Europa

NATO übt "Schläge gegen Russland" in Londoner U-Bahn – Gefechtsstand unter Charing Cross

NATO-Soldaten trainieren in einer stillgelegten Londoner U-Bahn-Station mögliche "Schläge gegen Russland". Im Fokus stehen elektronische Kriegsführung, Drohnenabwehr und ein Baltikum-Szenario bis 2030 – begleitet von Warnungen vor Eskalation und Aufrüstung.
NATO übt "Schläge gegen Russland" in Londoner U-Bahn – Gefechtsstand unter Charing Cross© Urheberrechtlich geschützt

NATO-Kräfte haben eine stillgelegte Plattform der U-Bahn-Station Charing Cross im Zentrum Londons als unterirdischen Gefechts- und Kommandostand genutzt. Dort liefen Führungs- und Stabsübungen im Rahmen des Manövers Arcade Strike. Mehrere Berichte, darunter The Independent, beschreiben das Szenario als Simulation möglicher Operationen gegen Russland im Falle eines Angriffs auf Bündnisstaaten.

Im Zentrum der Übung stand ein fiktives Kriegsszenario im Jahr 2030. Eine Invasion in einen baltischen Staat löst demnach eine Reaktion der NATO aus, einschließlich koordinierter Gegenoperationen und sogenannter "tiefer Schläge" gegen gegnerische Kräfte. "Zu diesem Zeitpunkt könnte die Bedrohung durch Russland nach Einschätzung der Militärplaner am größten sein", heißt es in einer Erklärung des britischen Verteidigungsministeriums. Die Behörde bezeichnete Arcade Strike zugleich als eine der größten Übungen der vergangenen Jahrzehnte.

Die britische Kommandostruktur Rapid Reaction Corps koordinierte die Abläufe. Die Soldaten trainierten dabei insbesondere elektronische Kriegsführung, darunter die Störung von Kommunikationssystemen sowie die Abwehr und Zerstörung von Drohnen eines angenommenen Gegners. Das Ziel bestand darin, Aufklärungs- und Angriffstaktiken zu erproben, bei denen gegnerische Kräfte frühzeitig erkannt und unmittelbar bekämpft werden sollen.

Der Aufbau der Übung erfolgte in einer besonderen Infrastruktur. Auf der verlassenen Plattform richteten Ingenieure einen vollständigen Gefechtsstand ein. Dieser hätte im Ernstfall die Koordination von bis zu 100.000 Soldaten übernehmen können. Die Ausrüstung wurde nachts über das Londoner U-Bahn-System in die Anlage gebracht. Die Station Charing Cross im Stadtteil Westminster ist seit rund 25 Jahren außer Betrieb.

Der britische Generalleutnant Michael Elviss erläuterte die operative Logik hinter dem Szenario. Russland verfügt aus Sicht der Militärplanung über zwei zentrale Vorteile: die Fähigkeit, Kräfte schnell am Angriffspunkt zu konzentrieren, und die Initiative für einen möglichen Erstschlag. Die Übung solle darauf reagieren und die Fähigkeit verbessern, auf solche Szenarien militärisch zu reagieren. "Wir wollen, dass der Gegner weiß, dass wir auf diese Herausforderung vorbereitet sind", sagte er.

Christopher Donahue, der das Land Component Command der NATO leitet, unterstrich als US-General die strategische Bedeutung der Planung. "Die Bereitschaft für 2030 ist kein Slogan, sondern eine zwingende Notwendigkeit", sagte er. Zugleich warnte er, dass klassische militärische Vorteile westlicher Streitkräfte in künftigen Konflikten nicht mehr als gesichert gelten könnten.

Parallel dazu weisen Militärkreise auf bestehende strukturelle Defizite innerhalb der NATO hin. So reichen nach Einschätzungen aus dem Verteidigungsumfeld die britischen Drohnenbestände im Ernstfall nur für etwa eine Woche intensiver Kampfhandlungen aus, während im Ukraine-Krieg täglich Tausende unbemannte Systeme eingesetzt werden.

Auch die strategische Gesamtbewertung spielte bei der Übung eine Rolle. Der NATO-Oberbefehlshaber in Europa, General Alexus Grynkewich, bezeichnete entsprechende Trainings als entscheidend für die künftige Einsatzfähigkeit des Bündnisses. Nur wer schneller lerne und sich anpasse als potenzielle Gegner, könne seine Verteidigungsfähigkeit sichern.

Zuvor hatte NATO-Generalsekretär Mark Rutte Russland im Zusammenhang mit nuklearer Abschreckung mit "verheerenden Konsequenzen" gedroht.

Die Übungen stehen im Kontext einer breiteren Debatte über militärische Modernisierung und Eskalationsrisiken in Europa. Russland weist entsprechende Vorwürfe regelmäßig zurück und betont, keine Angriffsabsichten gegen NATO-Staaten zu verfolgen. Gleichzeitig spricht Moskau von unbegründeten Szenarien der westlichen Militärplanung.

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