Europa

"Echte Kartoffelkatastrophe": Europa droht Kartoffelknappheit wegen extremer Hitze

Laut der Zeitung "Financial Times" werden die ungewöhnlich hohen Temperaturen in Europa in diesem Sommer zu einer Kartoffelknappheit führen. Allein in Frankreich wird in diesem Jahr die geringste Ernte der letzten 30 Jahre erwartet.
"Echte Kartoffelkatastrophe": Europa droht Kartoffelknappheit wegen extremer HitzeQuelle: Sputnik © RIA Nowosti/Konstantin Michaltschewski

Die beispiellose Dürre dieses Sommers in Europa und eine ineffiziente Krisenbewältigung wirken sich nun negativ auf die Ernte aus. Wie die Zeitung Financial Times unter Berufung auf das britische Analysezentrum Energy and Climate Intelligence Unit (ECIU) berichtet, haben die Wetterbedingungen zu einem Ernteausfall von 3,1 Millionen Tonnen geführt und eine große Kartoffelknappheit verursacht. Der ECIU-Analyst Tom Lancaster erklärte im Gespräch mit der Zeitung:

"Da Kartoffeln zu den Kulturen gehören, die besonders viel Wasser benötigen, war es unvermeidlich, dass die Ernte stark beeinträchtigt werden würde, und dies zeigt sich nun auch in den Ertragsschätzungen der Branche – in einigen Fällen sind sie um 20 Prozent zurückgegangen. Für Kartoffelbauern, die an vorderster Front des Klimawandels stehen, entwickelt sich die Situation in der Tat äußerst ungünstig."

Andere Experten schließen sich ihm an. So warnt Craig Elliott, Analyst bei Expana für Europa, den Nahen Osten und Afrika:

"Niemand konnte die fünf extrem starken Hitzewellen vorhersehen. Sie haben die Ernteerträge verringert und die Qualität beeinträchtigt. Sollten sich die Schätzungen bestätigen, wird der Markt innerhalb nur eines Jahres von einer Rekordernte zu einer Rekordtief-Ernte wechseln. Das ist eine echte Kartoffelkatastrophe.

Nach Schätzungen der ECIU wird die Kartoffelproduktion in den wichtigsten Anbauländern Europas – Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden – im Jahr 2026 von einem Rekordwert von 27,3 Millionen Tonnen im Jahr 2025 auf 19,5 bis 20,5 Millionen Tonnen zurückgehen. So verzeichnet Frankreich bereits jetzt die niedrigste Ernte der letzten 30 Jahre, mit Ausnahme des Jahres 2022, als das Land unter einer schweren Dürre litt.

Die schwierige Lage wirkt sich bereits auf den Kartoffelpreis aus. So ist der Marktpreis für Verarbeitungskartoffeln in einigen Fällen auf etwa 250 Euro pro Tonne gestiegen, gegenüber 30 Euro vor einem Jahr. Im Einzelhandel ist der Preisanstieg jedoch bislang deutlich geringer: Bei der französischen Supermarktkette Carrefour kosten normale Kartoffeln derzeit etwa 70 Cent bis 1,10 Euro pro Kilogramm, bei der belgischen Carrefour etwa 1,10 Euro bis 1,92 Euro pro Kilogramm. Der Preisanstieg betrug etwa vier Prozent.

Das Problem wurde durch die gegenteilige Situation im vergangenen Jahr verschärft – nach einer Rekordernte und einem Preisverfall hatten die Landwirte ihre Anbauflächen reduziert, und anschließend litt die neue Ernte zusätzlich unter Hitze und Dürre.
Die Vorräte könnten bis Weihnachten reichen, doch die Marktteilnehmer rechnen mit einer deutlicheren Verknappung gegen Frühjahr. Laut einer Prognose von Cedric Porter, Redakteur bei World Potato Markets, könnte die Verknappung gegen Ostern in den Supermärkten spürbar werden.

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