Boden auflesen dürfe. Was halten Sie von dieser Warnung?

Nun ja. Das ist eine vernünftige Warnung. Wenn aber Hunderte von Scotland-Yard-Agenten auf diesem Gelände gearbeitet haben und keinerlei solche Behälter entdeckt haben, so ist dies das größte Fiasko in ihrer Geschichte.

Ich könnte noch Folgendes hinzufügen: Höchstwahrscheinlich ist das eine Provokation der britischen Geheimdienste. Hier gibt es mindestens zwei Gründe: Entweder hat man das zeitlich an die Fußball-WM angepasst, oder man hat das zeitlich an Putins Treffen mit Trump angepasst. Denn die Briten machen nichts von ungefähr. Ihre Operationen sind immer langfristig. Auf jeden Fall ist das aber eine sehr grobe und ungehobelte "Arbeit".

Wir bedanken uns für das Interview.

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